Nun kann ichs, der Tebel hol mer, nicht sagen, wie die Musik so vortrefflich zusammenklang, und mein Pferd machte immer ein Hoppchen nacheinander dazu. Damit so wollte ich nun noch einmal um den St. Marxplatz herumreiten, und zwar nur deswegen, die Leute dadurch an die Fenster zu locken und daß sie sich wacker über mein vortrefflich Reiten verwundern sollten. Welches auch geschah. Denn als ich mit meinem großen Kober über den St. Marxplatz wieder geritten kam, so steckten wohl auf dreißigtausend Menschen die Köpfe zu den Fenstern heraus, die sahen sich bald zum Narren über mich, weil ich mit meinem großen Kober so galant zu Pferde saß. Wie wohl mir auch das Ding von den Leuten gefiel, daß sie die Augen so brav über mein vortrefflich Zupferdesitzen aufsperrten, dasselbe werde ich, der Tebel hol mer, zeitlebens nicht vergessen. Aber was ich auch dabei vor einen Pfui-dich-an mit einlegte, davon werden noch bis dato die kleinen Jungen zu Venedig auf der Gasse zu schwatzen wissen.

Man höre nur, wie mirs ging. Indem ich nun mit meinem großen Kober überaus artig um den St. Marxplatz herumritt und alle Leute Maul und Nasen über mich aufsperrten, so zog ich ein Pistol aus der einen Halfter und gab damit Feuer. Der Glückstöpfer hatte mir aber zuvor (als ich das Pferd bei ihm gewonnen) nicht gesagt, daß es schußscheu wäre und kein Pulver riechen könnte. Wie ich nun so in aller Herrlichkeit das Pistol losschoß, so tat das Pferd, ehe ichs mich versah, einen Ruck und schmiß mich, der Tebel hol mer, mit meinem großen Kober flugs aus dem Sattel heraus, daß ich die Länge lang auf dem St. Marxplatz dorthinfiel und das wunderschöne Glas, welches so kostbar sein sollte, in hunderttausend Stücken zerbrach. O sapperment! wie fingen die Leute alle miteinander an, mich auszulachen. Ich war aber her und stund mit meinem großen Kober geschwinde wieder auf und lief immer hinter dem Pferde her und wollte es wieder haschen. Wenn ich denn nun bald an ihm war und wollte das Rabenas hinten beim Schwanze ergreifen, so fing die Schindmähre allemal geschwinde an zu trottieren und kurbettierte eine Gasse hinauf, die andere wieder nieder. Ich jagte mich wohl drei ganzer Stunden mit dem Schindluder in der Stadt Venedig herum und kunnte es doch nicht kriegen. Endlich so lief es gar zum Tore hinaus und in ein Stück Hafer, welcher flugs vorm Tore auf einen Steinfelsen gesät stund, hinein; da dachte ich nun, ich wollte es ergattern, und lief ihm immer im Hafer nach, allein ich kunnte seiner, der Tebel hol mer, nicht habhaftig werden, denn je mehr ich dem Ase nachlief, je weiter trottierte es ins Feld hinein und lockte mich mit den Narrenspossen bis vor die Stadt Padua, ehe ich solches wiederbekommen kunnte. Ich hätte, halt ich dafür, dasselbe wohl noch nicht gekriegt, wenn nicht ein Bauer aus der Stadt Padua mit einem Mistwagen wäre herausgefahren kommen, welcher eine Stute mit vor seinen Wagen gespannt hatte, bei derselben blieb mein gewonnenes Pferd, weil es ein Hengst war, stillstehen.

Wie ich dasselbe nun wieder hatte, so setzte ich mich mit meinem großen Kober gleich wieder drauf und beratschlagte mich da mit meinen Gedanken, ob ich wieder nach Venedig oder in die Stadt Padua flugs spornstreichs hineinreiten wollte und selbige auch besehen. Bald gedachte ich in meinem Sinn: was werden doch immer und ewig die Musikanten denken, wo Signor Schelmuffsky muß mit seinem großen Kober geblieben sein, daß er nicht wiederkommt? Bald gedachte ich auch: reitest du wieder nach Venedig zu und kommst auf den St. Marxplatz, so werden die Leute den von Schelmuffsky wacker wieder ansehen und die kleinen Jungen einander in die Ohren plispern: »Du siehe doch, da kommt der vornehme Herr mit seinem großen Kober wiedergeritten, welchen vor vier Stunden das Pferd herunterwarf, daß er die Länge lang in die Gasse dahinfiel, wir wollen ihn doch brav auslachen«. Endlich dachte ich auch: kommst du nach Venedig wieder hinein und der Rat erfährt es, daß du das wunderschöne Glas schon zerbrochen hast, so werden sie dir ein andermal einen Quark wieder schenken. Faßte derowegen eine kurze Resolution und dachte: Gute Nacht Venedig! Signor Schelmuffsky muß sehen, wie es in Padua aussieht; und rannte hierauf in vollem Schritte immer in die Stadt Padua hinein.

[61] zu Fuße.

[62] Eßwaren.

[63] mit Eckern gemästete.

[64] recht gut ausnimmt.

[65] Benehmen.

[66] Amt.