Die Nacht war so drückend schwül, daß, obgleich sie bei offenen Thüren und Fenstern saßen, die Wärme lästig wurde. Als sie mit dem Thee fertig waren, rückten sie Alle an eins der Fenster heran und sahen hinaus in die trübe Dämmerung. Lucie saß neben ihrem Vater; Darnay saß neben ihr; Carton lehnte an einem Fenster. Die Vorhänge waren weiß und lang und die Windstöße, die in dem Winkel wirbelten, machten sie bis zur Decke hinauf fliegen und bewegten sie wie Gespensterflügel.

„Der Regen fällt immer noch in großen, schweren und seltenen Tropfen,“ sagte Dr. Manette. „Es kommt langsam.“

„Es kommt sicher,“ sagte Carton.

Sie sprachen leise, wie es Leute, die auf Etwas mit Spannung warten, meistens thun; wie Leute, die in einem dunkeln Zimmer auf den Blitz warten, immer thun.

Auf den Straßen war großes Laufen von Leuten, die nach Hause eilten, um ein Obdach zu haben, ehe das Gewitter losbrach; der Winkel mit den wunderbaren Echo’s hallte wider von dem Schalle kommender und gehender Schritte, aber Niemand kam.

„Eine Unzahl Leute, und doch eine Einsamkeit!“ sagte Darnay, als sie eine Weile gelauscht hatten.

„Macht es nicht einen bänglichen Eindruck, Mr. Darnay?“ äußerte Lucie. „Manchmal habe ich hier Abends gesessen, bis es mir vorgekommen ist, — aber selbst bei dem bloßen Schatten einer thörichten Einbildung wird es mir heute, wo Alles so schwarz und feierlich ist, schauerlicher zu Muthe —“

„Lassen Sie es uns auch schauerlich werden. Sie dürfen doch sagen, was es ist?“

„Sie werden es für ein Nichts halten. Solche Einfälle machen nur auf Den Eindruck, dem sie zuerst kommen, glaube ich; sie lassen sich nicht mittheilen. Ich habe manchmal des Abends hier allein gesessen und gelauscht, bis es mir klar war, daß die Echo’s nur der Widerhall aller Schritte aller Menschen wären, die auf unser Leben Einfluß haben würden.“