Der Wirt war froh, den höllischen Gast auf gute Art aus dem Hause zu bekommen, gab ihm das Verlangte, tat noch ein Fäßchen schweren Roten dazu, steckte dem Burschen ein Beutelchen mit Geld bei und bat ihn um Gotteswillen, bei des Teufels Großmutter ein gut Wort einzulegen.
Der Bursche versprach es und sagte zum Abschied: »Wenn Euch einer fragt, wer Euch gelehrt hat, mit Wein und Gästen gut umzugehen, sagt immer ›Schlupps.‹« Damit zog er ab, und dem Wirt fiel ein Stein vom Herzen.
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Nicht lange darauf hörte man eines Tages Hörner blasen, und als der Wirt in die Haustüre trat, kam eine Reiterschar dahergesprengt, und der Vornehmste von ihnen war der König. Die Ritter saßen ab und traten in die Gaststube. »Holt Essen herbei,« befahl der König, »wir sind müde und hungrig von der Jagd.« Da liefen der Wirt und sein Gesinde und brachten heran, was Gutes in Kammer und Küche war. »Habt Ihr Wein?« fragte der Kämmerer, der immer an des Königs Seite saß. »Ei freilich,« rief der Wirt und wollte schnell hinabspringen und zapfen; aber der König sah ihn scharf an und sprach: »Weißt du, daß ich ein Gebot erlassen habe: man solle jeden, der Wein fälscht, zum Galgen führen? Wehe, wenn ich dich auf böser Tat ertappe!« Der Wirt beteuerte, daß sein Wein echt und rein sei. Da stieg der König selbst mit in den Keller, um den Wein zu prüfen, und aus jedem Faß, das er versuchte, kam die liebe Gottesgabe rein und unverfälscht heraus und sein Gesicht strahlte immer mehr vor Freude, als er von Faß zu Faß ging. »Wer hat dich gelehrt, den Wein so gut zu behandeln?« »Schlupps,« antwortete der Wirt.
Da sahen sich die Diener des Königs erstaunt an, solch ein Wort hatten sie noch nie vernommen. Der Kämmerer aber legte den Finger an die Nase, dachte eine Weile nach und meinte dann bedeutungsvoll: »Das ist eine Sprache, die ich nicht kenne. Wer weiß, was der Wirt für ein gelehrter Mann ist.« – Dann flüsterte er lange heimlich mit dem König. Der nickte mit dem Kopfe und sagte zu dem Wirt, der abseits stand und nicht wußte, was das alles zu bedeuten habe: »Wisset, mein Kellermeister ist gestorben. Im ganzen Lande suchen wir einen neuen; aber es muß ein Mann sein, der nie Wein gefälscht, noch gewässerten Wein verkauft hat. Du scheinst mir der Rechte. Sage mir, wer hat dich in der Kunst unterwiesen?«
»Schlupps,« sagte der Wirt wieder. Der König legte seine Stirn in tiefe Falten und sah sich ernst im Kreise um. Denn weil ein König gescheidter sein muß, wie alle Leute und alles besser wissen soll, wollte er nicht merken lassen, daß er das Wort nicht kenne und so sagte er: »Das dachte ich mir gleich. Willst du mein Kellermeister sein, so sollst du in meinem Schlosse wohnen, in einer goldenen Kutsche fahren und so viel Geld haben, als du immer willst; dafür darf kein anderer als du meinen Wein besorgen.«
Des war der Wirt froh. Entließ sein Gesind, schloß sein Haus zu, bestieg ein Pferd und zog mit dem König fort.
Von einer Heirat
Schlupps fuhr indes in die Welt hinein, machte sich gute Tage und sparte nicht an Geld; denn er meinte, der Beutel lange ewig. Eines Tages aber sah er, daß nur noch wenige Goldstücke darinnen waren und er sehen mußte, sich Geld zu verschaffen. Er war indeß schon ein gut Stück in der Welt herumgekommen, denn mit Wagen und Pferden ging es schneller als auf Schusters Rappen. Einkehr hielt er des Nachts selten in Wirtshäusern, meistens bat er die Bauern, bei ihnen sein Gespann einstellen zu dürfen, dieweil er ein armer Fuhrmann war, der daheim Weib und Kind hatte. Er wolle gern den Hafer für sein Pferd und die Abendsuppe für sich bezahlen. Da aber die Leute, besonders die Frauen, mit ihm Mitleid hatten, wenn er gar zu beweglich von seinen sechs hungrigen Kindern daheim erzählte, gaben sie ihm um Gotteswillen, was er sich ausbat, und was er des Nachts sparte, ließ er des Mittags im Wirtshaus draufgehen.
So kam er einmal abends in ein Dorf und hielt gleich bei dem ersten Bauernhof um Nachtherberge an. Der Bauer aber war der Dorfschulze und gar hochmütig. »Hab kein Wirtshaus für herumziehendes Volk,« brummte er. »Brauche meine Ställe alleine,« und jagte den Fuhrmann fort. Der traute sich nicht so bald wieder zu fragen, zog langsam weiter und horchte, wie die Hunde hier gar so bös bellten. »Scheinen ungute Leute im Dorf,« dachte er, »tät ihnen not, daß ich sie mit meinen Launen und Schwänken hobelte, damit sie an mich denken.«