Da diese Steine durch die eingeschnittenen Namen gleichsam die 12 Stämme repräsentirten, und da sie 3 und 3 in einer Reihe in einem Schilde auf der Brust getragen wurden, so scheint es mir wahrscheinlich, dass man Steine gewählt haben dürfte, die ziemlich gleicher Grösse waren, denn es würde sich schlecht ausgenommen haben, wenn neben einem grossen sich ein kleiner Stein befunden hätte. Es scheint mir daher gar nicht wahrscheinlich, dass in dem Brustschilde sich die Edelsteine befunden hätten, die nur in kleinen Stücken vorkommen, für uns die kostbarsten sind, wie Diamant, Rubin, Sapphir, um so mehr, da man im Alterthume diese harten Edelsteine nicht in der Art künstlich schliff und facettirte, als bey uns, sie mehr als natürliche Krystalle trug; eher dürfte zu vermuthen stehen: dass hierzu vorzugsweisse sogenannte Halbedelsteine verwendet gewesen seyn mögen, die schön gefärbt waren, sich leicht bearbeiten liessen und eine gewisse Grösse hatten, wie edler Sard, Onyx, Plasma u.s.w.

Weil es heisst: dass kostbare Steine dazu verwendet werden sollten, so gehet Braun von der Meinung aus: dass die kostbarsten Edelsteine zu suchen hätte, wie Demant, Rubin, Sapphir u.s.w., die er bey zweifelhaften Namen präsumirt, was aber wohl nicht der richtige Gesichtspunkt seyn mag.

Diese 12 Steine lassen sich ohnmöglich mit scharfer Sicherheit mineralogisch bestimmen, nur aus den Namen und deren Uebersetzung ins Griechische, Syrische u.s.w.—bey denen aber zuweilen die Stellen oder Nummern der Steine verwechselt, selbst andere Namen dafür gesetzt sind—können wir die Deutung versuchen. Es ist nicht zu verwundern, wenn bey diesem dunkeln Gegenstande sehr verschiedene Ansichten geltend gemacht sind, und ein Paar neue Conjecturen zur Prüfung vorzulegen, wird erlaubt seyn.

Am ausführlichsten haben bey uns diesen Gegenstand behandelt: Braun: de vestitu sacerdotum hebr. 1680; J. Bellermann: Die Urim und Thummim. 1824.

Die 12 Steine sind folgende.

1. Odem. Sarder nach Luther und Braun, Karniol nach Bellermann.

Im Griechischen allgemein durch σαρδιον übersetzt; im Syrischen sumoko, samukta, d.i. roth; im Arabischen jakut akmar (d.i. rother jakut, unser Rubin); im Persischen jakut; im Samaritanischen samuk; im Chaldäischen samkan, achmon; im Koptischen sardinon.

Das Wort odem kommt nicht weiter im Alterthume vor; Braun will eine Aehnlichkeit mit demium oder dionium finden, wie Plinius eine Art des Sard nennt, die aber sehr zweifelhaft seyn möchte. Mit dem orientalischen Namen des Sard hat odem keine Relation, eher mit ount im Aegyptischen und Koptischen, unch im Chaldäischen, woher ονυξ im Griechischen, der Sardonyx oder mehrfarbige Sard. Die arabische Uebersetzung mit Rubin dürfte gar nicht passen.

Am wahrscheinlichsten dürfte seyn: dass der odem der edle rothe Sard aus der Bucharey (nicht unser gewöhnlicher Carniol) oder vielmehr der mehrfarbige Sard (unser edler Onyx) war, beide Gesteine sind mineralogisch gleich, nur durch die Färbung verschieden.

2. Pitdah. Topas nach Luther, Braun und Bellermann, was auf jeden Fall schon desshalb irrthümlich seyn wird, weil das Alterthum keine Topase, wenigstens keine gelben gehabt hat, die wir theils aus Sachsen, theils aus Amerika erhalten.