Aber erlauben Sie mir zu bemerken, sagte mein Freund zum Fräulein Ribaupierre, der Brief, den d'Autun öffnete, war an Sie gerichtet, er stimmte mit Ihren Begebenheiten zusammen; er war von einem begünstigten Liebhaber, und ich sehe nicht ein, warum Autun nicht sollte Feuer gefangen haben. — Es ist wahr, daß der Brief an mich gerichtet war, aber es ist nicht wahr, daß er für mich war. Ich werde ihm, sobald er es verlangt, den Mann zeigen, der ihn schrieb, und das Frauenzimmer, dem er galt. Sie sind jetzt verheirathet, und ich bin nicht länger verpflichtet ihr Geheimniß auf Unkosten meiner Ruhe zu bewahren; sie sind in Paris, und in ihrer Gegenwart will ich mich erklären. Mein Freund wird ihm gern seine Handschrift zeigen, und er wird zugleich erfahren, warum die Briefe an mich gerichtet wurden. Ich hoffe, er wird kommen und meine Rechtfertigung hören, und wir werden als Freunde auseinander gehen.
Aber was soll ich ihm sagen, wenn er nicht kommen will? fragte der Freund lächelnd. — Daß ein Platz im Irrenhaus seiner wartet, sagte Manon gleichfalls lächelnd; und um ihm zu bezeugen, daß Sie auf meinen Befehl sprechen, so bringen Sie ihm seinen schönen Brief mit meinem Bilde zum Pfande. Geben Sie es ihm zurück, und sagen ihm, daß er ein Thor war, mir es zurück zu schicken. Ich bewahre das seinige stets, und werde es behalten, so lange ich lebe.
Ich sehe wohl, sagte mein Freund, daß Ihre Aussöhnung leicht gemacht seyn wird; wenn Sie ihn lieben, so schwöre ich Ihnen zu, daß er Sie nicht weniger liebt, und daß nur ein verliebter Groll ihn zurück hält.
Gestehen Sie offenherzig, sagte Manon, daß er ein Schwärmer ist, und sich jetzt bittere Vorwürfe macht, die Mittel verschmäht zu haben, die ich ihm darbot, um seinen Irthum aufzuklären. Bringen Sie ihn zu mir, sobald er will, wenn er meiner Versicherung Glauben beimißt.
Wie glücklich war ich über den Versuch meines Freundes, und über den glücklichen Erfolg seiner Bemühungen. Ich eilte zu Manon, warf mich ihr zu Füßen. Von Ihnen will ich meine Verzeihung hören, schönste Manon, rief ich aus; in Ihren Blicken lese ich Ihre Unschuld, und mein Irthum bringt mich zur Verzweiflung.
Es ist Ihnen alles vergeben, sagte sie, und umarmte mich mit Thränen. Nicht an mir ist es, ungerechte Ansprüche zu machen, ich will alles vergessen, und indem ich es Ihnen zusage, so bitte ich Sie, sich ins künftige nicht so leicht durch den Schein täuschen zu lassen.
Ich habe ihr Wort gehalten. Wir sind glücklich, und ich sehe nicht mehr in die Vergangenheit zurück, als um mein Schicksal zu preisen, das mir selbst meine Irrthümer lieb macht, weil ich durch sie den Werth meines jetzigen Glücks doppelt fühle.
Notizen des Bearbeiters:
—Titelseite (für epub) im Originalprojekt nicht vorhanden; daher neu kreiert.