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Zu seinen Füßen fleht ihm Scherasmin, und lange
Vergebens, nur drey Tage noch dem Zwange
Der nöthigen Verborgenheit
Sich in Geduld zu untergeben,
Und nicht durch einen Schritt, den selbst die Tapferkeit
Verzweifelt nennt, sein und Amandens Leben
Zu wagen; bittet nur um diese kurze Zeit,
Um jedes Hinderniß von seiner Flucht zu heben.
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Auch Fatme fleht auf ihren Knieen, streckt
Ihr Haupt der Rache dar, wofern sie zu Amanden
Ihm binnen dieser Frist den Zugang nicht entdeckt.
Sie schwört, zum zweyten Mahl soll kein Betrug zu Schanden
Sie machen—Kurz, der Ritter selber fühlt,
Daß ihm sein Unmuth nicht den besten Weg empfiehlt:
Er giebt sein Wort, und kehret in den Garten
Zurück, um seines Diensts und des Erfolgs zu warten.
Zwölfter Gesang.
1
Indessen sucht auf Polstern von Damast
Almansaris, mit Amors wildstem Feuer
In ihrer Brust, umsonst nur eine Stunde Rast.
Ist's möglich, oder hat das schnöde Abenteuer
Der letzten Nacht ihr nur geträumt? Ein Mann
Verachtet dich, Almansaris? Er kann
Dich sehen und für eine andre brennen,
Kann dich verschmähn, und darf es dir bekennen?
2
Zur Wuth treibt der Gedanke sie;
Sie schwört sich grenzenlose Rache.
Wie häßlich wird er ihr! Ein Ungeheu'r, ein Drache
Ist lieblicher, als ihre Fantasie
Den Undankbaren mahlt—Wie lang'?—In zwo Minuten
Ist sie des vorigen sich schon nicht mehr bewußt:
Bald soll er tropfenweis' im Staub vor ihr verbluten,
Bald drückt sie ihn entzückt an ihre Brust.
3
Nun steht er wieder da in seiner ganzen Schöne,
Der erste aller Erdensöhne,
Ein Held, ein Gott!—Unmöglich ist er nur
Der Neffe Ibrahims; in seinem ganzen Wesen,
In seinem Ton und Anstand ist die Spur
Von dem, was er umsonst verbergen will, zu lesen;
Wo ist der Stempel der Natur,
Der einen König macht, sichtbarer je gewesen?
4
Er, er allein, ist ihrer werth,
Ist werth in ihrem Arm sich zu vergöttern.
Und, o! ihr fehlt ein Blitz, die Feindin zu zerschmettern
Die ihn bezaubert hält und ihr den Sieg erschwert!
Doch, wie, Almansaris? Fühlst du dich selbst nicht besser?
Gönn' ihm den kleinen Stolz, sich pfauengleich zu blähn
In seinem Heldenthum! Selbst Dir zu widerstehn!
Das alles macht doch nur die Lust des Sieges größer!
5
Bestürm' ihn erst, eh' du den Muth verlierst,
Mit jedem Reitz, auf den sich wahre Schönheit brüstet;
Begieb, damit du ihn um so viel sichrer rührst,
Der fremden Waffen dich, womit die Kunst uns rüstet;
Er fühl' und seh' was Götter selbst gelüstet!
Und wenn du dann sein Herz noch nicht verführst,
Er dann dich noch verschmäht—dann, Königin, erwache
Dein Stolz, und schaffe dir die süße Lust der Rache!
6
So flüstert ihr aus einer Zofe Mund
Der kleine Dämon zu, den ihr, mit vollem Köcher,
Gebietrisch sitzen seht auf diesem Erdenrund!
Der alle Welt aus seinem Zauberbecher
Berauscht, und den, wer ihn nicht besser kennt,
Zur Ungebühr den Gott der Liebe nennt!
Denn—jeder jungen unerfahrnen Dame
Zur Nachricht sey es kund!—Asmodi ist sein Nahme.
7
Almansaris, in deren warmem Blut
Schon ein Verführer schleicht, ist gegen den Betrüger
Von außen, weniger als jemahls auf der Hut;
Sein Anhauch nährt und fächelt ihre Gluth,
Und kaum daß sie, zur Zier, dergleichen thut
Als widerstände sie, so ist Asmodi Sieger.
Die Zofe Schmeichlerin, sein würdiges Organ,
Legt den Entwurf sogleich mit vieler Klugheit an.