Des Morgens stund ich auf und ließ mich wieder ankleiden; wie ich nun fertig war, schickte der Große Mogol zu mir, ließ mir einen guten Morgen vermelden, und wenn mir was Angenehmes geträumt hätte, sollte es ihm lieb zu hören sein, auch dabei sagen, ob ich mich nicht ein wenig in sein geheimes Kabinett bemühen wollte. Er wollte mich um etwas konsultieren. Ich war hierauf geschwinde mit einer Antwort wieder fertig und ließ ihm sehr artig wiedersagen, wie daß ich nämlich sehr wohl geschlafen, aber was das Träumen anbelangt, so hätte ich keinen guten Traum gehabt, und daß ich sollte zu ihm kommen in sein Kabinett, dasselbe sollte gleich geschehen. Solches ließ ich ihm durch seinen Kammerpagen nun wiedersagen und ging hernach gleich zu ihm und hörte, was sein Anbringen war.

Da ich nun zu ihm hinkam und meine Komplimente sehr artig bei ihm abgelegt, so schloß er einen großen Bücherschrank auf und langte ein groß Buch heraus, welches in Schweinsleder eingebunden war; dasselbe zeigte er mir und sagte, daß er in dasselbe täglich sein Einkommen schriebe, und wenn das Jahr um wäre und er die Summa zusammenrechnete, wollte es keinmal eintreffen und fehlte allemal der dritte Teil seiner Einkünfte, und fragte hierauf, ob ich rechnen könnte. Worauf ich ihm denn wieder zur Antwort gab, wie daß ich ein brav Kerl wäre und Adam Riesen sein Rechenbuch sehr wohl kennte; er sollte mir das große Buch geben, ich wollte schon sehen, wie die Summa herauszubringen wäre. Hierauf so gab er mir das Buch, worinnen seine Einkünfte stunden, und ließ mich allein. Wie ich nun das Buch so durchblätterte, Ei sapperment! was stunden da vor Lehnen[43] und Zinsen. Ich war her, setzte mich hin, nahm Feder und Tinte und fing an eins, zehne, hundert, tausend zu zählen, und wie ich nun sah, daß der Große Mogol in dem Einmaleins gefehlt hatte und solches nicht richtig im Kopfe gehabt, so hatte es freilich nicht anders sein können, daß die Summa um den dritten Teil weniger bei ihm herausgekommen war, als er täglich aufgeschrieben. Denn anstatt, da er hätte zählen sollen: zehn mal hundert ist tausend, so hatte er gezählt: zehn mal tausend ist hundert, und wo er hätte subtrahieren sollen, als zum Exempel: eins von hundert bleibt neunundneunzig, so hatte er aber subtrahiert: eins von hundert kann ich nicht, eins von zehn bleibt neune, und neune von neun geht auf. Das geht ja, der Tebel hol mer, unmöglich an, daß es eintreffen kann. Als ich nun solche Fehler sah, merkte ich nun gleich, wo der Hund begraben lag. Ich war her und setzte mich drüber, und rechnete kaum zwei Stunden, so hatte ich alles miteinander in die richtige Summa gebracht und behielt noch halb so viel übrig über die ganze Masse, als er einzunehmen und von Tage zu Tage aufgeschrieben hatte. Als ich nun den Kalkulum[44] von Adam Riesens Rechenbuche sehr artig und richtig gezogen, rief ich ihn wieder zu mir und wies ihm nun, wie und wo er in dem Einmaleins gefehlt hätte und wie ich alles so artig und richtig herausgebracht hätte und noch halb so viel Überschuß behalten. Ei sapperment! als ich ihm von dem Überschusse schwatzte, sprung er vor Freuden hoch in die Höhe, klopfte mich auf meine Achseln und sagte, wenn ich gesonnen wäre, bei ihm zu bleiben, er wollte mich zu seinem geheimen Reichskanzler machen. Ich antwortete ihm hierauf wieder und sagte, wie daß freilich was Rechts hinter mir steckte und daß ich der bravste Kerl mit von der Welt wäre, und weil ich mein Herze nur daran gehängt hätte, fremde Länder und Städte zu besehen, so wollte ich mich vor das gute Anerbieten hiermit bedankt haben.

Weil er nun sah, daß ich zu solcher Charge keine Lust hatte, so erwies er mir die vierzehn Tage über, als ich bei ihm war, auch solche Ehre, daß ichs, der Tebel hol mer, mein Lebtag nicht vergessen werde. Denn es ist ein erschrecklich reicher Herr, der Große Mogol, er wird nur als Kaiser dort tituliert und hat so viel Schätze, als Tage im Jahre sein; die habe ich auch alle miteinander gesehen. Denn er zeigte mir alle Tage einen. Vortreffliche schöne Bücher hat er auch und ist ein sonderlicher Liebhaber von denselben; ich mußte ihm auch mit Hand und Munde zusagen, daß ich ihm eins aus Deutschland in seinen Bücherschrank schicken wollte vor Geld und gute Worte. Als er nun sah, daß ich mich wieder reisefertig machte, so verehrte er mir sein Bildnis mit der Kette und seine Gemahlin schenkte mir tausend Spezies-Dukaten eines Schlags[45], worauf des Großen Mogols Bildnis geprägt war. Damit hängte ich die Kette mit des Großen Mogols Bildnis an mich, welches von dem schönsten indianischen Golde war, und nahm von ihm sehr artig, wie auch von seiner Gemahlin, Kavalieren und Damens wieder Abschied, und ging von da zu Schiffe nach England zu.

[38] Kriegsschiff.

[39] das Lebermeer, in dem der Sage nach die Schiffe stecken bleiben.

[40] den Äquator.

[41] Wams.

[42] kleines Hohlmaß.

[43] Darlehn.

[44] die Schlußrechnung, das Resultat.