Auch wo Gott ‚sich‘ fühlt, wie im Mystiker, bleibt er noch Mensch.
Man soll nur in alle Ewigkeit leugnen, daß die Welt unerklärlich sei. Die Folgen dieser bornierten Leugnung, 254dieser stiermäßigen Annahme des Gottmenschenkopfes von seiner Anlage zur Selbsterkenntnis sind allzu wertvoll, verinteressieren — als Wissenschaft — das Leben in allzu hohem Grade.
Unbewußte Stupidität, bewußte Verlogenheit — als Voraussetzung aller Wissenschaft, ja aller geistigen Kultur überhaupt: das ist eine groteske Wahrheit Gottes, des Menschen.
Auch hier meine Ausführungen, was ich auch versuche, bleiben — Anthropomorphismus. Diese Feststellung sollte eigentlich der Tod Gottes sein. Der Tod Gottes — als einer auszuscheidenden Vorstellung. Aber diese Vorstellung war meine letzte, in der ich alle andern begrub. Kein Wort der Erde, das sich mir im Wort ‚Gott‘ nicht löste. Andre nennen ihre Grenzvorstellung Leben, Natur, Wirklichkeit. Aber ist das minder anthropomorph? Nein. Jedes Wort ist Vorstellung, jedes Wort ist demnach gleich viel wert. ‚Leben‘ ist das Wort einer andern Phantasie als ‚Gott‘, das ist alles.
Es gibt also zuletzt nur eine Grenzvorstellung, nur ein ‚Ur—wort‘. Dieses Urwort muß uns gelassen bleiben, wollen wir Menschen bleiben.