§. 60. Da die Schönen so viele Bekümmerniß haben, und ein solches sehnliches Verlangen tragen, sich von diesen Sommersprossen befreyen zu mögen; so will ich ihnen doch aus wahrer Liebe eine Heilungsart verehren, vermöge der sie ihre unangenehme Gäste sicher und ohne Schaden loß werden können, nur müssen sie die vorgeschriebenen Arzneyen eine lange Zeit durch fortbrauchen, wenn sie sich anders des zukünftigen Nutzens versprechen, und ihre Absicht glücklich erreichen wollen. Ich rathe ihnen also täglich ein paar Mal einen blutreinigenden Thee, welcher aus rother Färberwurzel, Rinde von Sassafraßholze, frischen Zitronenschalen, Seifenkraute und Zimmet gemacht werden soll, zu trinken, und dieses können sie Morgens und Nachmittags am bequemsten thun. Auf diesen Thee, davon man so viel nehmen kann, als man mit drey Fingern auf einmal faßt, sollen vier Kaffeeschälchen wohlsiedende Milchmolken gegossen werden, nachmals aber muß man das Infusum wie einen ordentlichen Thee ziehen lassen, und endlich mit Zucker versüßt zu sich nehmen. Bey dem Gebrauche dieses Thees mögen sie entweder allemal eine Antimonialmorselle mitunter essen, oder eine blutreinigende Mixtur brauchen, welche aus der Sassafraßholzessenz, darinne Resina Guaiaci aufgelöset worden ist, aus Essenz des mechischen Balsams Aloeholzessenz und Wachholderholzgeiste zusammengesetzt werden muß. Wöchentlich können sie sich einmal solcher Pillen bedienen, welche aus Christwurzelkrautextrakte, Gialappenharze, Resina Guaiaci, Gummi armoniaco, Stahlfeile und Mercurio diaphoretico fixo solari verfertiget werden müssen. Dabey mögen unter der Mahlzeit Fleischbrühen, darinnen Ottern gekocht worden sind, genossen werden.

§. 61. Wenn man nun merket, daß die Sommersprossen etwas blässer zu werden, und sich allmählig zu verlieren anfangen: Denn dieses muß das Merkmaal seyn, daß das Geblüte ziemlich gereiniget worden sey; so kann man ohne Schaden auch äußerliche Mittel in Gebrauch nehmen, doch befehle ich, die innerlichen Arzneyen durchaus nicht bey Seite zu setzen, sondern immer fort zu brauchen. Man kann also äußerlich mit Guten Nutzen Quittenkörnerschleim, oder Flohkrautsamenschleim mit Bleyweiß versetzen, und etliche Grane von süssen Merkur darzu thun, und hernach auf die Haut streichen. Man mag auch, statt diesem, Bleyweiß und süssen Merkur in Rosenwasser auflösen und auflegen. Viele wollen das Wasser, womit das Schweißtreibende Spießglas ausgelauget worden ist, als ein dienliches Waschwasser rühmen. Andere hingegen rathen, daß man einen Scrupel vom Lapide medicamentoso Crollii in einem Quarte reinen Brunnenwasser auflösen, und sich damit waschen solle. Und wiederum wollen andere, daß man sich aus spitziger Klettenwurzel und Schellkrautwurzel ein Decoct bereiten, und sich dessen bedienen solle. Man lobt Citronen oder Limoniensaft, darinnen Alaune aufgelöset worden ist, und giebt den Rath, das Angesichte damit zu bestreichen. Das Mehl von bittern Mandeln, wenn es mit Essig zu einer Salbe gemacht worden ist, pflegt man sonst in gleichen Umständen zu loben. Andere nehmen Ingber, und kochen ihn in Wein und Wasser, oder sie machen mit Brandwein eine Tinktur davon, und lassen das Angesichte damit waschen. Andere aber setzen gar Schwefel zu dem Ingber, und kochen diese beyden Stücke mit Weine, bis sie dicke geworden sind, alsdenn gesellen sie solchen eine Fettigkeit bey, machen eine Salbe daraus, und lassen dieselbe brauchen. Ich lasse den Schönen die freye Wahl, welches Mittel sie von alle denen, so ich ihnen vorgeschlagen habe, zu ihrem Gebrauche erwählen wollen.

§. 62. Die alten abergläubigen Weiber setzen ihr ganzes Vertrauen auf die Nachgeburt einer Erstgebährerinn, und verlangen, daß solche von einem Knäbchen seyn solle, denn sonst pflegte dieses Mittel fruchtlos zu seyn. Sie nehmen diese Nachgeburt, wenn sie noch warm ist, und fahren damit derjenigen Person, ohne ihr Vermuthen über das Angesichte, bey welcher sie die Sommersprossen zu vertreiben die Absicht haben. Ich habe den Versuch davon einmal in meiner Vaterstadt mit meinen Augen gesehen. Die Bademutter rufte eine solche buntfleckichte Guckgucksschöne zu sich, als ob sie ihr etwas zu eröffnen hätte, und fuhr ihr, da sie sich zu ihr genähert hatte, mit der warmen und blutigen Nachgeburt, ohne daß sie sich einer solchen ungewöhnlichen Liebkosung versah, über das ganze Angesicht, so, daß das sommersproßichte Mägdchen vor Erschreckniß beynahe ein Kind hätte bekommen mögen. Ich habe aber in der künftigen Zeitfolge gesehen, daß dieses Mittel ohne Nutzen gewesen war, denn sie behielt alle ihre Sommersprossen. Ich glaube also, daß wenn auch dieses Mittel helfen soll, so wird es doch gewiß nichts vermöge der Nachgeburt, wohl aber des Schreckens etwas auszurichten im Stande seyn. Denn da bey unvermuthet vorgefallnen Erschreckniß das Blut von der Oberfläche der Haut gerissen, und nach den innern Theilen getrieben wird; so kann es gar leichte geschehen, daß die Sommersprossen ebenfalls mit zurück geworfen werden, und also verschwinden können. Ob aber auch daher nicht zugleich viele Verdrießlichkeiten ihren Ursprung nehmen mögen, ist eine andere Frage, welche noch einiger genauen Untersuchung nöthig hat.

§. 63. Diejenigen aber, welche sich einfallen lassen, solche Mittel zur Vertreibung der Sommersprossen zu gebrauchen, welche ich [46sten] u. [54sten] Absatze gemißbilliget habe, die ziehen sich nicht nur diejenigen Krankheiten zu, welche im [48], [49sten] und [55sten] Absatze beschrieben und angezeiget worden sind, sondern sie laden sich auch noch mehrere üble Zufälle auf ihre zarten Schultern. Denn da alle diese Mittel gar zu heftig zurücke treiben, so werden von diesen zurückgetriebenen Sommersprossen bald Schlagflüsse, Blödigkeit der Augen, triefende Augen, Entzündungen und wohl gar Blindheiten entstehen. Bald werden sie fließende Ohren, schweres Gehör und Taubheit zum Vorscheine bringen. Zuweilen nimmt auch wohl eine Lähmung der Zunge, eine Bräune und eine Geschwulst der Ohrendrüsen, sowohl als der Speicheldrüsen, ihren Ursprung davon. Fallen die zurückgetriebenen Sommersprossen auf die Lunge, so verursachen sie Engbrüstigkeiten, Erstickflüsse, Geschwüre in der Lunge, Lungensuchten, ja zuweilen gar Wassersuchten der Brust. Endlich erzeigen sich auch hiervon hitzige Entzündungfieber, welche allesammt von dem Orte ihres Sitzes verschiedene Benennungen haben. Daher kommen auch abzehrende und schleichende Fieber. Zurückgetriebene Sommersprossen können zur verstopften und unterdrückten Reinigung, zum weißen Flusse, zur Mutterplage, zur Verstopfung und Verhärtung der Leber, des Milzes, der Gekrösdrüsen und andern Zufällen Anlaß geben. Sie sind vermögend, Colicken und Darmgichten hervor zu bringen, ja sie sind geschickt, wohl gar zur Wassersucht und zu kalten Geschwulsten den Weg zu bahnen, und allerley Arten der Gicht herbey zu schaffen. Kurz, die zurückgetriebenen Sommerflecke sind reiche Quellen vieles Verderbens, weil dadurch die unmerkliche Ausdünstung gehemmet wird, und daher nichts als solche Krankheiten erzeugen, welche allemal zu entstehen pflegen, wenn diese nicht gehörig von statten zu gehen weis, wie im [42], [38], [32], [28], [17], [12] und [5ten] Absatze mit mehrerem davon nachzusehen ist.

§. 64. Alle diese im [48], [49], [55] u. [63sten] Absatze angeführte Krankheiten können auch entstehen, wenn die Finnen ein küpfrichtes Angesicht, und die Flechten mit äußerlichen und zurücktreibenden Arzneymitteln zur Unzeit vertrieben werden.

§. 65. Finnen sind kleine Geschwüre der Haut, in der Größe eines Hanfkorns, welche einen harten und rothen Umfang, in der Mitte aber ein weißes Fleckchen haben, mit Eyter angefüllt sind, meistentheils das Angesicht einnehmen, und unter der Haut von stockenden Salzwasser entstehen. Man sagt, daß die Finnen sich gemeiniglich bey solchen Frauenzimmern einzufinden gewohnt wären, welche mannbar geworden sind, doch aber eine strenge Keuschheit beobachten. Ja man will so gar behaupten, daß keine bessere Heilungsart bey den Finnen statt fände, als der Ehestand. Ich läugne dieses zwar nicht, doch aber glaube ich auch, daß die Vollblütigkeit viel Schuld an den Finnen sey.

§. 66. Den Kupferhandel nennt man diejenige Röthe des Angesichts, welche vornehmlich an den Wangen und an der Nase sichtbar ist, sehr hochrothe, und fast rosenfarbigte eyterhafte Erhabenheiten zeigt, und kleine Grindchen hat, die aber zuweilen so überhand nehmen, daß die Haut des Angesichts davon ungleich rauh, und schäbicht wird, und garstig anzusehen ist, die Nase aber wird davon sehr aufgetrieben, groß und dicke. Man will insgemein denjenigen Frauenspersonen, welche diesen Handel treiben, zur Last legen, daß sie Weintrinkerinnen und Brandweinsäuferinnen seyn sollen. Und ich dürfte mich bald überreden lassen, es selbst zu glauben. Was meynen sie wohl darzu?

§. 67. Unter den Flechten aber versteht man gewisse Schäbigkeiten und Geschwülste der Haut des Angesichts, welche sich vornehmlich am Kinne befinden, ein beschwerliches Jucken verursachen, eine scharfe Feuchtigkeit von sich lassen, und zuweilen so um sich fressen, daß sie wohl gar das ganze Angesicht einzunehmen und unangenehm zu machen geschickt sind.