Ja, so sind sie alle, diese Yankees, brummte ich darein, wahre doppelt destillirte Juden, die ihre Töchter eben so, wie ihre Zwiebel-, Mehl- und Whiskyfässer, den Meistbietenden überlassen.

Ich hatte ganz vergessen, daß meines Freundes liebevolle Hälfte gleichfalls diesem berühmten Yankeestamme entsprossen, und verbiß meine Zunge. Zu Richards, einem echten Virginier, ließ sich so etwas schon sagen.

Er ist der consequenteste Feind alles Ausländischen, fuhr dieser fort, den es nur geben kann; doch vorzüglich was aus England herrührt; ein Tarifmann durch und durch. Er hat Pamphlete geschrieben, Reden gehalten, alles nur Mögliche zu Gunsten dieses seines Steckenpferdes gethan, wurde ausgelacht und ausgepfiffen, mit Koth beworfen, — nichts konnte ihn ändern. Er ist nun diese fünfzehn Jahre, seit ich ihn kenne, immer dieselbe steife, starre, stattliche Personnage, die kerzengerade, wie ein Indianer, einherwandelt, einen Schritt gleich dem andern, einen Tag wie den andern. Seinem Haare und Haarzopf widmet er eine systematische Sorgfalt, und er hat öfters lieber sein Mittagsessen versäumt, ehe er ohne diese Zierde bei Tafel erschienen wäre. Ein großer Theil seines Mißgeschickes springt von derselben Antipathie für alles Ausländische. Seit der Revolution rühmt er sich, nie auch nur das Mindeste vom Auslande auf seinem Leibe getragen zu haben. Vom Kopf zum Fuße in amerikanische Fabrikate gekleidet, bezahlte er lieber den fünffachen Preis, so lange unsere Manufakturen noch in ihrer Kindheit waren, als daß er englische Stoffe wählte; ja, einstens verbrannte er wirklich, ein zweiter Napoleon, einen vollständigen englischen Anzug, den man ihm als amerikanisch untergeschoben hatte.

Der Mann ist wirklich interessant, erwiederte ich. Ich würde diese patriotische Aufopferung nicht in seinen grauen Spekulationsaugen gesucht haben. Und doch konnte er der Freiheit seiner Tochter so nahe treten?

Wir waren nun vor Richards Hause angelangt. Ich zog mich bald auf mein Zimmer zurück. Mehrere Briefe von meinem Aufseher lagen vor mir; wahrlich, es ist hohe Zeit, dieses Wanderleben aufzugeben.

Das Abendessen war trefflich, die Weine ausgesucht; es wollte jedoch nicht munden. Meine Freunde waren in der besten, herrlichsten Stimmung, besonders Clara; aber ich wollte nun diesen Abend elend sein, und zog mich frühe mit einem Packet Zeitungen zurück.

Ja, der Red-River kommt morgen zwölf Uhr hier vorbei, auf seinem Wege nach Alexandria; ich will mit, und einmal wieder sehen, was die Meinigen treiben.

Es war Morgens neun Uhr, als ich, mit diesem löblichen Vorsatze ausgerüstet, in meinem Morgenanzuge und Pantoffeln die Stiegen herabkam. Ich weiß nicht, wie es geschah, daß ich, ganz gegen meine sonstige Gewohnheit, mein Frühstück nicht aufs Zimmer beordert hatte. Als ich den Corridor zum Speisesaal hinantrat, hörte ich meinen Namen. Ich stand stille. »Der Horcher an der Wand, fiel mir ein, hört seine eigne Schand';« doch ich wollte einmal meine Schande hören. Es war Claras Stimme.

Aber mit Emilien geht es nun und nimmermehr, sprach sie sehr leise; du weißt, sie hat keine Aussteuer, und die achttausend Dollars —

Ja, die müßte er uns aufkündigen, versetzte ihr Mann; denn er brauchte sie zur ersten Einrichtung und Vermehrung seines Sklavenstandes. Mir käme dies sehr ungelegen; wir haben gute zwanzigtausend damit gewonnen.