Gott wäre etwas gar Erbärmliches, wenn er sich in einem Menschenkopfe begreifen könnte.
Ich frage mich, welche innere Nötigung liegt meiner Handlungsweise zu Grunde (drücken wir es so aus): 255das Ding an sich Gott zu nennen. Meine aufrichtigste Antwort lautet: Das ist des Dings an sich, das ist Gottes Sache selbst. Ich bin — wie ich es ansehen kann — nur eine Etappe im ungeheuren Heer und Komplex von Assoziationen, und wenn ich mich nun selbst psychologisch zu deduzieren suchte, so wäre damit wohl nicht viel mehr getan, als wenn ein Strudel jenes Baches dort unten die Art seines Gurgelns durch die Daten seines Lokals usw. erklären zu können glaubte.
Nun gut. Welche Nötigung? Die Nötigung, nicht Halt machen zu brauchen. Die Nötigung, mich mit allem um mich durch ein persönliches Band verbunden fühlen zu dürfen. Wenn diese Tanne da vor mir ein geistreicher Mechanismus ist wie ich, so kann sie mir in jedem Augenblick unendlich gleichgültig, ja widerlich werden. Aber sie ist kein Mechanismus, sie teilt — ob ich sie nun als Du oder Erscheinung bezeichne — Ein Geheimnis mit mir, das Geheimnis des Lebens. Wir sind Brüder als Erscheinungen, und unser Beider Vater als Dinge.
Ich, als Vater, erfülle mich erst im Menschen, als mir, dem Sohne; als Sohn erst erfahre ich mich als den Vater.
Oder: als Erscheinung erst werde ich mir selbst — Erscheinung.
Von mir: die Menschen sind ihm allein Köpfe Gottes.