Jeder stark ausgeprägte Gesichtsausdruck des Haupthandelnden in einem Auftritt von großem Interesse, dem viele Augen zusehen, wird unwillkürlich von dem Zuschauer nachgeahmt werden. Peinlich und angstvoll gespannt war der Ausdruck ihrer Züge, wie sie ihr Zeugniß abgab und während der Pausen, die sie machen mußte, um dem Richter Zeit zu lassen, es niederzuschreiben, den Eindruck beobachtete, den ihre Aussagen auf die Advocaten für und gegen die Anklage machten. Unter den Zuschauern im ganzen Saale zeigte sich derselbe Gesichtsausdruck und zwar in so hohem Grade, daß eine große Mehrzahl der Gesichter Spiegelbilder der Zeugin hätten sein können, als der Richter von seinen Notizen aufschaute, um mit einem fürchterlichen Blick die schreckliche Ketzerei wegen George Washington zu bestrafen.
Der Generalanwalt erklärte jetzt dem Richter, daß er es der Vorsicht und der Form wegen für nothwendig halte, den Vater der jungen Dame, Dr. Manette, als Zeugen aufzurufen. Er wurde demnach aufgerufen.
„Dr. Manette, sehen Sie den Angeklagten an. Haben Sie ihn früher einmal gesehen?“
„Einmal. Als er mich in meiner Wohnung in London besuchte. Es mag drei oder drei und einhalb Jahr her sein.“
„Erkennen Sie ihn als Ihren Reisegefährten am Bord des Packetschiffs, oder können Sie uns Etwas von seiner Unterhaltung mit Ihrer Tochter sagen?“
„Nein, Sir, weder das Eine noch das Andere.“
„Ist ein eigenthümlicher und besonderer Grund vorhanden, daß Sie Keines von Beiden thun können?“
Er gab mit gedämpfter Stimme zur Antwort. „Ja.“
„Sie haben das Unglück gehabt, in Ihrem Vaterlande ohne Proceß und sogar ohne Anklage eine lange Haft zu erleiden, Dr. Manette?“
Er antwortete in einem Tone, der Jedem zu Herzen ging. „Eine lange Haft.“