Cleon. Kind, du betrügst mich. Er spräche schlechtweg »Mamsell«?
Das kann nicht sein.

Julchen. Zuweilen spricht er auch »liebe Mamsell«.

Cleon. Tochter, du verstellst dich. Ich bin ja dein Vater. Im
Ernste, wie heißt er dich, wenn er's recht gut meint?

Julchen. Ich kann mich selbst nicht besinnen. Er spricht… er spricht… »mein Julchen«…

Cleon. Warum sprichst du das Wort so kläglich aus? Seufzest du über deinen Namen? Dein Name ist schön. Also spricht er zu dir: »Mein Julchen«? Gut, hat er dich nie anders geheißen?

Julchen. Ach ja, lieber Papa. Er heißt mich auch zuweilen: »Mein schönes Julchen.« Warum fragen Sie mich denn so aus?

Cleon. Laß mir doch meine Freude, du kleiner Narr. Ein rechtschaffener Vater hat seine Töchter lieb, wenn sie wohlgezogen sind. Ich bin ja stets freundlich mit euch umgegangen. Aber daß ich wieder auf das Hauptwerk komme. Ja, indem Herr Damis z. E. zu dir spricht: »Mein schönes Julchen, ich habe dich…«

Julchen. Oh! Er heißt mich Sie. Er würde nicht du sprechen. Das wäre sehr vertraut, oder doch wenigstens unhöflich.

Cleon. Nun, nun, wenn er dich auch einmal du hieße, deswegen verlörst du nichts von deiner Ehre. Hat mich doch meine selige Frau als Braut mehr als einmal du geheißen, und es klang mir immer schön. Indem er also zu dir spricht: »Mein schönes Julchen, ich bin Ihnen gut«: so sagt er auch zugleich, »Sie gefallen mir«; denn sonst würde er das erste nicht sagen.

Julchen. Das sagt er niemals zu mir.