Was braucht es mehr als Stolz und Unverstand,
Um Millionen durchzubringen?
Unsichrer ist kein Schatz als in des Jünglings Hand,
Den Wollust, Pracht und Stolz zu ihren Diensten zwingen.
Der Herr Baron vergaß bei seinem großen Schatz
Den Staatsmann und den Held, ward sinnreich im Verschwenden,
Und sah in kurzer Zeit sein Gut in fremden Händen;
Starb arm und unberühmt. Kurz, er bewies den Satz,
Daß Eltern ihre Kinder hassen,
Wofern sie ihnen nichts als Reichtum hinterlassen.

Der Bauer und sein Sohn

Ein guter dummer Bauerknabe,
Den Junker Hans einst mit auf Reisen nahm,
Und der, trotz seinem Herrn, mit einer guten Gabe,
Recht dreist zu lügen, wiederkam,
Ging, kurz nach der vollbrachten Reise,
Mit seinem Vater über Land.
Fritz, der im Gehn recht Zeit zum Lügen fand,
Log auf die unverschämtste Weise.
Zu seinem Unglück kam ein großer Hund gerannt.
"Ja, Vater", rief der unverschämte Knabe,
"Ihr mögt mirs glauben oder nicht:
So sag ich Euchs, und jedem ins Gesicht,
Daß ich einst einen Hund bei—Haag gesehen habe,
Hart an dem Weg, wo man nach Frankreich fährt,
Der—ja, ich bin nicht ehrenwert,
Wenn er nicht größer war als Euer größtes Pferd."
"Das", sprach der Vater, "nimmt mich wunder;
Wiewohl ein jeder Ort läßt Wunderdinge sehn.
Wir, zum Exempel, gehn itzunder,
Und werden keine Stunde gehn:
So wirst du eine Brücke sehn
(Wir müssen selbst darüber gehn),
Die hat dir manchen schon betrogen
(Denn überhaupt solls dort nicht gar zu richtig sein);
Auf dieser Brücke liegt ein Stein,
An den stößt man, wenn man denselben Tag gelogen,
Und fällt, und bricht sogleich das Bein."

Der Bub erschrak, sobald er dies vernommen.
"Ach", sprach er, "lauft doch nicht so sehr.
Doch wieder auf den Hund zu kommen,
Wie groß sagt ich, daß er gewesen wär?
Wie Euer großes Pferd? Dazu will viel gehören.
Der Hund, itzt fällt mirs ein, war erst ein halbes Jahr;
Allein das wollt ich wohl beschwören,
Daß er so groß, als mancher Ochse, war."

Sie gingen noch ein gutes Stücke;
Doch Fritzen schlug das Herz. Wie konnt es anders sein?
Denn niemand bricht doch gern ein Bein.
Er sah nunmehr die richterische Brücke,
Und fühlte schon den Beinbruch halb.
"Ja, Vater", fing er an, "der Hund, von dem ich redte,
War groß, und wenn ich ihn auch was vergrößert hätte:
So war er doch viel größer als ein Kalb."

Die Brücke kömmt. Fritz! Fritz! wie wird dirs gehen!
Der Vater geht voran; doch Fritz hält ihn geschwind.
"Ach Vater!", spricht er, "seid kein Kind,
Und glaubt, daß ich dergleichen Hund gesehen.
Denn kurz und gut, eh wir darüber gehen,
Der Hund war nur so groß, wie alle Hunde sind."

——

Du mußt es nicht gleich übelnehmen,
Wenn hie und da ein Geck zu lügen sich erkühnt.
Lüg auch, und mehr als er, und such ihn zu beschämen:
So machst du dich um ihn und um die Welt verdient.

Der beherzte Entschluß

Ein guter ehrlicher Soldat,
Der (denn was tut man nicht, wenn man getrunken hat?)
Im Trunke seinen Wirt erschlagen,
Ward itzt hinausgeführt, für seine Missetat
Den Lohn durchs Schwert davonzutragen.
Er sah wohl aus, und wer ihn sah,
Bedauerte sein schmählich Ende,
Und wünschte, daß er noch beim König Gnade fände.
Besonders ging sein schweres Ende
Auch einer alten Jungfer nah.
Auf einmal fühlte sie die Triebe
Des Mitleids und der Menschenliebe,
Und fühlte sie nur mehr, je mehr sie auf ihn sah.
"Ach Himmel! ists nicht ewig schade?
Der schöne lange Mensch! Was für ein fein Gesicht,
Und was für Augen hat er nicht!
Seht doch den Bart! Ist das nicht eine Wade!
Die Straf ist in der Tat zu groß.
Wer kann sich denn im Trunke zähmen?
Ich bitt ihn frei; ich will ihn nehmen."
Sie lief, und schrie, und bat ihn los,
Indem Johann schon niederkniete.
"Johann", fing drauf der Richter an,
"Es findet sich ein redliches Gemüte,
Dies Weibsbild hier verlangst dich zum Mann,
Und wenn du sie verlangst: so schenk ich dir das Leben."