[34]: Shawneese, Indianer, hatten ihren Sitz am großen Miami; gegenwärtig sind bloß noch einige Familien daselbst, der Rest hat sich über den Missisippi zurückgezogen.
Bei einem solchen Raisonniren unraisonnabler Menschen sehen unsere geehrten Leser wohl ein, daß Mistreß Bärenhäuter, trotz ihrer ehrenvollen Anstellung bei Madame la mère nicht viel zum voraus hatte. Immerhin war es jedoch tröstlich für sie, daß die Prinzessin Mutter und ihr Herr Sohn sehr herablassend, ja huldreich gegen sie gestimmt, und, was mehr sagen will, so populär bei ihren Subjekten waren. Zwar gab es eine Aussicht, und das eine glänzende dazu: Tomahawk nämlich, ihr Entführer, war noch jung und unverehelicht, und für einen indianischen Häuptling gar nicht übel anzuschauen; aber dann war ja sie verheirathet, und selbst wenn sie es nicht gewesen wäre, wie konnte sie sich es einfallen lassen, sich so hoch zu versteigen? Zwar hatte sie ein Beispiel an einem noch Höhergeborenen, der sich zu einer schlichten Republikanerin herabgelassen, und noch dazu den Korb erhalten hatte; aber das war in Baltimore, und hier war sie mitten unter den Wilden. Jammern und Wehklagen aber, das sah sie wohl ein, würden das Uebel nur ärger gemacht, und wahrscheinlich irgend einen zartfühlenden Wilden bewogen haben, ihr mitleidig das Messer in die Brust zu stoßen, und dieß wollte sie doch auch nicht. Trotz und Unbeugsamkeit ließen sich noch weniger in Anwendung bringen; die Wilden waren keine Toffel. Zudem lag in ihrer Situation etwas so Besonderes, ihre irischen Nerven so lebhaft Kitzelndes, das nicht fehlen konnte, ihre Lebensgeister aufzuregen und anzuspornen, und so ihre Gedanken von ihrer unangenehmen Lage ab-, und auf Verbesserung derselben zuzulenken; nicht, als ob sie sich tiefen Meditationen überlassen und zur Philosophin geworden wäre, die, von Prinzipien ausgehend, a priori sich über ihr Mißgeschick getröstet hätte; nein, es war natürlicher Trieb der Selbsterhaltung, der sie zwang, sich in ihre Lage zu finden, und bald fand sie sich ganz gut darein. Sie hatte ein treffliches Mittel, das beste in einem ähnlichen Falle, nämlich Beschäftigung. Glücklicherweise war sie an diese gewohnt, da ihr Toffel wenig Zeit gelassen hatte, Romane zu lesen, oder die quarterlies zu studiren, und sie wartete nur auf Gelegenheit, ihre Regsamkeit an den Tag zu legen. Diese blieb natürlich nicht lange aus, und bald hatte ihr offenes Köpfchen es heraus, sich nicht nur mit Grazie die lange Weile vom Halse zu schaffen, sondern sich auch den Unterthanen des indianischen Herrschers wichtig zu machen. Besagte Unterthanen waren nämlich, gleich so manchen andern Unterthanen, jämmerlich unwissend, so unwissend, daß unsere Mistreß Bärenhäuter etwas choquirt darüber war. Aber es kam nun darauf an, aus dieser Unwissenheit Vortheil zu ziehen, und sie säumte nicht die Gelegenheit zu ergreifen. Mit einer Miene, in der ein Zug von Spott und Keckheit, so wie natürlicher Ueberlegenheit nicht zu verkennen war, ergriff sie den nächsten Morgen nach ihrer Ankunft den mit Wildpret gefüllten Kessel, und bereitete ungeheißen und ohne alle andern Beistand das Mahl selbst. Die Indianer kreuzten ihre Schenkel um den Kessel. »Whoo! rief der Häuptling, was haben wir da?« Sein Lebelang hatte er kein so köstliches déjeûner à la fourchette, würden wir sagen, gegessen, wären Gabeln vorhanden gewesen. Die Mutter deutete schweigend auf die Ehrendame, die zur Belohnung eine Rippe erhielt; Jemmy sah so stolz darein, als ob sie auf dem großen Rosse gesessen wäre. Nicht lange, so brachen die Wilden zu einem neuen Kriegszug auf; in vierzehn Tagen waren sie wieder zurück, mit aller möglichen Beute beladen: Weiberröcken und Röckchen, Spencers, Hüten und Hauben, Schnürbrüsten und Leibchen. Dem Bruder des Häuptlings, unserm Tomahawk, war eine ganze Familiengarderobe als sein Antheil anheimgefallen; den Morgen nach seiner Rückkehr erschien er in einer Robe von linsey woolsey rother Farbe, mit grünseidenem Hute, und darüber ein Häubchen einer Wöchnerin; der Häuptling selbst, etwas kleinerer Gestalt, in einem Röckchen à l'enfant, mit pappelgrünem Spencer und einem Capuchon aus Louis-Quinze Zeiten. Jemmy hatte kaum ihre Augen auf ihre metamorphosirten Gebieter geworfen, als sie den Squaws winkte, ihr in den Wald zu folgen. Sie war noch nicht weit gegangen, als sie einen Ueberfluß wilder Hanfstauden fand, mit denen sie ihre Gefährtinnen belud und nach Hause zurückkehrte. Die Weiber mußten nun Hanf brechen; dann wurden sie im Spinnen unterrichtet, und in wenigen Wochen waren die Weiberröcke in Jagdröcke verwandelt, verziert mit Calico- und Seidenbändern. Ein paar Wochen später brachen die Männer neuerdings zu einem Zuge auf, auf welchem der ältere Bruder getödtet, und Tomahawk verwundet wurde. Jemmy legte, gleich andern loyalen Unterthanen, Trauer an, verband die Wunden des Uebergebliebenen, und als der junge Häuptling hergestellt war, präsentirte sie ihm einen neuen Anzug, den sie während seines Krankenlagers für ihn verfertigt hatte. Sie that dieses mit so vieler Grazie, meinte der Indianer, daß er von selbiger Stunde ihr Verehrer und getreuer Paladin ward. Als er sich den nächsten Morgen angekleidet, versichert unser Dokument, fühlte er sich so angenehm überrascht, daß er zum erstenmale jene ihm zur Gewohnheit gewordene Ehrfurcht auf die Seite setzte, die ihn bisher abgehalten hatte, sich Mistreß Bärenhäuter etwas deutlicher zu erklären. Er machte ihr seine Aufwartung. Die ganze Residenz war in Aufruhr; die rothen Damen waren in Verzweiflung. Ein solcher Staat, das ahnten sie wohl, war nicht ihrerwegen producirt; es galt der stolzen Amerikanerin, die natürlich solchem Glanze nicht widerstehen konnte. Und wirklich, weder London, noch Paris, noch Newyork konnten sich je rühmen, eine solche Verschwendung von Herrlichkeiten in einer Person geschaut zu haben, als Tomahawk seiner Getreuen an diesem Tage vor Augen zu legen geruhte. Aber er war auch volle drei Stunden gesessen, seine Schenkel kreuzweis in einander geflochten, seinen Taschenspiegel in der linken Hand, und mit freudeblitzenden Augen seine unwiderstehlichen Reize betrachtend. Drei breite Silberspangen umzirkelten kunstvoll seine Nase, von der noch obendrein ein spanischer Dollar herabhing; zwei andere hingen in jedem Ohrläppchen, mit einem sechsten war pfiffiglich die Unterlippe verziert; sein Haar strotzte von zahllosen gefärbten Stachelschweinfedern, und vom Scheitelbüschel flatterten drei Buffaloeschwänze; ein Halsband von nicht weniger als fünfzig Alligatorszähnen umwand seinen Nacken, eine Trophäe, die er von den Chikasaws erbeutet, und darüber war ein kleinerer von ungemein großen Glasperlen mit Chinabeeren sichtbar. Die unteren Theile seines Körpers waren eben so wenig vergessen: seine Schenkel waren bis zu den Knöcheln mit runden Stücken von Erz und Blech und Schellen ausstaffirt, die bei jedem Schritte eine gewaltige Musik machten. Seine übrige Toilette bestand in einem englischen dreieckigten Hute, einer amerikanischen Soldatenjacke, roth aufgeschlagen, und dem oberwähnten Calico-Jagdhemde. Als er, im Gefühle seiner Vollkommenheiten, sich der Residenz seiner Mutter näherte, hob er seine Füße hoch und tanzte zweimal im Kreise herum, um seine Ohren an der selbstgeschaffenen Musik zu laben; nochmals übersah er, vor der Thür angelangt, im Taschenspiegel seine Person von Kopf zu den Füßen, und dann trat er ein.
Wir sind leider ganz im Dunkeln über den Erfolg so vieler Kraftanstrengungen; nur so viel ist notorisch geworden, daß der hohe Bewerber die Residenz seiner Mama weit weniger zufrieden mit sich selbst verließ, als er dieses bei seinem Eintritte gewesen. Unsere Autorität fügt bei dieser Gelegenheit hinzu, daß Jemmy seit jener Stunde eine eben so vollkommene Herrschaft über den indianischen Regenten genoß, als sie je in Bezug auf Toffel in Ausübung brachte; auch soll sie diese Oberherrlichkeit gar nicht lange schlummern gelassen haben, wozu sie wahrscheinlich ihre Ursachen gehabt haben mochte, maßen sie manchen ziemlich starken Versuchungen zu widerstehen hatte. Aber, fügt unser Dokument hinzu, sie widerstand heroisch; wie konnte sie auch anders? sie, deren Sinn nach einer so ganz verschiedenen Richtung zielte. Ja, ihr Blick war wirklich unverrückt zur aufgehenden Sonne gerichtet, in die Weltgegend, wo ihr lieber Toffel hauste; sie hatte ihre Gefangenschaft mit heldenmüthiger, wahrhaft irischer Standhaftigkeit volle fünf Jahre ertragen; nunmehr jedoch begann sie jeden Tag mehr und mehr das Bittere ihrer Lage zu fühlen. Während der ersten zwölf Monden war sie so ziemlich durch die Neuheit ihrer Situation rege erhalten worden, Vieles hatte auch der Stimulus der Selbsterhaltung beigetragen; in den folgenden Jahren fühlte sie sich vielleicht ein bischen durch die Aufmerksamkeiten des Indianers geschmeichelt; aber mit einem Wilden zu kokettiren, war doch nur ein armseliger Zeitvertreib, und konnte unmöglich für die Länge dauern. So erwachte denn ihre Sehnsucht nach der Heimath mit jedem Tage stärker und stärker. Auf eine Flucht im ersten Jahre zu denken, wäre Wahnsinn gewesen; man hatte sie mit Argusaugen während des Sommers bewacht, denn ihre Geschicklichkeit in Allem machte sie den Wilden unentbehrlich; und im Winter zu entfliehen: wo sollte sie Lebensmittel, wo ein Lager finden? Ihre Hieherreise hatte zwanzig Tage gedauert: sie mußte in einer ungeheuern Entfernung von Hause sein, und im Falle auch nur das mindeste von ihrem Vorhaben offenbar geworden wäre, wahrlich, ihr Loos wäre schrecklich ausgefallen.
Endlich im fünften Sommer nach ihrer Entführung bot sich die erwünschte Gelegenheit dar. Die Männer waren zur Herbstjagd aufgebrochen, ihre Weiber begleiteten sie; bloß die Alten und Schwächlichen waren zurückgeblieben. Fünf Jahre scheinbarer Zufriedenheit hatten das Mißtrauen der Wilden eingeschüchtert, und ihre Wachsamkeit gemindert. Die Bevölkerung, hatte sie gehört, war während dieser Zeit stark näher gerückt; sie hoffte, wenn auch nicht die erste, doch gewiß die zweite Woche auf Landsleute zu stoßen. Sie entschloß sich zur Flucht, und führte ihren Entschluß auch unverzüglich aus. Ein Bündel mit Lebensmitteln war Alles, was sie mitnahm; sie hatte lange vierhundert Meilen vom großen Miami zu dem obern Ohio, aber ihre Seele war dem Riesenunternehmen gewachsen. Sie liebte ihren Toffel; sie liebte ihn nun mehr, als jemals, den geduldigen, ausdauernden, und doch so vernünftigen Jungen. Sie hatte unglaubliche Mühseligkeiten auszustehen; war nahe daran, in den Sümpfen bei Franklin zu ersticken, in großer Gefahr, im Sciota zu ertrinken, und mehrere Tage in der Wildniß zwischen Columbus und New-Lancaster[35] verirrt, und nahe daran, von Panthern und Bären aufgefressen zu werden; aber sie überwand glücklich Sümpfe, Flüsse und Wildniß. Die ersten fünf Tage lebte sie von ihrem mitgenommenen Vorrath von gedörrtem Wildpret, dann ließ sie sich Papaws, Kastanien und wilde Trauben schmecken, und kehrte endlich, nach unseligen Leiden, am zehnten Tage zum erstenmale in einem Blockhause ein. Doch auch da verließ sie ihr unbezwingbarer irischer Geist nicht, und sie trat vor die Hinterwäldler mit eben der freien Stirne, als ob sie an der Spitze der Shawneese gekommen wäre, verlangte Lebensmittel in eben dem festen und zuversichtlichen Tone, als ob Haus und Hof ihr eigen gewesen wären. Und die Hinterwäldler, diese derbe Race? Je nun, so wenig sie gewohnt sein mochten, sich auf diese Weise begrüßt zu sehen, die Art war neu: sie starrten, wie leicht zu erachten; doch gaben sie, was sie hatten, und, was das Merkwürdigste an der ganzen Geschichte ist, sie gaben, ohne zu fragen. Wer nun weiß, daß dieser unser souveraine Staat Ohio durch den Stamm der Yankees bevölkert ist, wird dieß kaum glauben können, und wir selbst würden Mühe haben, hätten wir nicht schwarz auf weiß vor unsern Augen.
[35]: Columbus, New-Lancaster, ersteres die Hauptstadt von Ohio, letzteres eine Countystadt.
Nach einer langen, müden Fahrt von vollen vier Wochen kam unsere liebe Jemmy endlich in die Nähe des Ohio, und die lieblichen Bergesrücken, die ihre glückliche Heimath bargen, traten allmälig aus dem blauen Dunkel hervor. Sie verdoppelte ihre Schritte, sie langte auf den ersten Hügeln an. Zum erstenmale in ihrem Leben schlug ihr Herz lauter; sie konnte nicht vorwärts; sie setzte sich, über die Vergangenheit nachzudenken; das große Roß kam ihr in den Sinn. »Das unglückliche große Roß,« murmelte sie, die Faust ballend, und auf sprang sie, und fort lief sie, als wollte sie es dem Unheilbringer entgelten lassen. Nun war sie auf dem Vorsprunge angelangt, wo sie vor fünf Jahren abgesattelt und zur Gefangenen gemacht worden war. »Das verwünschte große Roß!« wisperte sie nochmals, und dann rannte sie die Schlangenwindungen hinab. Da lag er nun vor ihr, der prachtvolle Ohiostrom, sich in zwei ungeheuern Streifen fortbewegend: die Gewässer des Alleghany, klar und krystallen, gleich dem Bergquelle, und die des Monongehala, trüb und schlammig, gleich einem mürrischen Ehemanne, dem ein zartes und munteres Weib angefesselt ist. Nun stand sie an der letzten sanften Anhöhe, von wo aus sie die ganze Herrlichkeit übersehen konnte, die sie als Herrin erkannte; da lag die prächtige Thalweite, der üppigste aller Bottoms, auf zwei Seiten von dem Vorgebirge eingeschlossen; da stand die steinerne Scheune: das Dach und die Jalousien waren frisch angestrichen. Ihre Augen funkelten vor Freude; Toffel war noch immer der gute, getreue, treuherzige Hauswirth. Dorthin erstreckte sich der alte Obstgarten, beinahe unter der Last von Aepfeln und Birnen zusammenbrechend; auf der andern Seite lag der neuangelegte; auch dieser bog sich unter den Früchten, und doch war es nicht länger als sechs Jahre, daß ihn Toffel gepflanzt hatte. Sie selbst hatte mitgeholfen im Frühjahre nach ihrer Verehelichung, — Himmel, welch eine lange Zeit! Sie schaute, sie traute kaum mehr ihren Augen, sie schaute wieder, — Gott! es war keine Täuschung, es war Toffel, ihr lieber Toffel, der just aus dem Hause kam; hinter ihm her ein kleiner flachshaariger Schelm, der sich fest an seinen Rockschoß anhielt. Ja, in seinen ledernen Inexpressibles, blauen Strümpfen mit rothen Zwickeln, und Schuhen und Schnallen von so erklecklicher Größe, daß sie sie von ihrem Observatorium aus wahrnehmen konnte; — sie vermochte es nicht länger auszuhalten, ihr Herz war zu voll; aber zugleich erwachte auch ihr ganzes Selbstgefühl, das Bewußtsein der schlummernden Autorität kehrte zurück. Nein, ein weibisch furchtsames, zagendes Wesen durfte sie ihren Mann nicht merken lassen; er würde sie als ausgeartet betrachtet haben. Festen Schrittes trat sie von der Anhöhe herab, ging den Weg hinab, schritt durch die eingezäunte Gasse, die Wiese, eilte durch den Gemüsegarten, und stand mit einemmale vor — Toffel.
»Alle guten Geister loben Gott den Herrn!« rief dieser, in der Angst seines Herzens die legale Formel gebrauchend, mittelst welcher ehrsame Deutsche von undenklichen Zeiten her die zahllosen Gespenster, Hexen, Nixen und Elfen, und alle die Wesen bannen, mit denen sie, oder vielmehr ihre Gehirne, von Alters her geplagt sind.
Und wirklich können wir es dem guten Toffel nicht ganz so übel deuten, wenn ihm der Blocksberg einfiel. Fünf Jahre Abwesenheit und Aufenthalt unter den wilden Freibeutern hatten mit der heillosen Reise eben nicht sehr beigetragen, ihre Gestalt in die Schönheitslinie abzurunden, oder ihrem Anzuge einen besondern Reiz zu verleihen. Selbst er, der allerunmodischste unter seinen Nachbarn, konnte es kaum begreifen, wie dieß seine Jemmy, die Führerin des guten Geschmacks in Allem, sein könne. Das Plötzliche ihres Erscheinens nun gab ihrer etwas fleischlosen Form einen so über- oder unterirdischen Ausdruck, daß wir uns gar nicht wundern, wenn Toffels vier Gehirnkammern plötzlich in Aufruhr geriethen, und ihm der Blocksberg einfiel, von dem ihm sein seliger Vater so oft erzählt hatte. Jemima, schien es, fühlte sich nicht absonderlich bei diesem Stutzen, Staunen, Ausrufungen und Schrecken geschmeichelt, und bemerkte in einem Tone so sanft, wie es ihr nur immer möglich war: Wohl, Toffel, bist du verrückt? Kennst du mich nicht mehr? mich, deine Jemmy?
Toffel öffnete seine Augen so weit er konnte, und allmälig, als er die krumme Nase, das funkelnde Auge, das unverhohlen keck, wie immer, blitzte, und nur ganz wenig ins Grüne zu schillern schien, als er, sagt unser Dokument, diese Merkmale so deutlich wieder sah, dann, und erst dann fing er zu glauben an. Schließlich machte er auch die Erfahrung, daß sie noch immer aus Fleisch und Beinen bestand, und nun wurde seine Freude wirklich groß, denn auch er hatte sie von Herzen geliebt. Er umhalste sie, drückte einen Buß auf ihre Wangen, umhalste sie wieder, und vergoß selbst zwei Freudenthränen, eine in jedem Auge. Jemmy nun war nicht weniger gerührt; sie liebte wie wir bereits erwähnt, ihren Mann, trotz ihres irischen Temperamentes; ihr gesunder Menschenverstand ließ sie auch begreifen, daß Toffel allerdings einige Ursache hatte, mit ihr nicht ganz so zufrieden zu sein, da sein häusliches Glück durch ihren Trotz so sehr erschüttert worden war. Sie war daher selbst ein wenig überrascht, als er sie nun so plötzlich, so unerwartet gleichsam mit Liebkosungen überschüttete. Eine Zeitlang ertrug sie diese auch mit wahrer christlicher Geduld, so wenig sie sonst an derlei unfruktuösen Zärtlichkeitsverschwendungen Gefallen fand, da sie denn doch mehr das Reelle liebte.
Mein Gott! rief er aus, mein Schatz! — er hatte sein Englisch, wie es schien, beinahe rein vergessen — und wieder schlang er seine langen Arme um sie herum.