[52] Kanonen.

[53] französischer Seeheld.

[54] Seeräubern.

8. Kapitel.

Nun wußte ich, der Tebel hol mer, dazumal nicht, wo ich von da zumarschieren sollte; keinen blutigen Heller im Leben hatte ich, wie der elendeste Bettelbube ging ich, vor nichts Rechts sah mich kein Mensche mehr an, und wußte also meines Lebens keinen Rat, wie ich von St. Malo wieder fortkommen wollte. Endlich so ging ich hin, wo die Schiffe abfuhren, da erzählte ich dem einen Schiffer mein Unglück und wie mirs gegangen wäre und bat ihn, wenn er abführe, er möchte mich doch mitnehmen, ich wollte ihm gerne auf dem Schiffe mit an die Hand gehen. Der Schiffsmann ließ sichs gefallen, denn es war ein engländischer Schiffer und hatte in Frankreich schöne Waren geholt, der erbarmte sich endlich über mich und nahm mich mit. Da mußte ich nun, wenn Sturm kam und die Wellen davon ins Schiff schlugen, immer auf dem Schiffe plumpen, damit die kostbaren Sachen nicht etwa naß würden, so kriegte ich bei ihm zu essen und zu trinken. Als wir nun wieder bei London vorbeifuhren, sagte ich zum Schiffer, daß mir das Plumpen so sauer würde, und ich könnte es unmöglich länger ausstehen, bäte ihn, er möchte mich da lassen aussteigen, ich wollte meinen Weg nach der Stadt zu nehmen. Der Schiffer war mir hierinnen auch nicht zuwider, sondern fuhr mit seinem Schiffe ans Ufer, ließ mich meiner Wege gehen und schiffte von da weiter fort. Ich war her und setzte mich da bei dem Wasser nieder, zog meine Schuh aus, band sie aneinander, hängte sie an den Arm und marschierte in meinen zerzottelten Strümpfen halb barfuß immer nach dem Tore der Stadt London zu. Wie ich nun an dasselbe kam, so stund ich stille und besann mich eine gute Weile, wo ich mein Quartier da aufschlagen wollte, weil ich keinen Heller Geld hatte. Endlich resolvierte ich mich und nahm meinen Abtritt flugs haußen in der Vorstadt auf der Bettelherberge, allwo ich noch Bettler antraf, denen ich vor einem halben Jahre mit einigen Almosen sehr viel Gutes erzeigt hatte, auch etliche zu mir sagten, mein Gesichte wäre ihnen bekannt, und sie sollten mich sonstwo gesehen haben; allein sie konnten sich nicht mehr drauf besinnen. Ein kleiner Betteljunge fing unter anderm an und sagte, daß ich bald aussähe wie der vornehme Herr, der vor einem halben Jahre in London mit den vornehmsten Damens wäre immer in der Kutsche gefahren und hätte ein Goldstück mit einer Kette allezeit aus der Kutsche herausgehängt, bei welcher so viel Schock Jungen stets nebenhergelaufen und das Goldstück so angesehen. Ich ließ mir aber nichts merken, daß ichs war, und wenn ichs ihnen auch gleich gesagt, sie hätten mirs, der Tebel hol mer, nicht einmal geglaubt.

Den andern Tag war ich her, weil ich kein Geld hatte, und ging in die Stadt London hinein; da sprach ich die Leute, welche mich zuvor als eine Standesperson noch nicht gesehen, um einen Zehrpfennig an, denn an die Örter, wo ich vormals war öfters zu Gaste gewesen, kam ich, der Tebel hol mer, nicht, denn sie hätten mich leicht kennen mögen, und wenn ich vor Herrn Toffeln seinem Hause vorbeiging, so zog ich allemal die Mütze in die Augen, damit mich niemand kennen sollte. Ich traf auch ungefähr einen halben Landsmann in London an, welcher ein brav Kerl war und im Kriege sich schon tapfer erwiesen hatte, demselben erzählte ich mein Unglück. Er verehrte mir auch einen Reichstaler und versprach mir, mich frei wieder mit in meine Heimat zu nehmen; allein ich hatte den Ort vergessen, wonach ich ihn fragen sollte, und kunnte denselben also von der Zeit an, als er mir den Taler schenkte, nicht wieder antreffen. Zu meinem großen Glücke fuhren gleich zwei Tage hierauf drei Frachtwagen aus London nach Hamburg; da bat ich die Fuhrleute, daß sie mich mitnehmen sollten, ich hätte nicht viel zu verzehren. Die Fuhren waren ganz gut, und sie sagten, wenn ich ihnen des Nachts ihre Wagen bewachen würde, so wollten sie mich zehrfrei bis nach Hamburg mitnehmen. Ei sapperment! wer war froher als ich! Ich sagte, herzlich gern wollte ichs tun. Hierauf nahmen sie mich nun mit sich, und ich mußte mich vorne in die Schoßkelle[55] setzen und fahren. Wenn wir nun abends ins Quartier kamen, so gaben sie mir allemal den Kopf oder den Schwanz vom Heringe und ein groß Stück Brot dazu; das mußte ich nun in mich hineinreiben, hernach schenkten[56] sie mir auch einmal dazu und hießen mich unter ihre Wagen legen und wachen. Das währte nun eine Nacht und alle Nächte, bis wir in das letzte Wirtshaus nahe vor Hamburg kamen, allwo ich von den Fuhrleuten Abschied nahm. Sie fragten mich zwar, ob ich nicht vollends mit nach Hamburg wollte; ich bedankte mich, doch wäre ich wohl gerne mit hinein gewesen; so aber stund ich in Sorgen, es möchte mich etwa jemand noch da kennen und hernach solches der Rädelwache sagen, daß ich der und der wäre, welcher vor etlichen Jahren ihrer so viel auf einmal zuschanden gehauen und über den Haufen gestoßen hätte. Traute also nicht, sondern nahm von dem nächsten Dorfe vor Hamburg meinen Marsch oben im freien Felde weg und ging so lange, bis ich in ein ander Gebiet kam, daß ich vor der Rädelwache recht sicher war.

Hernach so bettelte ich mich von einem Dorfe zu dem andern, bis ich endlich Schelmerode wieder erblickte und allda nach meiner überstandenen sehr gefährlichen Reise sowohl zu Wasser als zu Lande meiner Frau Mutter frisch und gesund wieder zusprach. Mit was vor Freuden die ehrliche Frau mich damals bewillkommte, will ich beim Eingange des andern Teiles künftig sehr artig auch an den Tag geben. Vor dieses Mal aber hat nun der erste Teil meiner wahrhaftigen kuriösen und sehr gefährlichen Reisebeschreibung zu Wasser und zu Lande ein Ende.

[55] Hängesitz für den Kutscher.

[56] gaben mir zu trinken.

2. Teil