Das dritte Kapitel.

Von den
Unbequemlichkeiten, welche von dem
Einpomadiren und Einpudern der Haare
des Kopfs her zu kommen pflegen.

§. 14.

Wer in seinem leben noch kein Frauenzimmer mit eingepuderten Haaren gesehen hat, der wird vermuthlich bey Erblickung eines mit Puder weiß gemachten Frauenkopfs auf die Gedanken gerathen, daß eine solche weiße Schönheit in einer Mühle gewesen seyn müßte: Ob aber das gepuderte Weibsbild in einer Wassermühle oder in einer Windmühle gewesen wäre, würde freylich noch eine unausgemachte Sache bleiben. Indessen ist es doch eine verlachenswürdige Thorheit, daß man, um seinem Kopfe eine besondere Zierde geben zu mögen, die Haare mit Mehle bestreuet, welches doch meinem Erachten nach lieber den Armen gegeben werden sollte. Doch ich werde gleichwohl mit meinem guten Rathe diese einmal eingeschlichene Mode nicht abzubringen im Stande seyn. Wird man also nicht von selbst, ohne große Schwierigkeit, den bündigen Schluß machen: daß ich die eingepuderten Frauenzimmerköpfe durchaus nicht vertragen könnte? Ich muß nur aufrichtig seyn, und es ohne Zwang gestehen, daß ich solchen Müllermäusen von ganzem Herzen gram sey, ohne eine andre Ursache als den Puder angeben zu können. Aber werden mich nicht meine Feinde deswegen verspotten, und eigensinnig nennen? Ob sie mir aber auch damit zu viel aufbürden, mögen meine Feinde selbst entscheiden, ich mag mich in dieser Sache darum nicht selber zum Richter aufwerfen, weil es meine eigne Person betrifft. Ich dächte nun bey mir selbst, daß der Eigensinn meine Leidenschaft eben nicht wäre: Es müßte denn seyn, daß ich gar zu wenige Kenntniß meiner selbst hätte, oder wohl gar für mich allzu viele Eigenliebe besäße, und dieses kann ich von mir noch viel weniger glauben.

§. 15. Ich will diese Kleinigkeit bey Seite setzen, und mir lieber meinen Vorsatz angelegener seyn lassen, das heißt: ich will lieber von den Ungelegenheiten handeln, welche sich unsre Schönen durch das Einpomadiren und Einpudern zuwege bringen, als meine unnöthige Critik über die weißgemachten Haare des Kopfs weiter fortsetzen, weil mir mein prophetischer Geist zum voraus saget, daß ich mir durch diese Beschäftigung weiter nichts als nur eitel Feindschaft auf meine Schultern laden würde. O wie leid würde es mir seyn, wenn mir die Schönen gehäßig und abgeneigt werden sollten! Ich würde nicht wissen, was ich vor Traurigkeit anfangen sollte, ja mein Leben würde mir nicht mehr lieb seyn, so ungerne als ich solches itzo einzubüßen wünsche, denn

Welches Würmchen stirbt wohl gerne?