»Mit Wünschung Gutes und Liebes zuvor,
ehrbare und ehrenfeste Frau Mutter!
Wenn die Frau Mutter noch fein frisch und gesund ist, so wird mirs, der Tebel hol mer, eine rechte Freude sein, ich meinesteils bin jetzo ein brav Kerl wieder geworden und lebe zu Rom, allwo ich bei einem Sterngucker logiere, welcher mir das Kalendermachen gelernt hat. Die Frau Mutter hat auch durch diesen Boten in meinem großen Kober frische Heringe zu empfangen, welche mir von den Heringspächtern zu Rom sein verehrt worden. Im übrigen wird der Bote meinen ganzen Zustand mündlich berichten, die Frau Mutter lebe wohl und schicke mir in meinem großen Kober ein Fäßchen gut Klebebier mit zurück und schreibe mir, wie es ihr geht und ob sie den kleinen Vetter noch bei sich hat, so werde ich allezeit verbleiben
der ehrbaren und ehrenfesten Frau Mutter
allezeit reisebegierigster einziger lieber Sohn
Signor von Schelmuffsky.
Rom, den 1. April, im Jahr nach Erbauung der Stadt Rom 090«.
Diesen Brief schickte ich nun nebst meinem Kober voll frischen Heringen durch einen eigenen Boten zu Fuß meiner Frau Mutter in Deutschland zu; es gingen nicht vierzehn Tage ins Land, so brachte mir der Bote in meinem großen Kober von meiner Frau Mutter folgendes zur Antwort wieder:
»Ehrbarer und namhafter Junggeselle von
Schelmuffsky, mein lieber Sohn!
Ich habe deinen großen Kober mit den frischen Heringen empfangen und habe auch deinen Brief gelesen, und hat mir der Bote auch deinen ganzen Zustand erzählt, worüber ich mich sehr erfreut habe; was mich anbelangt, so bin ich jetzo sterbenskrank, und wenn du mich noch einmal sehen willst, so komm geschwinde nach Hause; dein kleiner Vetter läßt dich grüßen und deine Jungfer Muhmen lassen dir einen guten Tag sagen und lassen dich auch bitten, du möchtest doch geschwinde heimkommen. Lebe wohl und halt dich nicht lange in der Fremde auf. Ich verharre dafür lebenslang
deine liebe Frau Mutter in Deutschland,
wohn- und seßhaftig zu Schelmerode.
Schelmerode, den 1. Januari 1621.
PS. Das Klebebier ist jetzo alle sauer, sonst hätte ich dir herzlich gerne was mitgeschickt«.