Die Hundstage traten gleich selben Tag im Kalender ein, als ich und mein Herr Bruder Graf von dem Bürgermeister zu Amsterdam Abschied nahmen und uns in ein groß Orlogschiff[38] setzten. Wir waren etwa drei Wochen auf der See nach Indien fortgeschifft, so kamen wir an einen Ort, wo so schrecklich viel Walfische im Wasser gingen, dieselben lockte ich mit einem Stückchen Brote ganz nah an unser Schiff. Der eine Bootsknecht hatte eine Angel bei sich, die mußte er mir geben, und versuchte es, ob ich einen kunnte ins Schiff häkeln. Es wäre auch, der Tebel hol mer, angegangen, wenn die Angel nicht wäre in Stücken gerissen, denn als der Walfisch anbiß und ich im besten Rucken war, so riß der Dreck entzwei, daß also der Angelhaken dem Walfische in dem Rachen steckenblieb, von welchem er unfehlbar wird gestorben sein. Wie solches die andern Walfische gewahr wurden und des Schattens nur von der Angelschnur ansichtig wurden, marschierten sie alle auch fort und ließ sich, der Tebel hol mer, nicht ein einziger wieder an unserm Schiffe blicken.

Wir schifften von da weiter fort und bekamen nach etlichen Tagen das gelübberte Meer[39] zu sehen, allwo wir ganz nahe vorbeifahren mußten. Sapperment! was stunden dort vor Schiffe in dem gelübberten Meere, es war, der Tebel hol mer, nicht anders, als wenn man in einen großen dürren Wald sähe, da die Bäume verdorrt stünden, und war keine Seele auf den Schiffen zu sehen. Ich fragte den Schiffsmann, wie denn das zuginge, weil so viel Schiffe dastünden. Der gab mir zur Antwort, daß dieselben Schiffe bei großem Ungestüm der Wind dahin gejagt hätte, wenn die Schiffsleute nach Indien fahren wollten und den Weg verfehlt, daß also auf alle den Schiffen die Leute jämmerlich umkommen müßten. — Wie wir nun an dem gelübberten Meere vorbei waren, kamen wir unter die Linie[40]. Ei sapperment! was war da vor Hitze! Die Sonne brannte uns alle miteinander bald kohlrabenschwarz. Mein Herr Bruder Graf, der war nun ein korpulenter, dicker Herr, der wurde unter der Linie von der grausamen Hitze krank, legte sich hin und starb, der Tebel hol mer, ehe wir uns solches versahen. Sapperment! wie ging mirs so nahe, daß der Kerl da sterben mußte, und war mein bester Reisegefährte. Allein was kunnte ich tun? Tot war er einmal, und wenn ich mich auch noch so sehr über ihn gegrämt, ich hätte ihn doch nicht wiederbekommen. Ich war aber her und bund ihn nach Schiffsgewohnheit sehr artig auf ein Brett, steckte ihm zwei Dukatens in seine schwarzsamtnen Hosen und schickte ihn damit auf dem Wasser fort; wo derselbe nun mag begraben liegen, dasselbe kann ich, der Tebel hol mer, keinem Menschen sagen.

Drei Wochen nach seinem Tode gelangten wir bei gutem Winde in Indien an, allwo wir an einer schönen Pfingstwiese ausstiegen, dem Schiffsmann das Fährgeld richtig machten und einer hernach hier hinaus, der andere dort hinaus seinen Weg zunahmen. Ich erkundigte mich nun gleich, wo der Große Mogol residierte. Erstlich fragte ich einen kleinen Jungen, welcher auf derselben Pfingstwiese, wo wir ausgestiegen waren, in einem grünen Käppchen dort herumlief und die jungen Gänschen hütete. Ich redete denselben recht artig an und sagte: Höre, Kleiner! kannst du mir keine Nachricht sagen, wo der Große Mogol in diesem Lande wohnt? Der Junge aber kunnte noch nicht einmal reden, sondern wies nur mit dem Finger und sagte: a a. Da wußte ich nun, der Tebel hol mer, viel, was a a heißen sollte. Ich ging auf der Wiese weiter fort, so kam mir ein Scherenschleifer entgegengefahren, denselben fragte ich nun auch, ob er mir keine Nachricht erteilen könnte, wo der Mogol wohnen müßte. Der Scherenschleifer gab mir hierauf gleich Bescheid und sagte, daß zwei Mogols in Indien residierten, einen hießen sie nur den Großen Mogol, den andern aber nur den Kleinen. Wie er nun hörte, daß ich zu dem Großen wollte, so sagte er mir gleich, daß ich etwa noch eine Stunde hin an seine Residenz hätte, und ich sollte nur auf der Pfingstwiese fortgehen, ich könnte nicht irren; wenn dieselbe zu Ende, würde ich an eine große Ringmauer kommen, da sollte ich nur hinter weggehen, dieselbe würde mich bis an das Schloßtor führen, worinnen der Große Mogol residierte, denn seine Residenz hieße Agra. Nachdem der Scherenschleifer mir nun diese Nachricht erteilt, ging ich auf der Pfingstwiese immer fort und gedachte unterwegens an den kleinen Jungen in dem grünen Käppchen, daß er a a sagte; ich hielt gänzlich dafür, der kleine Blutschelm, ob er gleich nicht viel reden kunnte, müßte mich doch auch verstanden haben und gewußt, wo der Große Mogol wohnte, weil er Agra noch nicht aussprechen kunnte, sondern nur a a lallte. Des Scherenschleifers seine Nachricht traf, der Tebel hol mer, auch auf ein Härchen ein, denn sobald als die Pfingstwiese ausging, kam ich an eine große Ringmauer, hinter welcher ich wegmarschierte, und sobald dieselbe zu Ende, kam ich an ein erschrecklich groß Torweg, vor welchem wohl über zweihundert Trabanten mit bloßen Schwertern stunden, die hatten alle grüne Pumphosen und ein Kollet[41] mit Schweinebratenärmeln an. Da roch ich nun gleich Lunte, daß darinnen der Große Mogol residieren würde.

Ich war her und fragte die Trabanten, ob ihre Herrschaft zu Hause wäre, worauf die Kerls alle zugleich ja schrien, und was mein Verlangen wäre. Da erzählte ich den Trabanten nun gleich, wie daß ich nämlich ein brav Kerl wäre, der sich was rechts in der Welt versucht hätte und auch noch versuchen wollte; sie sollten mich doch bei dem Großen Mogol anmelden, der und der wäre ich, und ich wollte ihm auf ein paar Worte zusprechen. Sapperment! wie liefen hierauf flugs ihrer zwölfe nach des Großen Mogols Zimmer zu und meldeten mich bei ihm an. Sie kamen aber bald wiedergelaufen und sagten, ich sollte hineinspazieren, es würde ihrer Herrschaft sehr angenehm sein, daß einer aus fremden Landen sie einiges Zuspruchs würdigte. Damit ging ich nun durch die Wache durch.

Ich war kaum sechs Schritte gegangen, so schrie der Große Mogol zu seinem Gemach oben heraus, sie sollten das Gewehr vor mir präsentieren. Sapperment! als die Trabanten dieses hörten, wie sprungen die Kerls ins Gewehr und nahmen alle ihre Hüte unter den Arm und sahen mich mit höchster Verwunderung an. Denn ich kunnte nun recht artig durch die Wache durchpassieren, daß es, der Tebel hol mer, groß Aufsehens bei dem Großen Mogol erweckte. Wie ich nun an eine große marmorsteinerne Treppe kam, allwo ich hinaufgehen mußte, so kam mir, der Tebel hol mer, der Große Mogol wohl auf halbe Treppe herunter entgegen, empfing mich und führte mich bei dem Arme vollends hinauf. Sapperment! was präsentierte sich da vor ein schöner Saal, er flimmerte und flammerte, der Tebel hol mer, von lauter Golde und Edelgesteinen. Auf demselben Saal hieß er mich nun willkommen und freute sich meiner guten Gesundheit und sagte, daß er in langer Zeit nicht hätte das Glück gehabt, daß ein Deutscher ihm zugesprochen hätte, und fragte hernach nach meinem Stande und Herkommen, wer ich wäre. Ich erzählte ihm hierauf nun sehr artig flugs meine Geburt und die Begebenheit von der Ratte und wie daß ich einer von den bravsten Kerlen der Welt wäre, der so viel gesehen und ausgestanden schon hätte. Sapperment! wie horchte der Große Mogol, als er mich diese Dinge erzählen hörte. Er führte mich nach solcher Erzählung gleich in ein vortrefflich aufgeputztes Zimmer und sagte, daß dasselbe zu meinen Diensten stünde, und ich möchte so lange bei ihm bleiben, als ich wollte, es sollte ihm und seiner Gemahlin sehr angenehm sein. Er rief auch gleich Pagen und Lakeien, die mich bedienen sollten. Sapperment! wie die Kerls kamen, was machten sie vor närrische Reverenzen vor mir! Erstlich bückten sie sich mit dem Kopfe bis zur Erden vor mir, hernach kehrten sie mir den Rücken zu und scharrten mit allen beiden Beinen zugleich weit hinten aus. Der Große Mogol befahl ihnen, sie sollten mich ja recht bedienen, sonsten wo nur die geringste Klage kommen würde, sollten sowohl Lakeien als Pagen in die Küche geführt werden. Hierauf nahm er von mir Abschied und ging wieder nach seinem Zimmer zu. Als er nun weg war, Sapperment! wie bedienten mich die Burschen so brav, sie hießen mich nur zwar Junker, allein was sie mir nur an den Augen absehen kunnten, das taten sie. Wenn ich nur zuzeiten einmal ausspuckte, so liefen sie, der Tebel hol mer, alle zugleich, daß sie es austreten wollten, denn wer es am ersten austrat, was ich ausgespuckt hatte, so schätzte sichs derselbe allemal vor eine große Ehre.

Der Große Mogol hatte mich kaum eine halbe Stunde verlassen, so kam er mit seiner Gemahlin, mit seinen Kavalieren und Damens in mein Zimmer wieder hineingetreten. Da hieß mich nun seine Gemahlin wie auch die Kavaliers und Damens alle willkommen, und sahen mich mit großer Verwunderung an. Ich mußte auf Bitten des Großen Mogols die Begebenheit von der Ratte noch einmal erzählen, denn seine Gemahlin wollte dieselbe Historie so gerne hören. Ei sapperment! wie hat das Mensche drüber gelacht! Die Kavaliers und Damens aber sahen mich alle mit großer Verwunderung an und sagte immer eines heimlich zu dem andern, ich müßte wohl was Rechts in Deutschland sein, weil ich von solchen Dingen erzählen könnte.

Nun war es gleich Zeit zur Abendmahlzeit, daß der Große Mogol zur Tafel blasen ließ. Ei sapperment! was hörte man da vor ein Geschmittere und Geschmattere von den Trompeten und Heerpauken! Es stunden zweihundert Trompeter und neunundneunzig Heerpauker in seinem Schloßhofe auf einem großen breiten Steine, die mußten mir zu Ehren sich da hören lassen, die Kerls bliesen, der Tebel hol mer, unvergleichlich. Wie sie nun ausgeblasen hatten, so mußte ich die Große Mogoln bei der Hand nehmen und sie zur Tafel führen; es ließ, der Tebel hol mer, recht artig, wie ich so neben ihr herging. Sobald als wir nun in das Tafelgemach kommen, so nötigte mich der Große Mogol, daß ich mich setzen sollte und die Oberstelle an der Tafel einnehmen. Ich hätte solches auch ohne Bedenken getan, wenn ich nicht Lust gehabt, mich neben seiner Gemahlin zu setzen, denn es war so ein wunderschön Mensche. Also mußte sich erstlich der Große Mogol setzen, neben ihn setzte ich mich und neben mir zur linken Hand setzte sich nun seine Liebste; ich saß da recht artig mitteninne. Über Tische so wurde nun von allerhand diskuriert. Die Große Mogoln fragte mich, ob denn auch in Deutschland gut Bier gebraut würde und welch Bier man denn vor das beste da hielte. Ich antwortete ihr hierauf sehr artig wieder, wie daß nämlich in Deutschland überaus gut Bier gebraut würde, und absonderlich an dem Orte, wo ich zu Hause wäre, da brauten die Leute Bier, welches sie nur Klebebier nennten und zwar aus der Ursachen, weil es so malzreich wäre, daß es einem ganz zwischen den Fingern klebte, und schmeckte auch wie lauter Zucker so süß, daß, wer von demselben Biere nur ein Nößel[42] getrunken hätte, derselbe hernachmals flugs darnach predigen könnte. Sapperment! wie verwunderten sie sich alle, daß es solch gut Bier in Deutschland gäbe, welches solche Kraft in sich hätte.

Indem wir nun so von diesem und jenem über der Tafel diskurierten und ich gleich willens war, die Historie von meinem Blaserohre zu erzählen, so kam des Großen Mogols seine Leibsängerin in das Tafelgemach hineingegangen, welche eine indianische Leier an der Seite hängen hatte. Sapperment! wie kunnte das Mensche schön singen und mit der Leier den Generalbaß so künstlich darzu spielen, daß ich, der Tebel hol mer, die Zeit meines Lebens nichts Schöners auf der Welt gehört habe. Kanns nicht sagen, was das Mensche vor eine schöne Stimme zu singen hatte. Sie kunnte, der Tebel hol mer, bis in das neunzehnte gestrichene C hinauf singen und schlug ein Trillo aus der Quinte bis in die Oktave in einem Atem auf zweihundert Takte weg und wurde ihr nicht einmal sauer. Sie sung vor der Tafel eine Arie von den roten Augen und den schwarzen Backen, daß es, der Tebel hol mer, überaus artig zu hören war. Nachdem nun die Abendmahlzeit zu Ende war, mußte ich wieder die Große Mogoln bei der Hand nehmen und mit ihr nach meinem Zimmer zugehen, allwo sie, wie auch der Große Mogol, Kavaliers und Damens von mir Abschied nahmen und eine gute Nacht wünschten, worauf ich mich sehr artig bedankte und sagte, daß sie alle miteinander fein wohl schlafen sollten und sich was Angenehmes träumen lassen.

Hiermit verließen sie alle miteinander meine Stube und gingen auch, sich ins Bette zu legen. Da sie nun von mir weg waren, kamen vier Lakeien und drei Pagen in mein Gemach hinein, die fragten nun, ob sich der Junker wollte ausziehen lassen. Wie ich nun ihnen zur Antwort gab, daß ich freilich etwas schläfrig wäre und nicht lange mehr offen bleiben würde. Sapperment! wie waren die Kerls geschäftig; der eine lief und holte mir ein Paar ganz göldne Pantoffeln, der andere eine schöne mit Gold gestickte Schlafhaube, der dritte einen unvergleichlich schönen Schafpelz, der vierte schnallte mir die Schuhe auf, der fünfte zog mir die Strümpfe aus, der sechste brachte mir einen ganz göldnen Nachttopf und der siebente machte mir die Schlafkammer auf. O sapperment! was stund da vor ein schön Bette, in welches ich mich legen mußte, es war, der Tebel hol mer, auch so proper, daß ichs nicht genug beschreiben kann, und schlief sichs auch so weich darinnen, daß ich auch die ganze Nacht nicht einmal aufwachte.