So wie ich — außer etwa als mystischer Seher — den Geistkörper des Menschen nicht schaue, so schaue ich auch nicht den Geistkörper der Erde. Und doch muß auch der Planet als Ganzes seinen Geistkörper haben und wer weiß, ob er damit nicht Brust an Brust mit Geistkörpern andrer Sterne lebt, sodaß …
Ein Kunstwerk schön finden, heißt, den Menschen lieben, der es hervorbrachte. Denn was ist Kunst andres als Vermittlung von Seele. Eine Landschaft schön finden, heißt, uns ihrer als eines göttlichen Geschenkes unbekannter Mächte freuen. Dankt meine 270Ergriffenheit z.B. dem Meere selbst? Nein, sie dankt den schöpferischen Geistern, der ganzen Natur dafür, dem schöpferischen Geist — des Lebens selber. Interesselos aber ist mein Wohlgefallen am Schönen so wenig, daß es vielmehr alles tiefste Schöpferische in mir aufregt und, indem es ihm Gelegenheit gibt im ausgiebigsten Maße ‚mitzutun‘, bis zu einem gewissen Grade zugleich befriedigt. Nur bis zu einem gewissen Grade — denn über dies Befriedigen hinaus bleibt noch — ob bewußt oder unbewußt — etwas von jener nie ganz gestillten Sehnsucht, die wir allem gegenüber empfinden, was uns zur Liebe zwingt: die Sehnsucht, es noch mehr, noch besser, noch gründlicher zu lieben, als wir es lieben können, des Wunsches einer noch viel vollkommeneren, sublimeren Liebe, die den Dank wirklich zu erstatten vermöchte, den wir fühlen.
Weil wir niemals und nirgends etwas Totem gegenüberstehen, sondern immerdar dem Ausdruck irgendeines Willens — so ist alles Empfinden die unmittelbare Aufnahme jenes fremden Willens in unsern, auf die jedoch sofort auch seine Wiederausstoßung folgt, seine Distanzierung, Zurückweisung, Objektivierung. — Das Bild der Welt bietet so im Großen und Fortwährenden das Bild der — Liebe, als welche ein ewiger Wechsel zur Einheit zusammenfließender Zweiheit und in Zweiheit sich sichselbstgegenüberstellender Einheit ist.
Jeder konsequente Monismus führt unabänderlich zum — Dualismus. Denn eine absolute Einheit verträgt 271der menschliche Geist niemals. Und wo er ihr nicht entweichen zu können glaubt, wie in Schopenhauer, verneint er.
Aus diesem Grunde könnte auch die Gottheit ihrer schauerlichen Einheit in Legionen Vielheiten entflüchtet sein, von zwei Leiden das kleinere wählend.