Sein Ende kam. Und der, der nie gezittert,
Ward plötzlich durch den Tod erschüttert.
Das Schrecken einer Ewigkeit,
Ein Richter, der als Gott ihm fluchte,
Ein Abgrund, welcher ihn schon zu verschlingen suchte,
Zerstörte das System tollkühner Sicherheit.
Und der, der sonst mit seinen hohen Lehren
Der ganzen Welt zu widerstehn gewagt,
Fing an, der Magd geduldig zuzuhören,
Und ließ von seiner frommen Magd,
Zu der er tausendmal "du christlich Tier" gesagt,
Sich widerlegen und bekehren.

So stark sind eines Freigeists Lehren!

Der Fuchs und die Elster

Zur Elster sprach der Fuchs: "O, wenn ich fragen mag,
Was sprichst du doch den ganzen Tag?
Du sprichst wohl von besondern Dingen?"
"Die Wahrheit", rief sie, "breit ich aus.
Was keines weiß herauszubringen,
Bring ich durch meinen Fleiß heraus,
Vorn Adler bis zur Fledermaus."
"Dürft ich", versetzt der Fuchs, "mit Bitten dich beschweren:
So wünscht ich mir, etwas von deiner Kunst zu hören."

So wie ein weiser Arzt, der auf der Bühne steht,
Und seine Künste rühmt, bald vor, bald rückwärts geht,
Ein seidnes Schnupftuch nimmt, sich räuspert, und dann spricht:
So lief die Elster auch den Ast bald auf, bald nieder,
Und strich an einem Zweig den Schnabel hin und wider,
Und macht ein sehr gelehrt Gesicht.
Drauf fängt sie ernsthaft an, und spricht:
"Ich diene gern mit meinen Gaben,
Denn ich behalte nichts für mich.
Nicht wahr, Sie denken doch, daß Sie vier Füße haben?
Allein, Herr Fuchs, Sie irren sich.
Nur zugehört! Sie werdens finden,
Denn ich beweis es gleich mit Gründen.

Ihr Fuß bewegt sich, wenn er geht,
Und er bewegt sich nicht, solang er stillesteht;
Doch merken Sie, was ich itzt sagen werde,
Denn dieses ist es noch nicht ganz.
Sooft Ihr Fuß nur geht, so geht er auf der Erde.
Betrachten Sie nun Ihren Schwanz.
Sie sehen, wenn Ihr Fuß sich reget,
Daß auch Ihr Schwanz sich mit beweget;
Itzt ist Ihr Fuß bald hier, bald dort,
Und so geht auch Ihr Schwanz mit auf der Erde fort,
Sooft Sie nach den Hühnern reisen.
Daraus zieh ich nunmehr den Schluß:
Ihr Schwanz, das sei Ihr fünfter Fuß;
Und dies, Herr Fuchs, war zu beweisen."

——

Ja, dieses hat uns noch gefehlt!
Wie freu ich mich, daß es bei Tieren
Auch große Geister gibt, die alles demonstrieren!
Mir hats der Fuchs für ganz gewiß erzählt.
"Je minder sie verstehn", sprach dieses schlaue Vieh,
"Um desto mehr beweisen sie."

Der glücklich gewordene Ehemann

Frontin liebt Hannchen bis zum Sterben;
Denn Hannchen war ein schönes Kind.
Allein je reizender die losen Mädchen sind,
Um desto weniger kann man ihr Herz erwerben.
Frontin erfuhr es wohl. Drei Jahre liebt er sie;
Allein umsonst war alle Müh.
Was tat er endlich? Er verreiste,
Und ging (was kann wohl Ärgers sein?),
Ging, sag ich, mit dem bösen Geiste
Ein Bündnis an dem Blocksberg ein;
Ein Bündnis, daß er ihm zwei Jahre dienen wollte,
Wofern er Hannchen noch zur Frau bekommen sollte.
Sie werden hurtig eins, und schließen ihren Kauf;
Der böse Geist gibt ihm die Hand darauf.
Und ob er gleich die Welt sehr oft belogen,
Und Doktor Faustus selbst betrogen:
So hielt er doch sein Wort genau.
Frontin war Hannchens Mann, und sie ward seine Frau.
Doch eh vier Wochen sich verlieren:
So fängt Frontin schon an, den Schwarzen zu zitieren.
"Ach", spricht er, da der Geist erscheint,
"Ach, darf ich, lieber böser Feind,
Noch einer Bitte mich erkühnen?
Ich habe dir gelobt, für Hannchen, meine Frau,
Zwei Jahre, wie du weißt, zu dienen,
Und dies erfüllt ich auch genau;
Doch willst du mir mein Hannchen wieder nehmen:
So soll mein Dienst ein Jahr verlängert sein."
Der Böse will sich nicht bequemen,
Drauf geht Frontin die Frist noch zweimal ein;
Denn, sprach er bei sich selbst, so arg du immer bist:
So weiß ich doch, daß Hannchen ärger ist.