§. 16. Die Haare werden aus keiner andern Absicht mit Pomade fett gemacht und eingesalbet, als bloß aus dieser Ursache, damit der Puder fester auf den Haaren sitzen bleiben soll, und der Wind den Puder nicht so bald aus den Haaren jagen könne. Es sey ferne von mir, daß ich so unhöflich seyn, und es leugnen sollte, daß das artigste Geschlecht auch aus Nebenabsichten die Haare zu salben gewohnt sey. O ich weis es gar zu wohl, daß man die Pomade wohlriechend zu machen suche. Es ist mir bekannt, daß man solche mit Rosenwasser auszuwaschen, und mit Rhodiseröle und andern wohlriechenden Oelen angenehm zu machen pflege, um, damit die Schönen ihren Lieblingen eine Nasenweide durch einen angenehmen Geruch machen können. Ich wollte flugs eine Wette setzen, daß ein von Wein und Liebe taumelnder Anakreon seiner wohlriechenden Phyllis zu Gefallen alle seinen Witz anwenden und singen würde:

Weg Schnupftaback, weg Dose!

Nur der Geruch der Rose

Soll meine Nas' erfreun:

Wenn ich bey meinem Kinde

Den Duft der Nas' empfinde,

Möcht ich ein Naso seyn.

Ey wie sinnreich ist der Dichter! er wünscht eine große Nase zu haben, um recht viel riechen zu mögen. Oder steht vielleicht gar Anakreon in den Gedanken, daß eine große Nase eine ganz besondere und reizende Schönheit sey, vermöge der man sich bey den Frauenspersonen annehmlich und recht beliebt zu machen fähig würde:

Allein, mein Herr, sie irren sich.

§. 17. Ich muß es nur immer heraus sagen, denn ich kann es ohnmöglich länger auf meinem Herzen behalten, daß das sogenannte Einsalben der Haare mit Pomade nur gar zu geschickt sey, den Frauenzimmern verschiedene Unbequemlichkeiten zuzufügen. Alle Aerzte stimmen mit mir darinnen einmüthig überein, daß Fettigkeiten, wenn sie auf die Haut eines lebendigen Körpers gesalbet werden, die Schweißlöcher zu verstopfen mächtig genug sind. Wenn nun dieses eine Wahrheit ist, daran ich im mindesten nicht zweifle; so wird auch ganz gewiß die unmerkliche Ausdünstung des Kopfs durch die Einpomadirung Schaden leiden, und folglich werden lauter solche Krankheiten hervorgebracht werden müssen, welche ihr Daseyn einzig und allein der verhinderten Ausdünstung schuldig sind, davon im [12ten] u. [5ten] Absatze nachgesehen werden kann.