Die Sache kam Schlupps sonderbar vor. Er ergriff seinen Wanderstab und frug noch, ehe er weiterschritt: »Wie heißt Euer Land, Herr Wirt?«

»Das Land derer, die nicht alle werden,« war die Antwort.

»Die nicht alle werden,« murmelte Schlupps und wanderte los. An einer Straßenbiegung sah er einen Mann stehen, der hielt mit seinem Rößlein an einem leeren Brunnentrog; aber kein Wasser floß aus dem ausgehöhlten Baumstamm, in dem das Rohr lag. »Was ist hier, guter Freund?« rief Schlupps ihm zu, als er sah, wie das Pferd mit der Zunge gierig im leeren Becken nach Wasser suchte. »Es fließt nicht,« klang es zurück. »Laßt mich sehen; bin eine Art von Brunnenmeister.« Schlupps beugte sich nieder. »Ei, da steckt ja ein Stein im Rohr, müßt den herausmachen.« Der andere schüttelte den Kopf. »Das haben gewiß des Nachbars unnütze Buben getan. Ich zieh ihn nicht heraus.«

»Aber Euer Pferd verdurstet indessen,« sagte der neue Brunnenmeister. »Will es Euch in Ordnung bringen.«

»Nein! Nein,« beharrte der Bauer. »Wer es hineingetan hat, soll es wieder herausziehen.« Das Pferd schnappte und wendete kläglich den Kopf nach seinem Herrn. »Laßt mich Euch helfen, es ist ja nur eine Kleinigkeit,« bat Schlupps eindringlich; denn er hatte Mitleid mit der armen Kreatur.

Der Andere sah ihn mißtrauisch an. »Was kümmert’s Euch?« brummte er. »Ist mein Pferd. Wer es hineingesteckt, soll es herausziehen. Ist Eures Amtes nicht.«

Er hielt die Hand fest auf die Mündung des Rohres gepreßt. Plötzlich wankte das Pferd, schlug um, streckte alle Viere steif von sich und lag steif und tot da.

»Ist meinem Nachbar recht geschehen. Sein Pferd wird auch so verdursten, wenn es an die Tränke kommt.« Damit zog der Bauer dem Vieh das Fell ab, warf es über die Schulter und wanderte langsam und gemütlich heim.

Schlupps sah ihm erstaunt nach. »Scheinen eigentümliche Leute hier zu Lande,« murmelte er und wanderte weiter. Er bog in eine Dorfgasse, da standen Maurer und bauten an einem Haus. Wenn sie einen Stein hergetragen hatten, stellten sie sich im Kreise auf, befühlten ihn, schoben ihn hin und her und putzten sich dann die Hände an der Schürze ab. Dann tauschten sie ihre Meinung darüber aus, wie der Stein den andern so ähnlich sehe, und endlich hoben sie ihn mit vieler Mühe und lautem Seufzen hoch und verschmierten die Fugen mit Lehm. Darauf ließen sie die Flasche kreisen und lobten einander für ihr fleißiges Tun. »Habt viel Zeit, Kameraden!« rief Schlupps. »Meint Ihr, Herr?« entgegnete der älteste Maurer. »Irrt Euch sehr. Bis heute sollte das Haus fertig sein. Seht nur wie wir vor Mühsalen schwitzen.« »Bis heute?« wunderte Schlupps sich. »Ist ja noch nicht das Kellergeschoß fertig.« »Seht Ihr, der Mann versteht’s,« rief der Maurer. »Habe ich nicht gleich gesagt, wir werden bis heute nicht fertig. Der Herr ist wohl auch Maurer?«

»Freilich, Baumeister bin ich. Hab’ schon manches Schloß hoch über den Wolken in den Lüften erbaut, dem kein Neider und kein Feind etwas anhaben konnte.«