Das fünfte Kapitel.
Von den
Ungelegenheiten, welche den Schönen
zustoßen, wenn sie sich die
Sommersprossen vertreiben.
Nichts ist vermögender, die Schönheit der Haut des Angesichts mehr unscheinbar zu machen, als die Sommersprossen, Schwinden und Flechten: Nichts ist aber auch gewöhnlicher, als daß man solche durch schädliche äußerliche Mittel vertreibet, bloß die eingebüßte Schönheit wieder erlangen zu mögen. Aber man muß auch wissen, daß alle diese Krankheiten der Haut nichts andern, als einer üblen Beschaffenheit des Bluts und der übrigen Säfte ihren Ursprung zu danken haben. Doch ich würde mir ohne Noth ein Joch auflegen, wenn ich alle diese Krankheiten der Haut genau abschildern wollte. Ich will also nur gegenwärtig die Sommersprossen vor die Hand nehmen, und mich mit diesen etwas genauer einlassen, um den Schaden zeigen zu mögen, welcher von einer unzeitigen Vertreibung derselbigen zu entstehen pflegt.
§. 57. Die Sommersprossen sind kleine gelbe oder braungelbe Fleckchen, welche an Größe und Farbe den Linsen ziemlich gleich kommen, und die unter der Haut ihren Sitz haben, sich im Angesichte, am Halse, auf der Brust und an den Händen gemeiniglich zur Sommerszeit unsern Augen darstellen, und ordentlicher Weise von verderbten Säften, welche unter der Haut abgesetzt worden, und daselbst stocken geblieben sind, entstehen, so, daß sie die Schönheit der Haut verderben und unscheinbar machen. Was es aber vor Theilchen sind, welche diese Sommersprossen zu erzeugen fähig sind, kann ich selbst so genau nicht bestimmen. Einige halten es vor schweflichte Theilchen: Aber mir zu Gefallen können es auch saure, bittre, süße oder salzige Theilchen seyn, welche sich unter der Haut feste gesetzt, und diese Sommersprossen verursacht haben. Ich kann diese so wenig behaupten, als jene ihre schweflichte Theilchen erweislich zu machen vermögend seyn werden. Es kann alles möglich seyn, und jene sowohl, als ich, können Recht haben; aber ist deswegen der Schluß, welchen man von der Möglichkeit auf eine ungezweifelte Gewißheit macht, richtig? Dem mag seyn, wie es will: genug, daß Flecke da sind, welche die Schönheit verdunkeln und unangenehm machen können, und die ihren Grund einzig und alleine in einer bösen Beschaffenheit des Bluts haben, und dieses ist genug, denn mehr getraue ich mir selbst nicht davon zu sagen, theils, weil ich zu ungelehrt, theils aber auch, weil ich viel zu furchtsam bin.
§. 58. Man hat die Anmerkung gemacht, daß diejenigen gemeiniglich ihre Haut im Sommer, wie ein Guckguck seine Federn, verändern müssen, welche eine sehr feine und zarte Haut besitzen. Im Winter gelangen sie wieder zu ihrer vorigen schönen Haut, folglich sind solche Personen Winterschönheiten. Hieraus nun läßt es sich begreiflich machen, warum die Sommersprossen nur im Sommer, nicht aber im Winter zum Vorscheine kommen. Denn je zärter und feiner eine Haut ist, desto schwächer wird sie seyn: die Kraft einer feinen Haut aber muß noch mehr geschwächt werden, wenn ihre Fäserchen von der Wärme noch schlaffer gemacht werden. Daß aber die Wärme eine Schlaffheit der Fäserchen zu wirken geschickt sey, ist eine Wahrheit, die niemand, außer ein Narr in Zweifel ziehen wird. Da nun im Sommer von der Wärme die Fäserchen einer ohnedies schwachen und zarten Haut noch mehr erschlaft werden, und da im Sommer die Ausdünstung allemal stärker, als im Winter natürlicher Weise abzugehen pflegt; so werden auch mehr Unreinigkeiten nach der Oberfläche der Haut getrieben werden müssen. Weil nun eine zarte Haut schon von selbst Unvermögenheit genug hat, die dahin abgesetzten Unreinigkeiten wieder zurück in das Blut zu treiben, und solches zu verrichten vermöge der Wärme, und der daher vermehrten Ausdünstung noch weit unfähiger gemacht worden ist; so müssen freylich die dahin getriebenen, und nach der Oberfläche der Haut gebrachten Unsauberkeiten daselbst stocken bleiben, und folglich werden solche Flecke, welche man Sommersprossen zu nennen gewohnt ist, entstehen müssen. Ja es werden endlich diese so lange sichtbar bleiben, als so lange die Ausdünstung stark und vermehrt bleibt, und die Wärme dauret. Wenn aber zur Winterszeit die Ausdunstung vermöge der Kälte nicht so häufig von statten zu gehen, verhindert wird, so fangen diese Sommersprossen an sich gemeiniglich nach und nach wieder zu verlieren. Denn die Kälte macht, daß die Fäserchen der Haut mehrere Kraft bekommen, sich lebhafter zusammen ziehen zu können, und also werden die Unreinigkeiten, die sich unter der Haut befinden, nach den Naturgesetzen mit stärkerem Nachdrucke wieder zurück getrieben, und dem Blute wieder beygesellt werden müssen. Geschieht aber dieses, so werden die Sommerflecke zu verschwinden, ihren alten Sitz zu verlassen, und ihren Abschied zu nehmen genöthiget. Daß sich aber dieses so, und nicht anders zuzutragen pflege, beweiset die tägliche Erfahrung sattsam.
§. 59. Aus diesem gefaßten Begriffe mag nun wohl, allem Vermuthen nach, die Heilungsart ihren wirklichen Ursprung haben, da man vor rathsam befunden hat, die Sommermähler vermöge zurücktreibender Mittel zu vertilgen. Aber man irret, wenn man sich überredet, daß man durch diese Heilungsart Nutzen zu verschaffen im Stande sey. Ich muß es ihnen sagen, daß sie den rechten Weg verfehlen, und nur damit unzählbare Krankheiten zu verursachen pflegen. Denn da die Sommerflecke aus einer bösen Beschaffenheit der Säfte im ganzen Körper entspringen; so müssen diese vorher, ehe man sich an die zurücktreibenden Mittel wagt, mit großer Behutsamkeit verbessert werden, zumal da die meisten Krankheiten der Haut von verdorbenen Säften herkommen, und eben deswegen die Heilung schwer und zweifelhaft machen, und darum hat man nöthig, alle mögliche Behutsamkeit dabey anzuwenden, damit man nicht mehr Schaden anrichtet als Vortheil verschaft.