Die frolic, die wir näher zu beschreiben gedenken, ist eine vulgo Cornhusking-frolic[15] genannt.

[15]: Cornhusking-frolic, Wälschkornaushülsensfröhlichkeit, wird auf dem Lande durchgängig gefeiert. Die Nachbarn vereinigen sich und hülsen gemeinschaftlich aus; häufig beschließt ein Tanz die Arbeit.

Aber was ist eine Korn-, oder, deutlicher zu reden, eine Wälschkornhülsensfrolik? Nichts über eine klare, richtige Definition; sie ist die Seele der Logik, und diese der Philosophie, wie weltbekannt. Nun denn, eine Cornhusking-frolic ist eine Versammlung von jungen Bürgern dieser unserer vereinten Staaten, und, nicht zu vergessen, Bürgerinnen, die zusammenkommen, um das Korn auszuhülsen. — Du magst sie, lieber Leser, an schönen, heitern Herbstabenden sehen, wie sie von allen vier Weltgegenden her einem Punkte zuströmen, über Zäune, und die sind wahrlich bei uns kein Kinderspiel, wegsetzen, durch Busch und Hecken dringen, und schließlich aus der Wildniß hervorbrechen, mit Backen roth wie der Vollmond, der so eben seine Dunstatmosphäre verläßt, um dann einander die Hände zu schütteln, daß die Gelenke krachen, und sich ganz ruhig unter und vor dem Dachvorsprunge nieder zu lassen, im Vordergrunde einen Berg von Wälschkornkolben und im Hintergrunde den alten Bambo, der die Festivität mittelst seiner musikalischen Bestrebungen zu krönen bestimmt ist, bis jetzt sich aber noch auf der Ofenbank einem etwas lauten Schlafe überläßt.

Und nun, lieber Leser, beliebe alle diese verschiedenen Umstände deinem Gedächtnisse, und noch besser, deiner Phantasie einzuprägen, und du wirst ein point de vue haben, von welchem dir unsere Relation nicht nur klar und verständlich, sondern selbst unbezweifelt und unwiderlegbar erscheinen wird.

»Es ist,« so beginnt meine authentische Quelle, »wohl an die vierzig Jahre, daß ein Kornhülsen in dieser Niederlassung, und zwar bei Jockel Blocksberger, abgehalten wurde. Der jungen Leute gab es damals noch nicht so vollauf, wie in diesen unsern fabrizirenden Tagen, und um ein respectables Kornhülsen zu feiern, hatten die Jungens und Mädchen einen Weg von fünf und mehr Meilen zu laufen.« Bei dieser Gelegenheit, versichert unser Dokument und Informant (denn wir haben beides, mündliche und schriftliche Ueberlieferungen), liefen sie wirklich diesen langen Weg, und viele noch weiter.

»Unter denen, die in Folge geschehener Vorladung sich an diesem Abende einfanden, waren ihrer vorzüglich zwei, die mit nicht geringer Ungeduld erwartet und mit großer Freundlichkeit begrüßt wurden. Das erste dieser ungeduldig erwarteten Individuen war eine frische irische Miß, mit dem sonoren Namen Jemima O Dougherty, ein rundes, liebes Ding, so lebendig und so schelmisch, als je eines seit Menschengedenken in den Hinterwäldern kokettirte, mit einem schalkhaften Gesichtchen, lieblich von Rosen angehaucht, einem Schwanennacken und Busen, der schreckliche Herzklopfen und selbst Wehen verursachte, graublauen Augen, die ihre Pfeile weit richtiger abschossen, als der berüchtigte Tecumseh[16] seine Kugeln, nicht zu erwähnen einer kleinen Habichtsnase, ein bischen aufgestutzt, die eine große Portion irischer Lebensklugheit, und eine noch größere irischer Keckheit und Starrsinnes vermuthen ließ, wie diejenigen, so das Glück hatten, mit ihr in nähere Berührung zu kommen, ziemlich vernehmlich zu wispern pflegten. Ihren eigenen leiblichen Vater, den alten Davy O Dougherty, kupfernasigen Andenkens, sah man oft und bedenklich den Kopf schütteln. Armer Tropf! Wohl hatte er vollwichtige Ursache dazu, er, der alle die Tage und Stunden seit seiner gesegneten Einsegnung mit seiner Ehehälfte, einer Flaherty, Pantoffelheld gewesen, wie es ein Katholik in der grünen Insel nur immer sein konnte; der gute Mann hatte jedoch dieses Pantoffelregiment mit wahrhaft christlicher Geduld ertragen. Armer Narr! er tröstete sich immer, sein Beugen unter den Pantoffel seiner Ehehälfte würde ihm zu einigem Verdienste in Anbetracht der Unmöglichkeit angerechnet werden, in dem er sich erwiesenermaßen befand, den Pantoffel Sr. Heiligkeit, dieses Desideratum jedes frommen Katholiken, zu küssen. Wie dem auch sei, der Geschichten und Geschichtchen auf seine Unkosten gab es viele; da wir es aber unter unserer Würde halten, Geschichten von einem alten armen irischen Teufel zu erzählen, so wollen wir sie mit Stillschweigen um so mehr übergehen, als Gegenstand derselben den Weg alles Fleisches gegangen. Ja, armer Narr, er ist im Schooße Abrahams oder sonst irgendwo, diese vielen Jahre. Eines seiner Sprichwörter können wir jedoch nicht umhin zum Frommen aller Ehemänner zu erwähnen, die in einem ähnlichen Prognosticon sich befinden. Oft hörte man ihn klagen, daß sein Weib halsstarriger geworden, sobald sie den Fuß auf den Boden der Vereinigten Staaten gesetzt, und daß dieses Land der Freiheit ein wahrer Himmel für Weiber, ein Fegefeuer für Liebhaber, und die Hölle selbst für Ehemänner und Pferde sei.

[16]: Tecumseh, der berühmte Häuptling der Shawneese-Indianer.

Doch kehren wir wieder zu unserer Miß Jemima O Dougherty zurück. Besagtermaßen war sie ein wohlgemachtes, niedliches Ding, zum Verlieben just recht; nicht ganz so geduldig wie Job, aber eben so arm; doch trotz des Defektes zeitlicher Güter wußte Jemima O Dougherty es immer so einzurichten, daß sie zu großem Vortheile, ja zu solchem Vortheile erschien, als selten verfehlte Eindruck zu machen, und, was mehr sagen will, alle die Nuancen ihres Habillement waren richtig und immer, trotz gerümpfter Nasen und scheelsüchtiger Blicke, bisher nachgeahmt worden. Sie war ohne Widerrede die fashionable belle, und, zu ihrem Ruhme sei es gesagt, sie hielt sich auf ihrem kritischen Posten mit mehr Umsicht, als mancher Premier oder Souverain sich auf dem seinigen.

Bei gegenwärtiger Gelegenheit, sagt unsere Quelle, war sie angethan mit einem bezaubernden Negligee von geflammtem Callico, ein grünseidenes Tüchlein um den besagten Schwanenhals und Busen geschlungen, so züchtig und zugleich so liebreizend, als nicht fehlen hätte können, kritischeren Beaus gefährlich zu werden, als die waren, welchen die Ehre ihrer Gesellschaft für besagten Abend zu Theil werden sollte.

Dieß denn war die erste Hauptperson. Die andere war ein Mister Christophorus Bärenhäuter, oder, wie er gewöhnlich genannt wurde, der reiche Toffel, ein Junge, sechs Fuß, sechs Zoll hoch, dem Anscheine nach etwas lose in seinen Gliedmaßen und ungeschlacht, aber zäh, ledern und nervig, trotz Einem; langsam in jedem seiner Schritte, mit einem Vacuum in seinem Gesichte, und einem Maule, das einer holländischen Yacht auf ein Haar glich. Nebst diesen körperlichen Vorzügen — und sie waren nicht zu verachten, da er der Mann war, in offenem ehrlichen Kampfe irgend einen durchzubläuen, er mochte nun englisch, irisch, schottisch oder deutsch sein, — besaß Toffel Bärenhäuter einen lieblich anzuschauenden Hof von dreihundert Ackern, die obenerwähnte Ohio-Thalweite, mit einer steinernen Scheuer, grünen Jalousien und einem roth angestrichenen Schindeldache. Zwar war sein Wohnhaus nur aus gehauenen Baumstämmen ausgeführt, vierzig Fuß lang, bei vier und zwanzig breit: aber die Umgebungen waren um so gewichtiger, nämlich fünf Schweineställe, zwei Wälschkornbehälter, ein steinernes Wasserhaus — wir halten es für unerläßlich, in unserm Inventar genau zu sein — und vier Hühnersteigen. Das war jedoch nicht Alles; sein verstorbener Vater hinterließ ihm nebst den erwähnten Immobilien verschiedene Mobilien, und unter diesen zwei gewaltige Truhen, blau bemalt, mit einem weißen, roth eingefaßten, blumenverzierten Quadrate auf dem Deckel, enthaltend die Inschrift A. D. 1684. Beide Erbstücke waren herübergebracht vom Schwarzwalde, und mit so vielen Stücken Leinwand angefüllt, daß leicht die ganze Niederlassung mit hanfener Wäsche hätte versehen werden können, nicht zu gedenken einer Varietät von Röcken, die sich gleichfalls in diesem Reservoir befanden. Was wir jedoch vorzüglich berichten müssen, sind zwei wollgestrickte Strümpfe, an der Ferse abgeschnitten, mit ledernen Riemen an beiden Enden zugebunden, und doppelt so viele spanische Dollars enthaltend, als er Acker sein nannte.