——

Johann erschrak und sah die Jungfer an;
Sie trat hinzu, ihn aufzuheben.
"Ja", sprach er, "Euer Dienst ist groß;
Allein es wird mir nicht viel fehlen,
Ihr werdet mich dafür zeitlebens quälen.
Ich seh Euchs an; was will ich lange wählen?
Haut zu! So komm ich doch der Qual auf einmal los."

Der betrübte Witwer

In Poitou (ich will mit Fleiß die Gegend nennen,
Damit sich die befragen können,
Die, wenn ein kleiner Umstand fehlt,
Schon zweifeln, ob man wahr erzählt),
In Poitou ließ einst ein Mann sein Weib begraben;
Allein man merk es wohl, man ist in Poitou;
Da geht es, wenn sie Leichen haben,
So prächtig wie bei uns nicht zu.
Man kleidet sie geschwind mit leinen Sterberöcken,
Und trägt den Sarg, ohn ihn erst zuzudecken,
An den für ihn bestimmten Ort.
So trug man auch den offnen Sarg itzt fort;
Doch was geschieht, indem sie ihn so tragen?
Der Leichenweg ging dicht an einer Hecke hin;
Hier ritzt ein Dorn die tote Frau ins Kinn.
Auf einmal fängt sie an, die Augen aufzuschlagen,
Und ruft: "Wohin wollt ihr mich tragen?"
Hier, deucht mich, hör ich viele fragen,
Wie kam die gute Frau zurück?
Hielt es der Mann auch für ein Glück,
Die Hälfte wiederzubekommen,
Die ihm der Tod zuvor genommen?
Wie mag ihm wohl gewesen sein?
Das letzte wird man gleich erfahren.
Nach weniger als sieben Jahren
Büßt sie das zweite Mal ihr junges Leben ein.
Der Mann gab ihr vom neuen das Geleite,
Und ging gesetzt an seiner Gattin Seite,
Wie alle harte Bauersleute.
Allein sobald er nur die Hecke wieder sah:
So wies er erst, wieviel sein Herz empfände.
Er rung mit Tränen beide Hände.
"Ach", rief er aus, "da war es, da!
Kommt ja der Hecke nicht zu nah!"

Der Bettler

Ein Bettler kam mit bloßem Degen
In eines reichen Mannes Haus,
Und bat sich, wie die Bettler pflegen,
Nur eine kleine Wohltat aus.
"Ich", sprach er, "kenn Ihr christlich Herze;
Sie sorgen gern für andrer Heil,
Und nehmen mit gerechtem Schmerze
An Ihres Nächsten Elend teil.
Ich weiß, mein Flehn wird Sie bewegen!
Sie sehn, ich fordre nichts mit Unbescheidenheit;
Nein, ich verlasse mich (hier wies er ihm den Degen)
Allein auf Ihre Gütigkeit."

——

Dies ist die Art lobgieriger Skribenten,
Wenn sie um unsern Beifall flehn;
Sie geben uns mit vielen Komplimenten
Die harte Fordrung zu verstehn.
Der Autor will den Beifall nicht erpressen;
Nein, er verläßt sich bloß auf unsre Billigkeit;
Doch, daß wir diese nicht vergessen:
So zeigt er uns zu gleicher Zeit
In beiden Händen Krieg und Streit.

Der Blinde und der Lahme

Von ungefähr muß einen Blinden,
Ein Lahmer auf der Straße finden,
Und jener hofft schon freudenvoll,
Daß ihn der andre leiten soll.
"Dir", spricht der Lahme, "beizustehen?
Ich armer Mann kann selbst nicht gehen;
Doch scheints, daß du zu einer Last
Noch sehr gesunde Schultern hast.