Berthe blieb anderthalb Monate im Krankenhaus.

Maurice wartete auf sie, wie man auf das tägliche Brot wartet, und besuchte sie jeden Donnerstag und Sonntag. Sie sagte: „Die Ärzte wollen mich noch einen Monat behalten.“

„Das ist eine lange Geschichte“, sagte Maurice.

„Was willst du, ich muß mich kurieren.“

Er antwortete: „Oh, ich weiß, du willst alles nach deinem Kopf machen.“

Im Hotelzimmer saß er, trank das Wasser aus der Flasche und wartete auf sie. Manchmal aß er nur Käse. Für drei Francs verkaufte er seinen Regenschirm und wartete mit einem gewissen Vertrauen zwei Tage. Dann tauchte ein Kamerad mit fünf Francs auf, der ihm das Zimmer bezahlte. Er aß etwas bei der Mutter, aber Geld verweigerte sie ihm. Er sagte: „Du könntest mich krepieren sehen!“ Sie erwiderte: „Arbeite!“

Berthe konnte ihm ein paar Zehnsousstücke geben: im Krankenhaus braucht man nichts. Es fanden sich zwei oder drei Frauen, die ihm ein Frühstück anboten und ihm den Tabak bezahlten, aber keine von ihnen konnte das Leben mit ihm teilen, denn er hatte gewählt, wie Männer wählen — für immer. Er saß und wartete, die Fäuste an den Kinnbacken, trockenes Brot kauend.

Er wartete ganze Nachmittage in den Straßen, wo er zwecklos herumging. Manchmal wurde ihm die Zeit trüb und blieb unbeweglich ihm zu Häupten schweben wie ein Schleier der Öde, wie etwas Gleichgültiges und Totes. Die Tage, an denen er mit den Kameraden zusammen gearbeitet hatte, und die Abenteuer schienen ihm vergangene Tage zu sein, Tage alter Zeiten, da man noch unter Menschen gelebt. Er hegte zwei oder drei Erinnerungen: Berthe schleppte sich gähnend durch das Zimmer und rekelte sich. „Mir ist es fad!“ sagte sie. Er antwortete: „Wenn es dir fad ist, hau ich dir eine übers Maul.“ Er begriff nicht, wie man einen ganzen Abend lang mutlos bleiben kann, während das Leben fiebert und die Welt voll Taten ist.

Jetzt begriff er dies besser. Ein wenig Leid klärt uns auf und weist uns die Schmerzen, die wir zu sehen nicht verstanden haben als ewige und bessere Brüder. Er fühlte noch, daß das Glück unzuverlässig ist und unser Herz ein schwankendes schwarzes Wrack. Er verlor seine Zuversicht und schrieb an Berthe: „Ich sehne mich nach dir. Es ist das erstemal, daß wir getrennt sind, und mir ist, als wären wir für immer getrennt.“ Ihm zogen nicht Gedichte durchs Herz, weil er keine kannte, aber eins nach dem andern fielen ihm all die Liebeslieder wieder ein, die er gehört hatte. Die schönsten und die lautersten waren die besten. Er fühlte mehr als jemals, was Schönheit ist. Vor allem das Lied Lakmés fällt uns ein und legt sich auf die Wunde, die uns schmerzt. Es kam von seinen Lippen wie ein Schrei, wie ein Hauch und wie ein guter Duft:

„Ja, ich finde dein Lächeln wieder