Die Prinzessin dankte ihrer Patin von Herzen und schon am anderen Morgen sagte sie zum Könige, ihrem Vater, das, was ihr die Fee geraten hatte, und erklärte feierlich, sie würde ihre Einwilligung erst dann geben, wenn sie das Kleid von der Farbe des Wetters bekäme.

Erfreut über die Hoffnung, die sie in ihm erweckte, berief der König die berühmtesten Schneider und befahl ihnen, das gewünschte Kleid zu machen, und drohte ihnen, daß er sie alle hängen lassen würde, wenn sie es nicht fertig bekämen. Doch dieses Äußerste blieb ihm erspart: schon am zweiten Tage brachten sie das so heiß begehrte Gewand herbei. Der Himmel selbst hatte kein schöneres Blau, wenn er umkränzt ist mit goldenen Wölklein, als dieses wunderschöne Gewand, wie es da ausgebreitet lag.

Die Prinzessin war ganz untröstlich und wußte sich keinen Rat. Der König drängte zur Heirat. So blieb ihr nichts übrig, als ein zweites Mal die Patin aufzusuchen. Erstaunt, daß ihre List nicht geglückt war, riet ihr die Fee, sie solle es noch einmal versuchen, aber dieses Mal ein Kleid von der Farbe des Mondes verlangen. Da der König ihr nichts abschlagen konnte, rief er wieder die besten Schneider herbei und gab ihnen ein Kleid von der Farbe des Mondes in Auftrag. So rasch sollten sie es machen, daß zwischen Auftrag und Lieferung nur vierundzwanzig Stunden lagen. In großer Angst saß die Prinzessin bei ihren Frauen und bei ihrer Amme und war mehr entzückt über das neue herrliche Gewand, als über die Absicht ihres königlichen Vaters.

Die Lila-Fee, die das alles wußte, kam der bedrängten Prinzessin zu Hilfe und sprach zu ihr:

»Ich müßte mich sehr täuschen, wenn wir es nicht doch noch fertig brächten, Deinem königlichen Vater die Lust zur Heirat zu nehmen. Verlange jetzt ein Kleid von der Farbe der Sonne! Ein solches zu beschaffen ist ein Ding der Unmöglichkeit. Auf jeden Fall gewinnen wir aber Zeit.«

Die Prinzessin war damit einverstanden und verlangte das Kleid von der Farbe der Sonne. Da gab der verliebte König ohne Bedenken alle Diamanten und Rubinen seiner Krone her, um ihr zu diesem herrlichen Gewande zu verhelfen und er befahl, mit nichts zu sparen, um das Kleid der Sonne gleich zu machen.

Als es dann geliefert wurde, mußten alle, die es sahen, die Augen schließen, so wurde man geblendet. Aus jener Zeit stammen die grünen Brillen und die schwarzen Augengläser.

Aber wie erschrak die Prinzessin bei diesem Anblick! Noch nie hatte man ein so schönes und so herrlich gearbeitetes Kleid gesehen. Sie war ganz verwirrt und zog sich unter dem Vorwand, Augenschmerzen zu haben, auf ihr Zimmer zurück, wo sie die Fee erwartete. Das war eine schlimme Sache. Wie diese das sonnenfarbene Kleid sah, war sie so beschämt, wie man es nicht sagen kann; sie wurde rot vor Zorn und sagte zur Prinzessin:

»Nunmehr müssen wir die schmachvolle Liebe Deines Vaters auf eine schwere Probe stellen. Wenn er auch noch so sehr nach dieser Heirat strebt, so glaube ich doch, daß er einen kleinen Schrecken über die Bitte bekommen wird, zu der ich Dir jetzt rate. Ich meine die Haut des Esels, den er so sehr liebt und der ihm die Mittel zu seinen verschwenderischen Ausgaben verschafft. Gehe hin und bitte ihn um die Haut des Esels.«

Froh über dieses Mittel der verabscheuten Heirat zu entgehen und überzeugt, daß ihr Vater sich niemals dazu entschließen würde, des Esels Haut zu opfern, ging die Prinzessin zum Könige und verlangte von ihm die Haut des schönen Tieres. Der König war bestürzt über diesen Einfall seiner Tochter, aber er zögerte nicht, ihm zu genügen. Der arme Esel wurde geschlachtet und die Haut feierlich der Prinzessin überbracht. Nun sah sie kein Mittel mehr, ihrem Unglück zu entgehen und war in Verzweiflung.