Und doch hat sie dem armen Warren Hülfe versagt?
Sie zuckte die Achseln.
Ich blickte auf; fiel jedoch wieder in mein Nachsinnen zurück. Also halb gezwungen mußte die arme Emilie werden. Wahrlich, sie verdient es, aus den Händen dieses Bären gerettet zu sein.
Ich kann es mir nicht möglich denken, daß sie ihn nimmt, bemerkte ich, zu Richards gewandt.
Ich bitte dich, gieb nicht Hoffnungen Raum, versetzte er, die vergeblich sind. Und hier zu hoffen, ist mehr als vergeblich.
Und würden Sie Emilie geheirathet haben? fragte Clara.
Geheirathet? erwiederte ich, geheirathet? Das Wort machte mich stutzen. Ein alter Junggeselle von acht und zwanzig Jahren ist nicht sehr vorschnell, wenn es an's Heirathen geht; aber hier war nichts zu bedenken. — Heirathen? wiederholte ich; ja, das würde ich gethan haben. Von dem ersten Augenblicke, da ich sie sah, war ich dazu entschlossen; sie oder keine sollte meine Lebensgefährtin werden. Ich getraue mir zu behaupten, daß ich diese vortreffliche Seele durchblickte. Ich war unempfindlich gegen ausgezeichnetere Schönheiten, unzugänglich nach längerer Bekanntschaft; sie aber würde mir nach Jahren eben so erscheinen, denn es ist ein offenes Gemüth, das ihrige. Unsre Augen und Herzen begegneten sich; ihre Seele lag aufgeschlagen vor mir, diese edle, feste, reine und selbstständige Seele. Vor ihr ein Geheimniß zu haben, würde mir unmöglich sein; jeden ihrer Gedanken, ihrer Wünsche würde ich errathen haben; offen würde ich mich hingeben. Sieh! würde ich sagen, so bin ich; dies sind meine Gebrechen, dies meine Tugenden, — willst du mich? Wohl! beide sollen mir helfen, dich glücklich zu machen. Achtung vor ihrem Seelenadel, vor ihrem Verstande würde mich diese Sprache führen machen, und sollte mich durch mein ganzes Leben begleiten. Und auf diese Grundlage wollte ich mein und ihr Glück bauen. Sie ist das erste Wesen, das mir begegnete, vor dem ich mich ganz, wie ich bin, zeigen könnte.
Beide hatten mir in sichtlicher Spannung zugehört.
Und was sagte Herr Warren? fragte endlich Richards.
Oh, du kennst ihn doch, erwiederte sie. Vorausgesetzt, er kann sein Geschäfte fortführen, und ein respectables Haus halten, so läßt er das Uebrige seinen Gang gehen. Er wünscht nur einen achtbaren Mann für Emilien, der im Stande wäre, sie unabhängig zu erhalten, ohne daß er ihn nöthigte, einen Theil seines noch übrigen Vermögens zu ihrer Ausstattung aufzuwenden. Auf keine Weise wäre er zu vermögen, mehr zu geben, als einen Theil seiner Ländereien am Missisippi oder dem Miami bei Dayton, die er eben Willens ist zu besuchen.