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Halb unter Laub versteckt, halb glühend angestrahlt,
Sah er an breit beraubten Ranken,
Melonen gleich, sie auf die Erde wanken,
Einladend von Geruch, und wunderschön bemahlt.
Wie hält er reichlich sich für alle Müh bezahlt!
Er eilt hinzu, und bricht sie; glänzend danken
Zum Himmel seine Augen auf,
Und Freudetrunkenheit beflügelt seinen Lauf.

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Amanden, die drey tödtlich lange Stunden
An diesem öden Strand, wo alles Furcht erweckt,
Wo jeder Laut bedroht und selbst die Stille schreckt,
Sich ohne den, der nun ihr Alles ist, befunden,
Ihr war ein Theil der langen Zeit verschwunden,
Zum Lager, wie es hier die Noth der Liebe deckt,
Mit ungewohntem Arm vom Ufer ganze Lagen
Von Meergras, Schilf und Moos der Höhle zuzutragen.

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Matt wie sie war, erschöpfte diese Müh
Noch ihre letzte Kraft; es brachen ihr die Knie;
Sie sinkt am Ufer hin, und lechzt mit dürrem Gaumen.
Vom Hunger angenagt, von heißem Durst gequält,
An diesem wilden Ort, wo ihr's an allem fehlt,
Wie angstvoll ist ihr Loos! Wo mag ihr Hüon säumen?
Wenn ihn ein Unfall traf? vielleicht ein reißend Thier?
Es nur zu denken, raubt den Rest von Leben ihr!

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Die schrecklichsten der Möglichkeiten
Mahlt ihr die Fantasie mit warmen Farben vor.
Umsonst bemüht sie sich mit ihrer Furcht zu streiten,
Ein Wellenschlag erschreckt ihr unglückahnend Ohr.
Zuletzt, so schwach sie ist, keicht sie mit Müh empor
Auf eines Felsen Stirn, und schaut nach allen Seiten,
Und mit dem letzten Sonnenblick
Entdeckt sie ihn—Er ist's! er kommt zurück!

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Auch Er sieht sie die Arme nach ihm breiten,
Und zeigt ihr schon von fern die schöne goldne Frucht.
Von keiner schönern ward, in jenen Kindheitszeiten
Der Welt, das erste Weib im Paradies versucht.
Er hält, wie im Triumf, sie in den letzten Strahlen
Der Sonn' empor, die ihre glatte Haut
Mit flammengleichem Roth bemahlen,
Indeß Amanda kaum den frohen Augen traut.

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So läßt sich unsrer Noth der Himmel doch erbarmen!
Ruft sie, und eine große Thräne blinkt
In ihrem Aug'; und eh' die Thräne sinkt
Ist Hüon schon in ihren offnen Armen.
Ihr schwacher Ton, und daß sie halb entseelt
An seinen Busen schwankt, heißt ihren Retter eilen.
Sie lagern sich; und, weil ein ander Werkzeug fehlt,
Braucht er sein Schwert die schöne Frucht zu theilen.

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Hier zittert mir der Griffel aus der Hand!
Kannst du, zu strenger Geist, in solchem Jammerstand
Noch spotten ihrer Noth, noch ihre Hoffnung trügen?
Faul, durch und durch, und gallenbitter war
Die schöne Frucht!—Und bleich, wie in den letzten Zügen
Ein Sterbender erbleicht, sieht das getäuschte Paar
Sich trostlos an, die starren Augen offen,
Als hätt' aus heitrer Luft ein Donner sie getroffen.

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Ein Strom von bittern Thränen stürzt mit Wuth
Aus Hüons Aug': von jenen furchtbarn Thränen,
Die aus dem halb gestockten Blut
Verzweiflung preßt, mit Augen voller Gluth,
Und gichtrisch zuckendem Mund und grimmvoll klappernden Zähnen.
Amanda, sanft und still, doch mit gebrochnem Muth,
Die Augen ausgelöscht, die Wangen welk, zu Scherben
Die Lippen ausgedörrt—Laß, spricht sie, laß mich sterben!

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Auch Sterben ist an deinem Herzen süß;
Und Dank dem Rächer, der in seinem Grimme,
So streng er ist, doch diesen Trost mir ließ!
Sie sagt's mit schwacher halb erstickter Stimme,
Und sinkt an seine Brust. So sinkt im Sturm zerknickt
Der Lilie welkend Haupt. Von Lieb' und Angst verrückt
Springt Hüon auf, und schließt die theure Seele
In seinen Arm, und trägt sie nach der Höhle.

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Ach! Einen Tropfen Wassers nur,
Gerechter Gott! schreyt er, halb ungeduldig,
Halb flehend, auf—Ich, ich allein, bin schuldig!
Mich treff' allein dein Zorn! mir werde die Natur
Ringsum zum Grab, zum offnen Höllenrachen!
Nur schone Sie! O leit' auf einer Quelle Spur
Den dunkeln Fuß! Ein wenig Wassers nur,
Ihr Leben wieder anzufachen!