Viele haben das Herz, und wagen es, sich den Kropf mit einer Salbe bestreichen zu lassen, welche aus Quecksilber, venetianischen Terebinth und Schweinsfette verfertiget worden ist. Andere aber lassen ein bleyernes Halsband, welches mit lebendigem Quecksilber bestrichen werden muß, um den Hals tragen, und bilden sich ein, den Kropf damit weg bringen zu können: Aber sie betrügen sich in ihrer Meynung, und erlangen ihre Absicht dennoch nicht, ja sie richten damit vieles Unheil an, indem sie dadurch einen Speichelfluß erregen, welcher sie in nicht geringe Gefahr zu versetzen fähig ist. Diejenigen aber, welche den Kropf gar durch ätzende und beizende Sachen, zu vertreiben, sich in Sinn kommen lassen, machen es noch ärger, und verrathen offenbar ihren Unverstand. Denn es ist natürlich, daß durch diese Heilungsart große Adern und Nerven angefressen, der Kropf aber in einen Krebs verwandelt werden müsse, worauf allemal gewiß der Tod erfolgen wird. Man rühmt gemeiniglich den Schwammstein als ein untrügliches Hülfsmittel wider den Kropf. Allein man hat befunden, daß die Leute nach dessen Gebrauche sehr elende geworden sind, so, daß man alle Noth gehabt hat, solchen wieder zu ihrer verlohrnen Gesundheit zu verhelfen. Zurücktreibende Mittel verhärten nicht nur die Kröpfe noch mehr, und machen solche bösartig, sondern sie erzeugen auch alle diejenigen Mühseligkeiten, deren im [94sten] Absatze gedacht worden ist. Diejenigen aber werden ihre Absicht weit glüklicher erreichen, welche sich bey anfangenden Kröpfen solcher Mittel bedienen, die ihre Wirkung durch Vertheilen zu beweisen geschickt sind, und die Fähigkeit besitzen, das Blut von aller Unsauberkeit zu reinigen, und die Dickheit desselbigen zu verdünnen. Einem alten Kropfe aber ist keine andere Hülfe, als der Schnitt, nur muß man sorgfältig darauf Achtung geben, daß der Kropf, welcher geschnitten werden soll, von guter Art sey, nicht aber eine üble Beschaffenheit habe, weil sonst nur die Gefahr vergrößert werden würde.
Das fünfte Kapitel.
Von den
Ueblen Umständen, welche von der
Weißmachung des Halses
abstammen.
§. 99.
Niemand wird einen gelben oder braunen und schwarzen Hals vor eine Schönheit halten, auch so gar pflegen dieses die Frauenzimmer selbst nicht zu thun, ohnerachtet sie doch sonst gewohnt sind, ihre eigenen Fehler vor schön auszugeben. Sie sind, wie mein Geschlechte, einem mißfärbigen Halse gram, und eben aus dieser Ursache bemühen sie sich, an sich diesen Fehler zu verbessern, um sich keines Vorwurfs würdig machen zu wollen. Sie sind in ihrer Erfindung, ihren Gedanken nach nicht die unglücklichsten gewesen, zumal, da sie die Kunst, ihren gelben Hals mit einem weißen Anstriche so meisterlich zu verdecken gelernt haben, daß man sich selbst beynahe überreden lassen sollte, diese angenehmen Schönheiten wären allesamt in Cypern gebohren worden. Doch wenn es mir erlaubt ist, die rechte Wahrheit sagen zu dürfen, so kommen mir solche weißgefärbte Frauenspersonen eben so, wie die Pferde vor, welchen die Roßhändler eine andere Farbe zu geben pflegen, damit sie solche ihres Vortheils wegen desto theurer verkaufen möchten: Und aus einer gleichmäßigen Absicht färben die Weibsbilder ihre gelben Hälse weiß, damit sie sich an einem oder auch nach mancher Neigung auch an mehrere Liebhaber glücklich verkaufen könnten.
§. 100.