Die Hütten dieses Stammes sind aus dem Holz der Chontapalme gebaut und beherbergen etwa zehn Familien. Selten sind sie weniger als etwa 20 Meter lang, bei einer Breite von 12 und einer Höhe von 6 Meter. Im Innern sind Rohrplattformen zum Schlafen längs der Wände angebracht, während sich in der Mitte ein Ring von Feuerstellen, die irdenen Töpfe und Krüge befinden. Da Vielweiberei allgemein üblich ist, für die zweite oder dritte Ehefrau aber keinerlei Schlafgelegenheit vorhanden zu sein scheint, müssen diese unglücklichen Geschöpfe wohl auf der Erde zu Seiten des Ruhebetts ihres Herrn und Gebieters liegen. Ein solches Ruhebett ist eine merkwürdige Einrichtung. Das Rohrgestell reicht nur bis zu den Knien, dann kommt ein leerer Raum, eine Fußstütze und das Feuer. Beim Schlafen liegt der Körper bis zu den Knien auf dem dünnen, elastischen Rohr, und die Füße hängen nicht über, sondern ruhen auf einer besonderen Stütze, an deren Ende unmittelbar das Feuer brennt, um die Sohlen zu wärmen.

Vor einer der Dorfhütten war, etwa 5½ Meter über dem Boden, eine Art Wehrgang aus hohen Palmstämmen errichtet, zu dem ein eingekerbter Baumstamm als Leiter hinaufführte. Wie ein Turm überragte er den Hütteneingang. Sein Zweck ist zweifellos der, das Gemeinschaftshaus gegen einen Überfall benachbarter Stämme zu schützen. Wie ein richtiger Wehrgang war er verschalt, gedeckt und mit Schießscharten für die Pfeile versehen. Von da aus kann man die an dem Zweig eines Baumes aufgehängte „Tunduy“ (in Brasilien Manguaré) erreichen, ein Instrument, das der Sturmglocke entspricht. Es wird mit einer kleinen Keule geschlagen, und sein Klang ist meilenweit in den umliegenden Wäldern zu vernehmen. Unter dem Vorbau, den der Wehrgang bildet, schien der Versammlungsplatz aller Haushühner, Schweine und Hunde zu sein.

Obgleich mehrere Kanus aus ausgehöhlten Baumstämmen vorhanden waren, wird doch als beliebtestes Beförderungsmittel auf dem Fluß das Floß oder die Balsa benutzt. Es ist geradezu wunderbar, welche Reisen auf diesem primitiven Fahrzeug ausgeführt werden. Ganze Familien fahren damit wochenlang auf entfernten und unbekannten Flüssen und Seen umher und nehmen dabei ihre ganze, allerdings nicht große Habe mit.

Feuer machen die Huambisa, indem sie zwei Stöcke aneinanderreiben, wie es bei den Wilden auf der ganzen Welt üblich ist, oder indem sie Steine aufeinanderschlagen und die Funken auf ein kleines Häuflein Holzmehl sprühen lassen, das sie aus dem Kernholz einer an der glühenden Sonne ausgedörrten Palme gewinnen. Während meines Aufenthalts bei dem Stamm sah ich nur einmal, wie man auf die zuletzt genannte Art Feuer zu machen versuchte. Wenn das Feuer einmal im Innern der Hütte brennt, wird es von den Weibern unterhalten, die es nur selten erlöschen lassen.

Männer und Weiber nehmen große Mengen eines höchst berauschenden Getränks zu sich, „Masata“ genannt, das aus der Yukka in einer Weise bereitet wird, die eine kleine Vorstellung von der Gemütsart der Huambisa gibt. Die Yukka wird geschält, dann etwa zehn Minuten lang von den Weibern zerkaut und in einen großen Topf gespien. Unter Zusatz von Wasser läßt man darauf die trübe Masse gären. Nach einiger Zeit wird sie durch ein dickes, handgewebtes Tuch geseit und in beträchtlichen Mengen getrunken. Bei einer Gelegenheit sah ich, wie drei junge Huambisamädchen von dem schmutzigen Gebräu tranken, während sie Yukka kauten, und dann alles zusammen in den zu neuer Mischung bereitstehenden Topf wieder von sich gaben! Ich konnte mir nicht helfen, die ekelhaften Sitten und Gebräuche dieses Stammes mit den reinlicheren Gewohnheiten und Gepflogenheiten anderer Stämme zu vergleichen, mit denen ich zusammengetroffen war. Die bei den Huambisa anscheinend vorherrschenden Krankheiten sind Tuberkulose, Aussatz, Syphilis und Malaria.

Die Mädchen werden im Alter von etwa sechs Jahren verlobt oder eigentlich als Sklavinnen verkauft, wenn sich ihre körperlichen Vorzüge schon mehr oder weniger zeigen. Aber erst mit zwölf oder dreizehn Jahren beginnt das gemeinschaftliche Leben mit ihrem Gatten. Dann sind sie natürlich bereits weiterentwickelt als eine Europäerin von 16 oder 17 Jahren.

Als ich eine kleinere Hütte bemerkte, die etwa dreißig Meter von den großen Gemeinschaftshäusern ablag, erkundigte ich mich nach ihrem Zweck, konnte aber die in Zeichensprache erteilte Auskunft nicht verstehen. Der Häuptling, der einen Helm aus Affenhaut trug, führte mich darauf über die Lichtung zu dem verdeckten Eingang. Das Innere war halbdunkel und von einem beißenden Rauch erfüllt. Ein leises Ächzen drang aus einem Winkel neben dem schwelenden Feuer, und einen Augenblick glaubte ich wirklich, durch meine Wißbegierde in ein Seuchenhaus hineingeraten zu sein.

Bei dem trüben Licht des Feuers konnte ich zwei verschrumpfte, nackte Gestalten erkennen, die auf einer niedern Plattform ausgestreckt lagen. Ihre Gesichtszüge waren aber in der rauchigen Atmosphäre nicht zu unterscheiden. Dann zuckte ich zusammen, denn ich sah, daß ich Leichen vor mir hatte, und daß das Ächzen von den Verwandten ausging, die auf dem Boden kauerten. Die Leichen werden hierhergebracht und auf die Plattform gelegt. Dann ziehen die Zauberdoktoren das Blut aus dem Körper in einer Art und Weise, die hier nicht geschildert werden kann. Das Feuer aus einer chemische Dämpfe entwickelnden Holzart wird angezündet und muß so lange brennen, bis die eingeschrumpften Leichen zu Mumien geworden sind. Dann werden sie mit Rinden bedeckt und unter dem Boden ihrer einstigen Wohnhütten begraben.

Hier war also endlich die geheimnisvolle Totenkammer der Huambisa. Der Boden war hart von geronnenem Blut, das durch ungezählte Jahre aus menschlichen Leibern gezogen worden war. Häufig überfällt dieser wilde Stamm benachbarte Dörfer, raubt Weiber und Mädchen und tötet die Männer. Die Erschlagenen werden enthauptet und die Köpfe im Triumph zurückgeschleppt. Bei der Ankunft im Dorf steckt man sie auf Lanzen, und um sie herum versammelt der Stamm sich zu einer wilden nächtlichen Orgie. Trinken, Schmausen und unsagbare Ausschweifungen währen bis zur Morgendämmerung; dann bringen die Zauberdoktoren die Köpfe in die Totenkammer, und hier vollzieht sich der geheimnisvolle Prozeß ihrer Verkleinerung.

Fast jedes Buch über Reisen und Forschungen im Amazonengebiet enthält eine Schilderung dieses Verfahrens, durch das Menschenköpfe bis auf den Umfang einer kleinen Orange verkleinert werden, ohne daß die Gesichtszüge eine Veränderung erleiden. Fast alle diese Schilderungen weichen in wesentlichen Einzelheiten voneinander ab oder sind für wissenschaftliche Zwecke zu unbestimmt. Es ist sehr zweifelhaft, ob das wirkliche Verfahren jemals von einem Weißen in den letzten Jahren beobachtet worden ist. Man kennt Fälle, daß die verkleinerten Köpfe von Europäern den Weg zu Sammlern gefunden haben, Jahre, nachdem die Tat begangen worden war. Nach meiner eigenen Kenntnis der amazonischen Wilden neige ich zu dem Glauben, daß solcherart das Schicksal jedes Weißen sein würde, der das Verfahren gegen die Wünsche des Stammes ausspäht und dabei ertappt wird. Es mag aber von Interesse sein, wenn ich hier die Art erzähle, die man allgemein für richtig hält. Man läßt die Köpfe mehrere Tage in der Totenkammer, bis sie genügend ausgetrocknet sind, dann werden die Knochen durch das Hinterhaupt und die Schädelöffnung entfernt. Um die Haut zu lösen, werden hierauf heiße Steine eingeführt. Die Lippen formt man über einem Holzstück oder näht sie mit Baumwollfaden zu, worauf die Haut langsam einschrumpft und ausdörrt. Dann wird sie durch die gleiche Räucherung mumifiziert, wie die Leichen der Verstorbenen.