Jetzo muß ich auf Ihren Brief kommen. Daß Weise an mich gedacht und von mir vortheilhaft gesprochen hat, ist mir lieb. Aber daß er nicht schreibt, ist mir unbegreiflich. Ich habe ihm vor ungefähr 5 Wochen einige Beyträge, die er selbst in vielen Briefen so gütig war, von mir zu verlangen, geschickt. Ich habe ihm nach der Zeit noch ein Mal geschrieben, nachdem ich seine Lieder durchgelesen hatte. Auch dieser Brief ist schon wieder vierzehn Tage fort, und noch auf keinen eine Antwort. In dieser Ungewißheit hat mich Ihre kurze Nachricht wirklich getröstet; besonders da unser Reiz, den ich bat, noch an dem Tage zu Weisen zu gehn, und mir von ihm Nachricht zu geben, Hindernisse muß gefunden haben, meine Bitte zu erfüllen. Sagen Sie es doch unserm Freunde im Vertrauen, daß der Entwurf unsrer Geschäfte nicht richtig gemacht ist, wenn gar keine Lücken für unsre Freunde darin sind.

Sie nur, meine geliebte Freundin, Sie allein ersetzen mir den Verlust, den mir die Arbeitsamkeit oder die Zerstreuung meiner übrigen Freunde verursacht. Dank sey es der Liebe, die durch Ihre heftigen Erschütterungen Ihrer Seele zuerst die Weiche, die Empfindlichkeit und die schnelle Beweglichkeit gegeben hat, die sie jetzt so sehr zur Freundschaft fähig macht.

Sie wollen, ich soll über die Liebe philosophiren. Ich wüßte nicht leicht einen Gegenstand, der reicher und zugleich einnehmender wäre. Aber heute sollen Sie anstatt meiner Philosophie nur Einen Vers aus dem ältesten Englischen Dichter, dem Spencer, bekommen, der es werth ist, daß Sie ihn kennen lernen. Sein Werk ist eine Ariostische Epopee; noch unordentlicher, wenn es seyn kann. Aber einzelne Stellen sind ausnehmend schön. Sein Werk besteht aus sieben Büchern, wovon jedes eine gewisse Tugend unter einer Reihe von allegorischen Rittergeschichten vorstellt. So fängt er das dritte Buch an, welches die Keuschheit zum Gegenstande hat:

Most sacred fire, that burnest mightily

In living breasts, ykindled first above,

Amongst th’eternal spheres, and lamping sky,

And thence pour’d into men, which men call Love;

Not that same, which doth base affections move