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Zu beiden Seiten rauscht der reiche Goldstoff auf,
Und welch ein Schauspiel zeigt sich seinen starren Blicken!
Ein goldner Thron, und eine Dame drauf,
So wie ein Bildner sich, verloren in Entzücken,
Die Liebesgöttin denkt. Zwölf Nymfen, jede jung
Und voller Reitz, wie Amors Schwestern, schweben
In Gruppen rings umher,—um, gleich der Dämmerung,
Den steigenden Triumf der Sonne zu erheben.
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Von rosenfarbner Seide kaum
Beschattet, schienen sie, zu ihrer Dame Füßen,
Wie Wölkchen, die in einem Dichtertraum
Um Cythereens Wagen fließen.
Sie selbst, im reichsten Putz und mit Juwelen ganz
Belastet, zeigt ihm bloß, daß all dieß bunte Funkeln
Nicht fähig ist, den angebornen Glanz
Von ihrer Schönheit zu verdunkeln.
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Herr Hüon, (der sich nun der Gärtner Hassan nennt)
So wie sein Auge sich zu ihr erhebt—erkennt
Almansaris, erschrickt, verwirrt sich, wankt zurücke.
Dieß allverblendende wollüst'ge Traumgesicht,
Was soll es ihm?—Er sieht Amanden nicht!
Sie suchte hier sein Herz, Sie suchten seine Blicke.
Almansaris, die sehr verzeihlich irrt,
Glaubt, daß ihr Glanz allein ihn blendet und verwirrt.
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Sie steigt vom Thron herab, kommt lächelnd ihm entgegen
Und nimmt ihn bey der Hand, und scheint bereit, für ihn
Die Majestät, vor der ihm schwindelt, abzulegen,
Und allen Vortheil bloß von ihrem Reitz zu ziehn.
Unmerklich wird ihr Anstand immer freyer;
In ihren Augen brennt ein lieblich lodernd Feuer
Und spielt elektrisch sich in seinen Busen ein;
Sie drückt ihm sanft die Hand, und heißt ihn fröhlich seyn.
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Halb unentschlossen scheint sein Blick ihr was zu sagen:
Sie winkt die Nymfen weg, und weg ist auch sein Muth;
Er scheint zu furchtsam nur die Augen aufzuschlagen.
Die Scene ändert sich. Ein zweyter Vorhang thut
Sich auf. Almansaris führt ihren blöden Hirten
In einen andern Sahl, wo rings umher die Wand
Bekleidet war mit Rosen und mit Myrten,
Und mit Erfrischungen ein Tisch beladen stand.
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Beym Eintritt werden sie mit Sang und Klang empfangen,
Aus Saiten und Gesang ertönt der Freude Geist;
Und Hassan setzt, wie ihm's die Dame heißt,
Ihr gegenüber sich. Erröthendes Verlangen
Und schöne Ungeduld bekennet, furchtsam dreist,
In ihrem schwimmenden Blick, auf ihren glühenden Wangen,
Ihm seinen Sieg: allein, aus seinen Augen bricht
Wie aus Gewölk ein traurig düstres Licht.
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Zwar irrt, nicht blöde mehr, sein Blick von freyen Stücken
Auf ihren Reitzungen umher;
Doch nicht aus Liebe, nicht mit schmachtendem Entzücken,
Nicht, wie sie wünscht, vom Thau wollüst'ger Thränen schwer.
Er ist zerstreut, er scheint sie zu vergleichen,
Und jeder Reitz, der ihm nachstehend sich enthüllt,
Mahlt nur lebendiger Amandens edles Bild,
Und muß, beschämt, dem keuschen Reitze weichen.
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Vergebens reicht sie ihm den blinkenden Bokal
Mit einem Blick, der Amors ganzen Köcher
In seinen Busen schießt. Beym frohsten Göttermahl
Reicht ihrem Herkules den vollen Nektarbecher
Mit süßerm Lächeln selbst die junge Hebe nicht.
Umsonst! Mit frostigem Gesicht
Nimmt er den Becher an, den kaum ihr Mund berührte,
Und trinkt, als ob er Gift auf seiner Zunge spürte.
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Die Dame winkt; und schnell schlingt sich die Schwesterschaar
Der Nymfen, die vorhin den goldnen Thron umgaben,
In einen Tanz, der Todte auf der Bahr'
Mit neuen Seelen zu begaben,
Und Geister zu verkörpern fähig war.
In Gruppen bald verweht, bald wieder Paar und Paar,
Sieht Hüon hier die lieblichsten Gestalten
In tausendfachem Licht freigebig sich entfalten.
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Vielleicht zu deutlich nur, scheint alles abgezielt
Begierden ihm und Ahnungen zu geben:
Er fühl' es immerhin, denkt sie, wenn er nur fühlt,
Wie reich das Schauspiel ist das hier die Schönheit spielt!
Wie reitzend ist der Arme leichtes Schweben,
Der Hüften üppiger Schwung, der Knöchel wirbelnd Beben!
Wie schmachtend fallen sie, mit halb geschloßnem Blick,
Als wie in süßen Tod itzt stufenweise zurück!