III.
Vorzügliche Feste der obern Erzgebirger.
1.
Die Fastnacht.
Unter die vorzüglichen Feste gehört die Fastnacht, eigentlich ein Fest nur für die Bergleute, aber an den meisten Orten nimmt Jedermann gern Antheil daran. Ich werde daher jetzt von Johanngeorgenstadt sprechen, weil in dieser Stadt dieses Bergfest mit bergmännischen Solennitäten gefeiert wird.
Tags vorher sind gewöhnlich die Bergleute aus den combinirten Bergrevieren Schwarzenberg und Eibenstock in ihrem Ornate daselbst eingetroffen. Früh um fünf Uhr wird dann die große Glocke geläutet, worauf von dem Stadtpfeifer und den Berghautboisten ein Morgenlied von dem Thurme geblasen wird. So wie nun der Tag angebrochen ist, sieht man die geputzten Bergleute auf den Gassen einher- und in das Rathhaus ziehen, woselbst sie sich Alle versammeln. Das Volk steht nun umher und freut sich; Mütter freuen sich über ihre Söhne, Weiber über ihre Männer, Kinder über ihre geputzten Väter, Mädchen über die schmucken Bursche. Das ist ein Treiben und Drängen, Schwatzen und Lachen; am Markte und in der Kirchgasse sind fast alle Fenster besetzt. Nun werden auch die Bergbeamten nach dem Range von Steigern und Bergältesten, so wie die Schichtmeister von ihren Leuten auf das Rathhaus feierlich begleitet, wo von oben herab ihnen Trompeten und Pauken entgegen tönen. Mit dieser Feierlichkeit wird auch die Fahne abgehohlt. Welche Lebhaftigkeit hier herrsche, kann man sich leicht vorstellen.
Endlich um neun Uhr unter dem Geläute der Glocken bewegt sich der festliche Zug mit starker Musik nach der Kirche zu. Ein Knappschaftsältester oder Schichtmeister führt den Zug an, welcher vier Mann hoch eingerichtet ist. Doch dieß Alles nach der Ordnung zu beschreiben nebst der Tracht, wäre zu weitläufig und überflüssig. Abbildungen von der festlichen Bergmannstracht findet man im Freyberger bergmännischen Taschen-Kalender. Aber das Ganze nimmt sich vortrefflich aus; wenn man von oben den langsam wallenden Zug erblickt, sieht man nichts als Grün, Weiß und Schwarz, nebst den hier und da hervor ragenden Federbüschen. Das Bergamt in seiner Tracht nimmt sich vorzüglich schön aus. Und so ist der Zug längst in der Kirche, welche fern vom Rathhause steht, während man immer noch seinem Ende aus dem Rathhause entgegen sieht.
In der Kirche wird musicirt und sodann eine Bergpredigt gehalten. Nach derselben wird unter andern auch verlesen, wie viel in diesem Jahre Erz ausgebracht worden sei u. d. gl.
Nach der Predigt oder vielmehr nach dem Gottesdienste geht der Zug in der nämlichen Ordnung wieder auf das Rathhaus und lößt sich dann wieder auf, so wie er begonnen hat. Nun nimmt jede Familie vergnügt ein festliches Mittagsmahl ein; vorzüglich bäckt man an diesem Tage viel Hefenklöße und der ärmste Bergmann thut sich da, nach seinem Ausdrucke, eine Güte, d. h. er ißt mit seiner, oft zahlreichen, Familie, ein halbes Pfund Schweinebraten mit Erdäpfelbrei oder Sauerkraut, und trinkt ein Glas Brandtewein.
Gegen Abend geht er zu Bier und zu Tanz und verjubelt lustig und froh die letzten, sauer verdienten paar Groschen, weiß nicht, ob er morgen noch lebt oder zerschmettert aus der Grube herauf gezogen wird.