[32] Die Schrift: „Heinrich Gottschalk oder erster Religionsunterricht für Kinder von 10-12 Jahren“ erschien 1804; ihr folgte 1808 der „Unterricht in der christlichen Religion“.

[33] [Nach] diesen Worten scheint Salzmann wenig von einer Vorbildung zum Lehrerberufe auf einer Pflanzschule zu halten, nachdem er doch selbst kurz vorher den Umriß zu derselben entworfen hat. Als einfacheren Weg stellt er die Regel: „Erziehe dich selbst!“ auf. Der Grund liegt, wie Karl Richter bemerkt, wohl darin, daß er bei seinem Plane nicht sowohl Dorfschulen und ihre Lehrer, sondern junge Theologen als Lehrer in Familien und an Privatinstituten im Auge hatte. Schon zu Salzmanns Zeit bestanden an vielen Orten Seminare, wie das Berliner Seminar, von Hecker gegründet, und die von Friedrich d. G. in Schlesien eingerichteten Seminare. Die von Salzmann gegebenen Regeln sind von den Erziehern wohl zu beherzigen; sie genügen aber durchaus nicht zur Bildung derselben. Wer selbst den Lehrerberuf nicht theoretisch und praktisch erlernt hat, wozu sich am besten unsere heutigen Lehrerbildungsanstalten mit ihren Übungsschulen eignen, kann kein tüchtiger Erzieher sein. Deshalb wird auch bei den Prüfungen der Lehrer auf die pädagogische Ausbildung und auf die Lehrprobe das Hauptgewicht gelegt. Zu fordern ist auch, daß die Schulaufseher und Schulleiter sowohl theoretisch als praktisch pädagogisch geschult sind, was leider bis jetzt noch nicht stets der Fall ist.

[34]Der Himmel auf Erden“ erschien 1797. Salzmann zeigt in dieser Schrift, daß der Mensch die Glückseligkeit nicht erst im Jenseits erwarten solle, sondern daß er sich schon hier auf Erden das Leben zu einem Himmel gestalten könne und zwar durch sittliches Handeln und treue Pflichterfüllung, durch lebendige Erkenntnis Gottes und im Umgange mit ihm, durch fromme Betrachtung seiner Werke. Eine neue Ausgabe dieser Schrift ist 1885 von August Roth besorgt worden (Minden, J.C.C. Bruns' Verlag).

[35] Das Original des Robinson (Univ.-Bibl. Nr. 2194. 2195) hatte der Engländer Daniel Defoe (1661-1731) 1719 nach den Erlebnissen eines Matrosen, namens Alex. Selkirks frei bearbeitet. Campe gab dieses Buch mit vielfach eingestreuten Betrachtungen und langweiligen Belehrungen 1779 unter dem Titel: „Robinson der Jüngere“ heraus. Mit dieser Zeit hat dasselbe viele Auflagen erlebt und gehört noch jetzt zu den beliebtesten und vielgelesensten Jugendschriften. Neue treffliche Bearbeitungen lieferten G.A. Gräbner, Ferd. Schmidt, Mensch, Höcker. Schon Rousseau wies in seinem „Emil“ auf den Robinson hin. Er sagt: „Ein gutes Buch ist es, das mein Emil zuerst lesen soll; es wird lange Zeit ganz allein seinen Bücherschatz bilden und wird jederzeit den vornehmsten Rang in diesem einnehmen. Es soll der Text sein, von dem unsere Unterhaltung über die menschlichen Erfindungen und Wissenschaften ausgeht; es soll der Prüfstein sein, an dem ich die Fortschritte in der Urteilskraft meines Zöglings erproben will; und so lange sein Geschmack einfach und natürlich bleibt, weiß ich, wird die Lesung desselben ihm ein immer neues Vergnügen bereiten. Und was ist dies für ein wunderbares Buch? Ist es Aristoteles? Ist es Plinius? Ist es Buffon? Nein! Es ist Robinson Crusoe.“ Hettner sagt von dem Buch: „Es entrollt sich darin ein Bild vor uns, so groß und gewaltig, daß wir hier noch einmal die allmähliche Entwickelung des Menschengeschlechts überschauen.“ Und in der Vorrede der Ausgabe von Gräbner heißt es: „Der Held hat Fleisch und Blut, er tritt in voller Wahrheit vor uns hin; er zeigt sich in den Stunden der Schwäche wie in denen der Größe, wie er vom leichtsinnigen Knaben zum gottlosen Jünglinge wird, wie er zur Erkenntnis gelangt und wie oft er abermals strauchelt, ehe er das wird, was ihm die sittlich-religiöse Bedeutung für die Zwecke der Charakterbildung giebt.“ Die Herbart-Zillersche Schule legt den Robinson dem Gesinnungsunterrichte des zweiten Schuljahres (zweite kulturhistorische Stufe) unter. Siehe Rein: Zweites Schuljahr.

[36] [Das] Guts-Muthssche Spielbuch ist mehrfach, neu bearbeitet, herausgegeben worden. Zuletzt ist es 1884 in sechster Auflage vom Seminar-Oberlehrer O. Schettler unter dem Titel: „Guts-Muths' Spiele zur Übung und Erholung des Körpers und Geistes, gesammelt und bearbeitet für die Jugend, ihre Erzieher und die Freunde unschuldiger Jugendfreuden“(Hof, Grau & Co.) erschienen. Ihm sind seit dem Erlasse des preuß. Kultusministers 1882 über die Jugendspiele eine Menge neuer Sammlungen von Turnspielen gefolgt. Es seien genannt: Ambros: „Spielbuch 400 Spiele und Belustigungen für Schule und Haus“; Köhler: „Bewegungsspiele des Kindergartens“; Wagner: „Illustriertes Spielbuch für Knaben“; Stangenberger: „Spiele für die Volksschule“; Schettler: „Turnspiele für Knaben und Mädchen“; Jacobs: „Deutschlands spielende Jugend“; Bräunlich: „Kinderspiele und Liederreigen für Mädchen“; Leske: „Illustriertes Spielbuch für Mädchen“; Lier: „Turnspiele für Deutschlands Jugend“; Kohlrausch und Marten: „Turnspiele“; Bruns: „Illustriertes Kinderspielbuch“; Wießner: „Fest- und Freizeit-Spielbüchlein“; Kümpel: „Das Spiel der Jugend und seine Bedeutung für die Volksschule“; Lausch: „134 Spiele im Freien für die Jugend“; Matz: „Über die Spiele der Kinder“; Wolter: „Das Spiel im Freien“; Zander: „Über die Bedeutung der Jugendspiele für die Erziehung“.

[37] Die hier genannten Schriften sind jetzt veraltet, doch an ihre Stelle neue getreten. Es seien genannt: Leunis: „Synopsis der 3 Naturreiche“; Brehm: „Illustriertes Tierleben“, „Leben der Vögel“; Lenz: „Gemeinnützliche Naturgeschichte des Tierreichs“; Lüben: „Anweisung zu einem methodischen Unterrichte in der Pflanzenkunde“; Auerswald: „Botanische Unterhaltungen“; Teller: „Wegweiser durch die 3 Reiche der Natur“; Cürie: „Anweisung zur Bestimmung der Pflanzen“; Garcke: „Flora von Deutschland“; Thomé: „Lehrbuch der Botanik“, „der Zoologie“; Roßmäßler: „Die 4 Jahreszeiten“, „Flora im Winterkleide“, „der Wald“; Postel: „Führer durch die Pflanzenwelt“; Polack: „Illustrierte Naturgeschichte“; Dietlein: „Tierkunde“; Scholz: „Tierkunde“; Eiben: „Schulnaturgeschichte des Tierreichs“, „des Pflanzenreichs“; Vogel: „Erster Unterricht in der Naturgeschichte“; Twiehausen: „Der naturgeschichtliche Unterricht in ausgeführten Lektionen“; Schleiden: „Die Pflanze und ihr Leben“; Grube: „Biographien aus der Naturkunde“, „Naturbilder“; Wagner: „Pflanzenkunde“, „In die Natur“; Lüben: „Anweisung zu einem methodischen Unterrichte in der Tierkunde“; Masius: „Naturstudien“, „Die gesamten Naturwissenschaften“; Taschenberg: „Was da kriecht und fliegt“; Schubert: „Naturgeschichte“.

[38] Gewiß ist das unmäßige Lesen, namentlich, wenn es nur geschieht, um zu lesen, von großem Schaden. Der Lehrer lese alles nur in Beziehung auf seinen Beruf und seine Lehrfächer. Namentlich gewöhne er sich daran, mit der Feder in der Hand zu lesen. Er merkt sich dadurch nicht allein das Gelesene besser, sondern er verbessert auch seinen Stil. Er achte aber auch auf das Lesen seiner Zöglinge. Er bewahre sie vor dem verderblichen Viellesen; deshalb ist die Benutzung der Schülerbibliothek wohl zu kontrollieren, und man halte darauf, daß der Schüler über den Inhalt des aus derselben entnommenen Buches Bericht erstatte.

[39] Schon im Dessauer Philanthropin gab es Meritentafeln. Von hier aus führte Salzmann sie auch in seiner Anstalt ein. Die Meritentafeln bestanden bei Salzmann aus einer schwarzen, im Betsaal aufgehängten und mit den Namen sämtlicher Schüler versehenen Tafel. Für jede Leistung und Arbeit erhielten die Zöglinge je nach dem Werte derselben „Billette des Fleißes“. Hatte einer 50 von diesen, so ward hinter seinem Namen auf der Tafel ein gelber Nagel eingeschlagen = er hatte einen „goldenen Punkt“ erworben. Wer deren 50 hatte, erhielt den „Orden des Fleißes“, der bei feierlichen Gelegenheiten auf der Brust getragen ward. Er bestand aus einem goldenen Kreuze, das in der Mitte ein rundes Schildchen hatte, auf dem sich ein erhaben gearbeitetes Grabscheit mit den Buchstaben D. D. u. H. (= Denken, Dulden und Handeln) befand. Durch diese Auszeichnungen ward der Fleiß des Schülers wohl angespornt, aber auch ein falscher Ehrgeiz und die Selbstüberschätzung großgezogen. Das Lernen ward dadurch zum Mittel zum Zwecke herabgewürdigt, anstatt selbst Zweck zu sein. Nicht äußerliche Auszeichnung, sondern der Unterricht des Lehrers soll das unmittelbare Interesse des Lernenden, mit dem dieser sich ganz dem Wissensstoffe hingiebt, erwecken. Wenn Salzmann gegen die körperliche Züchtigung redet, so hat er diese Ansicht nicht immer gehabt. In „Noch etwas über die Erziehung“ und im „Konrad Kiefer“ empfiehlt er sie noch. Unserer Ansicht und Erfahrung nach muß der Lehrer die körperliche Züchtigung nur als letztes Strafmittel ansehen, zu dem er erst dann greifen darf, wenn alle anderen nichts gefruchtet haben. Auch Luther empfiehlt einen „eichenen Butterwecken“ als „geistige Salbe“. Der Pädagoge Ludw. Döderlein sagt: „Es kann eine Schule bestehen ohne körperliche Züchtigung, aber nicht ohne die Möglichkeit derselben, nicht ohne die Berechtigung zu derselben.“Gegen die körperliche Züchtigung schrieb Schuldirektor Dr. Th. Mertens in Hannover († 1887) in seiner Schrift: „Schläge in der Schule?“

[40]Non est quovis ligno fit Mercurius“ = „Nicht aus jedem Holze läßt sich ein Merkur schnitzeln.“ Dieses Wort soll von Pythagoras herrühren. Dem Comenius ward auf seine Forderung: jeder Mensch müsse unterrichtet werden, dies Wort entgegengehalten. Seine Antwort war: „Aber aus jedem Menschen ein Mensch.“

Ende.