Die gelben Hälse aber pflegen die Frauenzimmer mit Puder, sehr zart zu Pulver gemachten Bleyweiße, oder mit Magisterio Talci weiß anzustreichen, um ihren Hälsen besondre Annehmlichkeit zuwege zu bringen. Einige nehmen auch diejenigen Mittel zur Hand, die ich schon im [45sten] und [46sten] Absatze angeführt habe. Aber es ist auch eine überaus schlechte Belohnung, welche sie vor ihre Bemühung, sich nämlich einen weißen Hals zu verschaffen, bekommen. Denn sie ziehen sich dadurch alle diejenigen Krankheiten über den Hals, die von mir im [98], [94], [92], [88], [63], [55], [49], [42], [38], [32], [28], [17], [12], und [5ten] Absatze erwehnt worden sind. Und so hätte ich denn, mit andern Gelehrten, den Kopf sowohl als den Hals schöne genug bemahlt, und abgeputzt, ohne daß ich bey den Stücken die geringste Krankheit aufgebürdet habe. Die Schönen würden mir das größte Unrecht von der Welt anthun, wenn sie sich gegen mich so unbarmherzig aufführen, und mich als einen Mörder ausschreyen wollten. Ob es aber auch nicht einige, nach ihrem schlechten angebohrnen Verstande thun dürften, dafür mag ich eben nicht Bürge seyn. Ich habe es mehr als einmal erlebt, daß man Personen aus einer bloßen gehäßigen Leidenschaft Gewalt angethan und ihnen mit einer erdachten und harten Beschuldigung, die ihnen nicht einmal in den Sinn gekommen war, zur Last gefallen ist. In Wahrheit, zu diesem Unglücke kann man eben so unvermuthet, wie jene Jungfer zu einem Kinde kommen. Gebt nur eingebildeten Gelehrten, und sich selbst weisedünkenden Herren, ob sie schon mehr Wahnwitz als Weisheit besitzen, nicht diejenige Ehre, der sie sich in ihren Köpfen, würdig zu seyn, glauben, so gleich werden sie an euch Gelegenheit suchen, euch mit einer Beschuldigung, davon ihr selbst nicht einmal wisset, zu beschweren, und es euch eben so nahe zubringen suchen, daß es euch, wenn ihr anders Empfindung habt, wehe thun muß. Und eben so machte es jenes Ordensglied, welches gegen seine Freunde mehr Schalkhaftigkeit als Freundschaft besaß, ob es schon immer sein rechtschafnes Gemüthe und seine Aufrichtigkeit in allen Gesellschaften, zumal wenn es von Weine beredter als Bäv gemacht wurde, recht meisterlich zu rühmen wußte, an dem aber gleichwohl, wie an einem stinkenden und faulen Fische, kein guter Bissen war, und eben darum seine vorige Gesellschaft zu verlassen genöthiget ward, weil man gar zu deutlich aus seinen Gesichtszügen sowohl, als aus seiner Aufführung schließen konnte, daß er sich besser zu einem Theaternarren, als zu einem Geistlichen schicken würde, ohnerachtet es das tolle Glück endlich noch zu allem Unglück zu einem mitlautenden Buchstaben, um die Zahl im ABC vollmachen zu helfen, gemacht hatte. Hier wußte es sich erst rechte Ehre zu geben, so, daß es endlich für Hochmuth und Einbildung in eine Krankheit, die von den Aerzten die Milzsucht genannt wurde, zu verfallen so unglüklich wurde. In diesem Zustande wuchs des Mannes Eigenliebe dergestalt, daß er in eine wirkliche Raserey verfiel, in der er vorgab, daß alle Gelehrsamkeit mit ihm ihre Endschaft erlangen würde, so bald er nur mit Tode abgehen würde. Der Himmel lasse doch diese Prophezeyhung immer mehr erfüllt werden! Doch ich will itzo sogleich, ohne daß ich mehr Worte verschwende, für die ich vielleicht wohl gar noch einigen Uebelgesinneten Rechenschaft zu geben, angehalten werden möchte, den Beschluß meines ersten Buches, von den Krankheiten des schönen Geschlechts, welche überhaupt dem Putze der Haare, des Angesichts und des Halses, ihr Daseyn schuldig sind, hiermit bestimmen; und kurz, hier ist das
ENDE.
Anmerkungen zur Transkription:
Der vorliegende Text wurde anhand der 1756 erschienenen Buchausgabe so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Altertümliche Begriffe und Satzkonstruktionen wurden unverändert übernommen; inkonsistente Schreibweisen wurden nicht vereinheitlicht. Zeichensetzung und offensichtliche typographische Fehler wurden stillschweigend korrigiert.
Bei Aufzählungen werden oftmals keine Kommas verwendet. Entsprechend der damaligen Gewohnheit, und entgegen den heute gültigen Regeln, werden Kardinalzahlen meist mit nachfolgendem Punkt geschrieben, Ordinalzahlen hingegen ohne.
Passagen in Antiquaschrift werden in diesem Text in serifenloser Schrift wiedergegeben.