Und dann hatte sie ein Kleid an, dessen Rock schlampig war und dessen Leibchen verschossen. Man findet im Carreau du Temple Wunder, die zwanzig Francs kosten. Ihre Schwester Blanche hatte ein Seidenkleid gekauft; übrigens stand es ihr schlecht.

Ihre Matrosenmütze war schmutzig und aus der Form gekommen, und nun gar ihre Stiefel! In diesem Beruf, in dem man geht, werden die Absätze schiefgetreten, die Sohlen durchlöchert, das Oberleder platzt . . . Aber man braucht schöne Stiefel! denn die Eleganz des Stiefels hebt die Fußform hervor, wenn man den Rock rafft, um den Mann anzuziehen. Und es ist gewiß, daß Berthes Stiefel ihr in weniger als zwei Tagen vom Fuße fallen werden. Glücklicherweise ist das Wetter schön. Sie berechnete, ob ihr, nachdem sie morgen und übermorgen gegessen haben wird, etwas übrig bleibt, damit sie sich Stiefel kauft.

Sie wird einen Händler in der Rue des Prêtres-Saint-Germain-d’Auxerrois aufsuchen, bei dem man Gelegenheitskäufe für drei Francs findet.

Berthe dachte an all diese Dinge ihres Prostituiertenlebens. Sie dachte, daß sie heute abend nach Pierre noch mit einem andern gehen müsse und daß sie morgen noch mit zwei Männern gehen werde. Übermorgen müsse sie für ihr Kleid arbeiten, darauf für ihren Hut, und dann würden die Stiefel verbraucht sein.

Den Tagen der Ermüdung folgen die Tage der Vernichtung durch all die Zeit, die wir durchschreiten. Der Boulevard Sebastopol und die großen Boulevards mit ihren Linien von Bürgersteigen sind hart wie Stein, wenn man sie lang begangen hat. Nirgends begegnet man ein wenig Barmherzigkeit. Der junge Mann von heute abend wird Berthe wenigstens zweimal benützen. Die andern werden sie für ihr Geld wollen. Die Männer mißbrauchen unsern Körper und schinden ihn dafür, daß sie uns Brot geben. Und diese Gedanken kreisten in ihrem Kopfe wie eine Welt von schwarzen Tierchen, die summen, stechen und den Kindern wehtun.

Sie kamen vor Pierres Tür an. Hinter der Schwelle nahm er sie in seine Arme und sagte:

„Ich liebe dich, o meine kleine Berthe!“

Dann fuhr er ihr in das Leibchen.