Und in diesen Gesprächen brennt die Flamme Gottes selbst, die Flamme des um sich selbst ringenden Gottes, dessen Leib das unendliche All der Gestirne und dessen Geist der Geist ihrer Lebendigen ist.
(Zu Dostojewski.) Wenn ich ein Priester wäre, so würde ich mit meiner Stirn erst dreimal vor ihm den Boden berühren, bevor ich mich umwendete und zu meinen Brüdern spräche; denn in ihm ward eine jener großen Leuchten der Erde lebendig, die noch in den finstersten Nächten leuchten, — er war einer der großen Rechtfertiger des Menschen, weil er sich am Menschen nicht genug sein ließ; nur aber, wem der Mensch kein Ziel war, nur ein Wurf nach dem Ziel, verdient Mensch gewesen zu sein.
(Zu Drews.) Wenn ich sage: ‚Mensch‘ ist nur eine sprachliche Ausdrucksform für ‚Gott‘ — ist das ‚Selbstvergötterung‘? Gott kann sich doch nicht selbst vergöttern! Was aber wäre Gott, der nicht die ganze Natur, der nicht alles, alles selbst wäre, der nur das Selbst, nicht auch das Ich zugleich, nicht zugleich die Sehnsucht nach Sich und dies Ersehnte 237selbst, kurz, dessen Inhalt, sozusagen, nicht die gesamte unendliche Welt wäre? Gott ist jeder Gedanke und jedes Gebilde; es gibt allerdings Metaphysik, insofern die Natur nicht nur ein einfacher chemischer oder mechanistischer Prozeß ist, als den sie der Materialismus hinstellen will, aber es gibt keinen Metatheismus; Metatheismus aber wäre, das menschliche Subjekt noch einmal in Mensch und Gott zu spalten: wenn diese Spaltung auch noch so fruchtbar sein mag, ja wenn sie auch unzweifelhaft eines der instinktiven Mittel des aus dumpfem Urtrieb zu immer reinerer Sichselbsterfassung, Sichselbsterringung hindrängenden Gottes war und ist, seinen Weg zu sich selbst, ja: Sich Selbst zu finden.
Ihr werdet mich mit Euren blassen Gottesideen nicht überzeugen können. Der sichselbstschöpferische Gott ist ein zu gewaltiger Gedanke, und wenn nicht die Philosophen, so werden die Künstler mich stets begreifen.
Ich kann nur durch Kampf und Leiden zur Erkenntnis Meiner selbst kommen und zu diesem Leiden gehört, daß, was da leidet, zum allergrößten Teil nicht weiß, daß Ich leide, sondern sich als selbst-Leidendes fühlt, sodaß ich, obwohl ich es nur selbst bin, der leidet, doch endlos zugleich leiden mache. Und dies alles um Meinetwillen, um Meiner Entwickelung willen. Was bleibt Mir da noch übrig, womit kann Ich allein diesen furchtbaren und doch notwendigen Weg aufwiegen, wenn nicht durch — Liebe! Liebe nicht zu Mir, sondern zu dem, was Ich noch nicht 238bin, also zur ganzen werdenden Welt, zu allem, was überhaupt noch Werden heißt. Die ganze Welt einst wieder an Mein Herz zurückzunehmen — könnte Ich mich ohne diesen Willen zur — Welt entschlossen haben?
(Schauerlich, wenn ich mit meinen ich und Ich mißverstanden würde. Wenn man mich für einen größenwahnsinnig gewordenen Subjektivisten nähme!)