„Therese!“ ruft sie in ihrer gellenden Stimme. „Wer hat sie gesehen? Therese Defarge!“

„Sie hat noch nie gefehlt,“ sagt eine Strickschwester neben ihr.

„Nein; und sie wird auch heute nicht fehlen,“ sagt der Racheengel ärgerlich. „Therese!“

„Lauter,“ empfiehlt die andere.

Ja! Lauter, Racheengel, viel lauter und dennoch wird sie dich schwerlich hören. Noch lauter, Racheengel, vielleicht mit einem Fluche verstärkt und doch wirst du sie kaum herbei schaffen. Schicke andere Frauen aus um sie zu suchen, wo sie verweilt; und obgleich deine Boten Schreckliches gethan haben, ist es doch fraglich, ob sie freiwillig weit genug gehen werden, um sie zu finden.

„Wie ärgerlich!“ rief der Racheengel aus und stampfte mit dem Fuße; „und da kommen die Karren! und Evrémonde wird in einem Nu hingerichtet sein und sie ist nicht da! Hier habe ich ihr Strickzeug in der Hand und ihr leerer Stuhl steht neben mir. Ich möchte vor Verdruß und Aerger weinen!“

Wie der Racheengel von seiner Höhe herabsteigt, um Dies zu thun, fangen die Karren an, sich ihrer Ladung zu entledigen. Die Priester der heiligen Guillotine haben ihr Gewand angethan und stehen bereit. Krach! — ein Haupt wird in die Höhe gehalten und die Strickerinnen, die kaum aufgeblickt haben um es vor einer Sekunde anzusehen, wo es noch denken und sprechen konnte, zählen Eins.

Der zweite Karren entleert sich und fährt weiter; der dritte kommt heran. Krach! — und die Strickerinnen, die sich ihrer Arbeit nicht stören lassen, zählen Zwei.

Der vermeintliche Evrémonde steigt aus und die Nähterin wird gleich hinter ihm herabgehoben. Er hat beim Heraussteigen ihre geduldige Hand nicht losgelassen, sondern hält sie immer noch, wie er versprochen hat. Sanft wendet er sie so, daß sie der Maschine, die sich fortwährend rasselnd auf und nieder bewegt, den Rücken zukehrt, und sie sieht ihm dankend ins Gesicht.