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Doch, dieß ist's nicht, was in den taumelnden Minuten
Der ersten Trunkenheit die Wonnevollen rührt.
So unverhofft, so wunderbar den Fluten
Entronnen, unversehrt an trocknes Land geführt,
Gerettet, frey, allein, sich Arm in Arm zu finden,
Dieß übermäßig große Glück
Macht alles um sie her aus ihren Augen schwinden:
Doch ruft ihr Zustand bald sie zum Gefühl zurück.
39
Durchnäßt bis auf die Haut, wie konnten sie vermeiden
Sich ungesäumt am Strande zu entkleiden?
Hoch stand die Sonn' und einsam war der Strand.
Allein, indeß ihr triefendes Gewand
An Felsen hängt, wohin dem Sonnenstrahl entfliehen,
Der deine Lilienhaut, Amanda, dörrt und sticht?
Der Sand brennt ihren Fuß, die schroffen Steine glühen,
Und ach! kein Baum, kein Busch, der ihr ein Obdach flicht!
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Zuletzt entdeckt des Jünglings bangen Augen
Sich eine Felsenkluft. Er faßt Amanden auf
Und fliegt mit ihr dahin, trägt eilends Schilf zu Hauf
Und altes Moos (der Noth muß alles taugen)
Zur Lagerstatt, und wirft dann neben ihr sich hin.
Sie sehn sich seufzend an, und saugen
Eins aus des andern Augen Trost, für jede Noth
Die gegenwärtig drückt und in der Zukunft droht.
41
O Liebe, süßes Labsal aller Leiden
Der Sterblichen, du wonnevoller Rausch
Vermählter Seelen! welche Freuden
Sind deinen gleich?—Wie schrecklich war der Tausch,
Wie rasch der Übergang im Schicksal dieser beiden!
Einst Günstlinge des Glücks, von einem Fürstenthron
Geschleudert, bringen sie das Leben kaum davon,
Das nackte Leben kaum, und sind noch zu beneiden!
42
Der schimmerreichste Sahl, mit Königspracht geschmückt,
Hat nicht den Reitz von dieser wilden Grotte
Für Rezia—und Er, an ihre Brust gedrückt,
Fühlt sich unsterblich, wird zum Gotte
In ihrem Arm. Das halb verfaulte Moos,
Worauf sie ruhn, däucht sie das reichste Bette,
Und duftet lieblicher, als wenn Schasmin und Ros'
Und Lilienduft es eingebalsamt hätte.
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O daß er enden muß, so gern das Herz ihn nährt,
Der süße Wahn! Zwar unbemerkt sind ihnen
Zwey Stunden schon entschlüpft: doch, die Natur begehrt
Nun andre Kost. Wer wird sie hier bedienen?
Unwirthbar, unbewohnt ist dieser dürre Strand,
Nichts das den Hunger täuscht wird um und um gefunden;
Und ach! ergrimmt zog Oberon die Hand
Von ihnen ab—der Becher ist verschwunden!
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Mit unermüdetem Fuß besteigt der junge Mann
Die Klippen rings umher, und schaut so weit er kann:
Ein schreckliches Gemisch von Felsen und von Klüften
Begegnet seinem Blick, wohin er thränend blinkt.
Da lockt kein saftig Grün aus blumenvollen Triften,
Da ist kein Baum, der ihm mit goldnen Früchten winkt!
Kaum daß noch Heidekraut und dünne Brombeerhecken
Und Disteln hier und da den kahlen Grund verstecken.
45
So soll ich, ruft er aus, und beißt vor wilder Pein
Sich in die Lippen, ach! so soll ich denn mit leeren
Trostlosen Händen wiederkehren,
Zu ihr, für die mein Leben noch allein
Erhaltenswürdig war? Ich, ihre einzige Stütze,
Ich, der mit jedem Herzensschlag
Ihr angehört, bin nur um einen einzigen Tag
Ihr Leben noch zu fristen ihr nicht nütze!
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Verschmachten soll ich dich vor meinen Augen sehn,
Du Wunder der Natur, so liebevoll, so schön!
Verschmachten! Dich, die bloß um meinetwillen
So elend ist! für mich so viel verließ!
Dir, der dein Stern das schönste Loos verhieß,
Eh' dich des Himmels Zorn in meine Arme stieß,
Dir bleibt (hier fing er an vor Wuth und Angst zu brüllen)
Bleibt nicht so viel—den Hunger nur zu stillen!
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Laut schrie er auf in unnennbarem Schmerz;
Dann sank er hin, und lag in fürchterlicher Stille.
Doch endlich fällt ein Strahl von Glauben in sein Herz:
Er rafft sich aus des Trübsinns schwarzer Hülle,
Spricht Muth sich ein, und fängt mit neuem Eifer an
Zu suchen. Lang' umsonst! Schon schmilzt im Ocean
Der Sonnenrand zu Gold—auf einmahl, o Entzücken!
Entdeckt die schönste Frucht sich seinen gier'gen Blicken.