§. 18. Aber ich kann die Schönen aufrichtig versichern, daß der Schade immer größer und ärger zu werden pflege, wenn der Puder darzu kommt. Denn die Verstopfung der Schweißlöcher wird dadurch viel stärker, und folglich werden auch die hiervon entstandenen Krankheiten weit hartnäckigter seyn. Man nehme nur Fett und ein zartes Mehl, wie der Puder ist, und vermische solches mit einander, streiche es hernach auf die Haut eines belebten Körpers, und lasse es eine Zeit lang auf derselben liegen, so wird man sehen, daß vermöge der natürlichen Wärme eine ordentliche Rinde erzeugt werden wird, dergleichen man auf den Köpfen solcher Personen anzutreffen pflegt, welche ihre Haare gepudert zu tragen gewohnt sind. Diese Rinde verstopft nicht nur die Schweißlöcher der Haut des Kopfs, und bringt alle diejenigen Ungelegenheiten zum Vorschein, derer ich im [17ten] [12ten] u. [5ten] Abschnitte Meldung gethan habe, sondern sie verursacht auch auf den Kopfe Schuppen, welche mit einem verdrießlichen Jucken und Grimmen den Kopf beunruhigen. Ja diese von Pomade und Puder zusammengesetzte Rinde ist eine rechte Freystadt derjenigen vielfüßigen Thierchen, welche man Läuse nennt. Diese Schuppen so wohl, als diese kleinen Thierchen machen durch das beschwerliche Jucken und Grimmen, daß man sich durch ein beständiges Kratzen davon zu befreyen sucht, aber damit gleichwohl nichts, als nur eine kleine Linderung erlangt. Durch dieses beständige Kratzen nun wird die Haut des Kopfs wund gemacht, daher viele garstige Grinde auf dem Kopfe entstehen, welche meistentheils einen stinkenden Geruch von sich geben, so, daß man vor solchen Leuten natürlicher Weise einen Abscheu bekommen muß. Sehen sie nun, was das Einpomadiren und Einpudern der Haare vor Ungelegenheiten nach sich zu ziehen im Stande ist?

§. 19. Bald hätte ich noch etwas vergessen. Der Puder und die Pomade benehmen auch den Haaren ihre natürliche Farbe, und verändern selbige nur gar zu sehr. Ich habe Leute gesehen, an deren Köpfen man wohl zehn Farben von Haaren wahrnehmen konnte, zumal, wenn sie ihre Haare nicht eingepudert hatten. Daß aber diese Vielfärbigkeit der Haare von dem Puder herrühren müsse, ist eine Möglichkeit. Bernhard Ramazzin behauptet im 23sten Kapitel seines Buches von den Krankheiten der Künstler, daß die weiße Stärke eine Säure und Schärfe bey sich führete, welche fähig wäre, die Leinwand zu zerfressen. Da nun der Puder aus weißer Stärke gemacht wird; so kann man die Mißfarbe der Haare dem Puder mit gutem Fug und Rechte zuschreiben. Ich hätte fast Lust, es selbst zu glauben, daß der Puder vermöge seiner Schärfe den Haaren die natürliche Farbe raubete, und ihnen viele andre Farben zuwege brächte. Ja ich wollte wohl gar schwören, daß der Puder die Haare wegfressen und ausfallend machen könnte. Alles dieses kann um desto eher geschehen, wenn dem Puder Gips beygemischt worden ist. Daß aber solche Haare eher ausfallen, welche gepudert werden, als andre, welche nicht mit Puder überstreut worden sind, ist eine Wahrheit, für welche ich selbst zum Märtyrer zu werden, mir kein Bedenken machen würde, wenn es die Nothwendigkeit der Sache erforderte: da aber diese Wahrheit ohnedem gewiß ist; so habe ich nicht Ursache, mich in diese Lebensgefahr zu begeben. Es wird also solchen Frauenspersonen eben so ergehen, wie denen, deren ich im [11] und [12ten] Abschnitte gedacht habe, und welche ihre Haare oft aufbrennen lassen.

§. 20. Ich glaube nunmehr ganz gewiß, daß aller Ausputz der Schönen nichts anders zur Absicht habe, als denen Theilen ihres liebenswürdigen Körpers eine ganz andre Gestalt und ein ganz ander Ansehen zu geben. Bestreuen wohl unsre Schönheiten ihre Haare aus einem andern Absehen mit Puder, als bloß die natürliche Farbe ihrer Haare zu verstecken? Weibsbilder, deren graue Haare eine ziemliche Zahl der Jahre verrathen, und welche sich erzürnen, wenn man sie alt nennt, pudern sich nur darum ein, damit man ihre grauen Köpfe nicht sehen möge, um sie vor jung zu halten. Von solchen beschneyeten Frauen kann man mit Herr Leßingen fragen:

Was wars, das uns entzückt gemacht?

Ein altes Weib in junger Tracht.

§. 21. Diejenigen Schönheiten, so ehedem Griechenland verehrte, Deutschland aber itzo verabscheuet, mögen es nur dem Erfinder des Puders noch im Grabe danken, daß er so besorgt vor sie gewesen ist, und vor sie ein so artiges Mittel ausfündig gemacht hat, vermöge dem sie ihren brennenden rothen Kopf verbergen können. Ich weis nicht ob ich irre, wenn ich die alten Griechen vor weit, vollkommnere Schönheitsverständige, als die Deutschen und Franzosen halte. Ich vor meine Person kann ihren Geschmack nicht tadeln, denn die Wahrheit zu sagen, so haben die rothköpfigten Frauenspersonen die schönste, zarteste und feinste Haut. Und Homer versichert uns, daß die größte Schönheit Griechenlands die schöne Helene, wegen welcher Troja in einen Steinhaufen verwandelt worden ist, einen rothen Kopf gehabt habe. Nunmehr werden sich die rothhaarigten Frauenspersonen etwas mehr, als sonst auf ihren Goldgelben Kopf einbilden, und sie haben Recht, wenn sie hochmüthig wegen desjenigen werden, welches das gelehrte Griechenland vor Zeiten als eine Schönheit gerühmt hat.

§. 22. Redete ich nicht vor kurzem von dem Einpudern? Je so will ich mich auch sogleich wieder aus meinem Irrgarten heraus machen, und ihnen nur noch etwas von dem Einpudern vorsagen. Ich mag eben meine Meynung niemanden aufdringen, welche ich von den eingepuderten Haaren habe. Doch ich will mein Geheimniß offenbaren: ich halte das Einpudern der Haare vor nichts anders, als vor eine Haarschminke, o eine wichtige Wahrheit, und ein großes Geheimniß! mit dieser Haarschminke bemüht sich das schöne Geschlechte den Kopf weiß zu machen. Aber um Verzeihung! unsre Schönheiten würden weit vernünftiger handeln, wenn sie sich angelegener seyn ließen, ihre Köpfe weißer zu machen: Doch manche Mannspersonen möchten sich auch um mehrere Weisheit bekümmern. Nunmehr, deucht mich, hätte ich genug von den weißen Köpfen geschrieben, es wird also die höchste Zeit seyn, daß ich auch der schwarzen Köpfe gedenke.