Doch nein! Hier kömmt der Schiffer gleich.
"Herr!" fängt er an, "erfreuet Euch,
Ich bin aus allen meinen Schulden;
Und seht, hier sind zweihundert Gulden,
Die ich durch Euer Geld gewann.
Ich bitt Euch herzlich, nehmt sie an;
Ihr seid ein gar zu wackrer Mann."

"O", spricht Philet, "ich kann mich nicht besinnen,
Daß ich dir jemals Geld geliehn.
Hier ist mein Rechnungsbuch, ich wills zu Rate ziehn;
Allein ich weiß es schon, du stehest nicht darinnen."

Der Schiffer sieht ihn an, und schweigt betroffen still,
Und kränkt sich, daß Philet das Geld nicht nehmen will.
Er läuft, und kömmt mit voller Hand zurücke.
"Hier", spricht er, "ist der Rest von meinem ganzen Glücke,
Noch hundert Gulden! Nehmt sie hin,
Und laßt mir nur das Lob, daß ich erkenntlich bin.
Ich bin vergnügt, ich habe keine Schulden;
Dies Glücke dank ich Euch allein;
Und wollt Ihr ja recht gütig sein.
So leiht mir wieder funfzig Gulden."

"Hier", spricht Philet, "hier ist dein Geld,
Behalte deinen ganzen Segen:
Ein Mann, der Treu und Glauben hält,
Verdient ihn seiner Treue wegen.
Sei du mein Freund. Das Geld ist dein;
Es sind nicht mehr als hundert Gulden mein,
Die sollen deinen Kindern sein."

——

Mensch! mache dich verdient um andrer Wohlergehen;
Denn was ist göttlicher, als wenn du liebreich bist!
Und mit Vergnügen eilst, dem Nächsten beizustehen,
Der, wenn er Großmut sieht, großmütig dankbar ist!

Der Arme und der Reiche

Aret, ein tugendhafter Mann,
Dem nichts, als Geld und Güter fehlten,
Rief, als ihn einst die Schulden quälten,
Das Glück um seinen Beistand an.
Das Glück, das seine liebsten Gaben
Sonst immer für die Leute spart,
Die von den Gütern beßrer Art
Nicht gar zuviel bekommen haben,
Entschloß sich dennoch auf sein Flehn,
Dem wackern Manne beizustehn,
Und ließ ihn in verborgnen Gründen
Aus Geiz verscharrte Schätze finden.
Er sieht darauf in kurzer Zeit
Von seinen Schuldnern sich befreit;
Doch ist ihm wohl die Not benommen,
Da, statt der Schuldner, Schmeichler kommen?
Sooft er trinkt, sooft er ißt,
Kömmt einer, der ihn durstig küßt,
Nach seinem Wohlsein ängstlich fraget,
Und ihn mit Höflichkeit und List,
Mit Loben und Bewundern plaget,
Und doch durch alles nichts, als daß ihn hungert, saget.
"O Glücke!" rief Aret, "soll eins von beiden sein;
Kann alle Klugheit nicht von Schmeichlern mich befrein:
So will ich mich von Schuldnern lieber hassen,
Als mich von Schmeichlern lieben lassen.
Vor jenen kann man doch zuweilen sicher sein;
Doch diese Brut schleicht sich zu allen Zeiten ein."

Der baronisierte Bürger

Des kargen Vaters stolzer Sohn
Ward, nach des Vaters Tod, Herr einer Million,
Und für sein Geld in kurzer Zeit Baron.
Er nahm sich vor, ein großer Mann zu werden,
Und ahmte, wenn ihm gleich der innre Wert gebrach,
Doch die gebietrischen Gebärden
Der Großen zuversichtlich nach.
Bald wünscht er sich des Staatsmanns Ehre,
Vertraut mit Fürsten umzugehn;
Bald wünscht er sich das Glück, dereinst vor einem Heere
Mit Lorbeern des Eugens zu stehn.
Kurz, er blieb ungewiß, wo er mehr Ansehn hätte,
Ob in dem Feld, ob in dem Kabinette.
Indessen war er doch Baron;
Und sein Verdienst, die Million,
Ließ sich zu alles Volks Entzücken,
In Läufern und Heiducken blicken.
Er nahm die halbe Stadt in Sold,
Bedeckte sich und sein Gefolg mit Gold,
Und brüstete sich mehr in seiner Staatskarosse,
Als die daran gespannten Rosse.
Er war der Schmeichler Mäzenat.
Ein Geck, der ihm gebückt um seine Gnade bat,
Und alles, was sein Stolz begonnte,
Recht unverschämt bewundern konnte,
Der kam sogleich in jener Freunde Zahl,
In der man mit ihm aß, ihn lobt, und ihn bestahl,
Und, wenn man ihn betrog, zugleich in überredte,
Daß er des Argus Augen hätte.