Karten nach Skizzen des Verfassers.

1. Skizze des Gebiets des Tapajóz und des Madeira [149]
2. Skizze der Steppen des Rio Branco [171]
3. Skizze des Chimbiri-Yacu-Gebiets [197]
4. Skizze des Gebiets des Igara-Paraná [211]
5. Skizze der Peruanischen Montaña [235]
6. [Übersichtskarte], etwa 1 : 6500000, am Schluß des Bandes.

1. Die Entdeckung des Amazonenstroms.

Fernab von aller Zivilisation lebt in den Urwäldern am Rio Napo ein wilder Stamm, Yáhuas genannt. Noch heutigestags tragen sie das Haar lang herabfallend; aus Binsen geflochtene Umhänge bedecken ihre Schultern, ebensolche Röckchen ihre Lenden, so daß sie Weibern gleichen. Diesem Stamm verdankt das größte Stromsystem der Welt seinen Namen: „Amazonas“, die Amazonen. Als die kleine Schar Weißer unter dem Befehl des Francisco de Orellana in den Jahren 1539–41 von Ecuador aus ihre berühmte Fahrt auf dem Rio Napo in den Amazonenstrom und auf diesem bis in den Ozean hinab unternahm, hatte sie unter den beständigen Angriffen dieser Wilden viel zu leiden.

Die Geschichten, die dann Orellana und die andern, die nach ihm dort waren, erzählten, gaben den Anlaß, daß Herodots altes Märchen über ein Volk streitbarer Weiber, Amazonen genannt, auf die Bewohner des äquatorialen Amerika und in der Folge auf das ganze Gebiet und das Flußsystem angewandt wurde. Merkwürdigerweise war aber die Mündung des Amazonenstroms schon 39 Jahre vorher von Vincente Yañez Pinzon und Pedro Cabral, dem großen portugiesischen Seefahrer, entdeckt worden; am 26. Januar des Jahres 1500 fuhren ihre Galeeren in die größte Strommündung der Welt ein.

Diese Abenteurer benannten sie „Mar Dulce“ oder „Süßwassermeer“, wahrscheinlich der Marajó-Bai wegen, wo das Wasser außerordentlich rein ist. Es wird noch jetzt von den Schiffen benutzt, die die untern Strecken dieses gewaltigen Stromsystems durchfahren.

So hatte sich also das Dunkel über dem untern Amazonenstrom zum erstenmal aufgehellt, aber noch viele Jahre brannte das Licht der Erkenntnis nur trübe, wenn auch in Europa Flotten ausgerüstet wurden, das neuentdeckte Land zu erforschen, „das von einem gelbfarbigen Meer durchschnitten“ würde. Es wurde bald zum Dorado des Jahrhunderts. Kolumbus, der ein geheimnisvolles Land „jenseits des äthiopischen Meeres“ suchte, entdeckte Südamerika. Andere fuhren mit ihren Galeeren in das große Ästuar ein oder an den anstoßenden Küsten entlang. In den Erzählungen der Zurückkehrenden war die Wahrheit stark mit Dichtung durchsetzt. Der sandige, von gelben Fluten bespülte Strand wurde zum goldenen Uferrand eines Silbermeers, aus den „Maloccas“ zauberkundiger Eingeborener wurden die Paläste von Manoa, wo der Dorado, der „Goldene Mann“, wohnte, dessen Körper mit glitzernden Zechinen bedeckt war, die Sonne, Mond und Sterne überstrahlten.

Blühende Bilder einer erregten Phantasie waren also die Triebkraft, die Körper und Geist der europäischen Abenteurer zu ungeahnter Leistungsfähigkeit anspornte. Auch Gonzalo Pizarro, ein Bruder des Eroberers von Peru, stand ganz im Bann der Mythen und Fabeln seines Zeitalters. Im Jahr 1539 sammelte er im Hoheitsgebiet seines Bruders eine Schar von Abenteurern um sich, machte sich von Peru landeinwärts auf den Weg, überstieg die Anden und durchquerte Ecuador in dem Bestreben, das „Süßwassermeer“ aufzufinden, das man damals jenseits des Festlands vermutete. Er hatte übrigens geschworen, dem Dorado in Manoa die Rüstung von goldenen Zechinen zu entreißen. Wie viele andere, die während der nächsten Jahrhunderte seinen Fußtapfen folgten, scheiterte er an den Millionen Geviertmeilen der äquatorialen Wälder, Flüsse und Sümpfe.

Trotzdem war sein monatelanges Umherwandern in den Bergen von Ecuador nicht ergebnislos, wenn er auch von seiner wichtigsten Entdeckung erst erfuhr, als ein anderer den Erfolg eingeheimst hatte. Im Laufe seiner Forschungen hatte er seine kleine Schar nahe an die Quelle des Napo gebracht, eines mehr oder weniger schiffbaren Nebenflusses des „Süßwassermeers“. Von den Eingeborenen hatte er eine Menge reines Gold eingehandelt, das, zweifellos irrtümlich, auf 45 Tonnen geschätzt wurde. Diesen Schatz vertraute er seinem Leutnant Francisco de Orellana an, der ein rohes Boot baute, das Gold daraufbrachte, die Überreste der abenteuerlichen Schar verließ und sich auf dem Rio Napo einschiffte, mit der Absicht, Lebensmittel für die Mitglieder der Hauptexpedition zu beschaffen, die dem Verhungern nahe waren. Die starke Strömung des Flusses verhinderte ihn jedoch an der Rückkehr, um so mehr, als sich nirgends Gelegenheit bot, Lebensmittel zu bekommen.

Ob Orellana die Möglichkeit gehabt hätte, sich gegen die Strömung zurückzuarbeiten und wieder mit dem Rest der Expedition zu vereinigen, ist fraglich. Prescott und andere behaupten, es sei möglich gewesen. Dieses Urteil wurde offenbar auch von dem Gerichtshof geteilt, vor dem sich Orellana nach seiner Rückkehr nach Spanien wegen Verrats zu verantworten hatte. Außerdem wird diese Meinung vom Pater Carvajal verfochten, der die Geschichte von Pizarros Unternehmung schrieb.