Unsere Civilisation, die edelste, die sich je gebildet und selbstthümlich entwickelt, hat wieder eigene Mißgeburten erzeugt, von denen die Civilisation anderer Länder nichts weiß, und die nur in einem Lande entsprießen können, wo die Freiheit unbeschränkt ist. Es sind Auswürflinge, diese Trappers, großentheils, oder Geächtete, die dem strafenden Arm des Gesetzes entflohen sind, oder auch unbändige Naturen, denen selbst die rationelle Freiheit der Staaten noch Zwang däucht. Vielleicht ist es ein Glück für eben diese Staaten, daß sie gewissermaßen dieses fagend[90] an ihrem Lande besitzen, wo diese wilden Leidenschaften austoben können; denn im Busen der bürgerlichen Gesellschaft dürften sie viel Unheil anrichten. Hätte zum Beispiel la belle France dieses fagend während seiner großen Crisen gehabt, wie viele seiner großen Krieger würden nicht als Trappers verstoben sein, und wahrlich! weder Europa, noch die Menschheit wäre ärmer, wenn sie von den großen Werkzeugen des absolutesten Despotismus, den Massenas und Vandammes und Sebastianis und Davousts und diesen bordirten Leuten sammt und sonders wenig oder gar nichts wüßten! — Man findet diese Trappers oder Hunters[91] von den Quellen des Columbia- und Missouristromes herab bis zu denen des Arkansas und Red-River, an all den tributaren Flüssen des Missisippi, die bekanntlich auf dieser Seite durchgängig in den Rocky mountains entspringen. Ihre ganze Existenz dreht sich um die Vertilgung der Thiere, die sich seit Jahrhunderten und Jahrtausenden in diesen Steppen und Fluren zusammengehäuft haben. Sie morden den wilden Büffel, um Felle für ihre Kleidung und Haunches[92] für ihr Mahl zu haben, den Bären, um auf seiner Haut zu schlafen, den Wolf, weil es ihnen Vergnügen macht, und sie fangen und morden den Biber seines Felles und gelegentlich auch des Schwanzes wegen. Dafür erhalten sie Pulver, Blei, Flanelljacken und Hemden, Garne zu ihren Netzen und Whisky, um die Kälte in den Wintertagen abzuhalten. Sie ziehen häufig in Haufen von Hunderten hinüber in diese Wüsten, wo sie öfters mit den Indianern blutige Fehden anfangen; gewöhnlich jedoch thun sie sich in Gesellschaften von acht bis zehn zusammen zu gemeinsamem Schutz und Trutz vereinigt, eine Art wilder Guerilla's. Immerhin sind jedoch diese mehr Hunters als Trappers; der wahre Trapper zieht nur in Gesellschaft eines geschworenen Freundes, mit dem er Jahr und Tag, öfters Jahre, aushält; denn es erfordert häufig Jahre, ehe sie mit den Verstecken der Biber bekannt werden. Stirbt der Gefährte, so bleibt der Uebriggebliebene im Besitze der erworbenen Felle und des Geheimnisses des Aufenthaltes der Thiere. Was Anfangs Furcht vor dem Gesetze bei Vielen bewirkte, wird bald zum absolutesten Bedürfniß, und die ungeregelte, zur wilden Lust gewordene, unbegränzte Freiheit würden nur wenige für die glänzendste Stellung in der bürgerlichen Gesellschaft vertauschen. Es leben diese Menschen das ganze Jahr hindurch in den Steppen, Savannen, Wiesen und Wäldern der Arkansas-, Missouri- und Oregon-Gebiete[93], die in ihrem Busen ungeheure Sand- und Steinsteppen und wieder die herrlichsten Gefilde bergen. Schnee und Frost, Hitze und Kälte, Regen und Sturm, und Entbehrungen aller Art haben ihre Glieder so abgehärtet, ihre Haut so verdichtet, wie die des Büffels, den sie jagen; die stete Nothwendigkeit, in der sie sich befinden, sich auf ihre Körperkraft zu verlassen, erzeugen in ihnen ein Selbstvertrauen, das vor keiner Gefahr zurückscheucht; eine Schärfe des Blickes, eine Richtigkeit des Urtheils, von der der Mensch in civilisirter Gesellschaft sich kaum einen Begriff machen kann. Ihre Leiden und Entbehrungen sind oft gräßlich, und wir haben Trappers gesehen, die Leiden ausgestanden hatten, in Vergleich mit welchen die erdichteten Abenteuer Robinson Crusoës bloß Kinderspiele sind, und deren Haut sich in eine Art Leder verdichtet, das mit der gegerbten Büffelshaut mehr Aehnlichkeit, als mit der menschlichen hatte; nur Stahl und Bley vermochten durchzudringen. Es sind diese Trappers eine psychologisch merkwürdige Erscheinung: in die wilde unbegränzte Natur hinausgeworfen, entwickelt sich ihr Verstand häufig auf eine Weise, so eigenthümlich scharfsinnig und selbst großartig, daß wir an Einigen Lichtfunken wahrgenommen haben, deren sich die größten Philosophen alter oder neuerer Zeiten nicht geschämt haben dürften.

[90]: Fagend. Dieses unübersetzbare Wort dürfte einer nähern Bezeichnung um so mehr werth sein, als es häufig gebraucht wird; fagend nennt man das ausgezupfte Ende eines Strickes, das Werthlose an irgend einer Sache; die Canadas z. B. werden ganz richtig das fagend von Amerika genannt. Hier heißen die Steppen zwischen dem Felsengebirge und Missisippi fagend.

[91]: Hunters, Jäger.

[92]: Haunch, der Buckel auf dem Rücken des Bison, der bei weitem beste, schmackhafteste und nahrhafteste Theil am ganzen Thiere.

[93]: Arkansas-, Missouri- und Oregon-Gebiete, die mit den zwei Staaten Louisiana und Missouri beinahe das ganze westliche Gebiet der V. St. jenseits des Missisippi einnehmen.

Die täglichen, ja stündlichen Gefahren, sollte man glauben, müßten die Blicke dieser verwilderten Menschen zum höchsten Wesen erheben; aber dem ist nicht so. Ihr Gott ist das Waidmesser, ihr Schutzpatron die Rifle[94], ihre feste Hand ihr Hort. Den Menschen scheut der Trapper, und der Blick, mit dem er den ihm in der Wüste Begegnenden mißt, ist seltener der des freundlichen weißen Bruders, als des Mordgierigen; denn Gewinnsucht wirkt hier, eine eben so mächtig scheußliche Triebfeder, wie in der civilisirten Gesellschaft, und gewöhnlich bezahlt von zwei sich begegnenden Trappers einer mit dem Leben. Er haßt seinen weißen Nebenbuhler um die geschätzten Biberfelle noch weit mehr, als den Indianer; letztern schießt er eben so ruhig nieder, wie einen Wolf, Büffel oder Bären; ersterem stößt er jedoch sein Messer mit einer so wahrhaft teuflischen Freude in den Busen, als ob er fühlte, daß er die Menschheit von einem großen Mitverbrecher befreie. Viel trägt auch zu dieser entmenschten Wildheit bei, daß er die stärkste Nahrung, die es wohl geben kann, das Fleisch des Bison, ohne Brod oder sonstiges Zubehör, Jahre lang genießt, und so gewissermaßen zum Raubthiere wird.

[94]: Rifle, Stutzer.

Wir haben auf einem solchen Ausfluge, den wir in Gesellschaft Mehrerer an den obern Red-River machten, mehrere dieser Trappers angetroffen, unter andern einen wetterverbrannten, von Sturm und Ungewitter und Entbehrungen aller Art so durch und durch gegerbten Alten, daß seine Haut mehr der Bedeckung einer Schildkröte, als der eines Menschenkindes glich. Wir hatten zwei Tage in seiner Gesellschaft gejagt, ohne daß uns etwas Besonderes an dem Manne aufgefallen wäre; er bereitete unser Mahl, das einmal aus einem Hirschziemer, das anderemal aus einem Büffelhaunche bestand, wußte den Aufenthalt und Zug des Wildes, und witterte beide genauer, als sein ungeheurer Wolfshund, der ihm nie von der Seite kam. Erst am Morgen des dritten Tages entdeckten wir Einiges, das uns weniger zutraulich gegen unsern neuen Jagdgefährten machte. Es waren eine Menge Striche und Kreuze an dem Schafte seines Stutzers, die die Veranlassung zur Wahrnehmung des eigentlichen Charakters dieses Mannes wurden. Diese Striche und Kreuze waren in Rubriken beiläufig auf folgende Weise geordnet:

Buffaloes (Büffel) — keine Zahl angegeben, da sie wahrscheinlich zu groß war.

Bears (Bären) 19; diese waren mit einfachen Strichen bezeichnet.