Deß freute sich Grit, denn es verdroß sie schon lange, daß sie zur Hochzeit daher kommen sollte wie jede Bauernmagd. Jetzt sollte der Hans sehen, was eine reiche Braut vermochte, und die Eve sollte vor Neid bersten.

»Erzählt mir, wie das Gewand war,« bat sie. »Aus den besten Stoffen,« erzählte das falsche Schneiderlein, »ein Unterkleid von gelbem Tuch, dazu ein Obergewand von rotem Sammet, die Ärmel gepufft aus heller Seide und alles fein mit bunten Bändern ausstaffiert. Auf dem Kopfe eine vier Ellen hohe Mütze aus Seide und Pelz und daran einen Schleier, so lang als Ihr seid und noch darüber, und die Schuhe – – die Schuhe, die waren mit dicken grünen Perlen besetzt. Eine goldene Kette lag um den Hals, die ging bis auf den Gürtel, und der war aus purem Golde mit bunten Steinen verziert. So müßt Ihr es auch haben. Wartet nur Ihr Bauern,« und er drohte mit der Faust hinaus in die Luft, »ich will Euch zeigen, wie man eine Prinzessin zu behandeln hat.«

»Aber werdet Ihr das Alles so schnell nähen können?« fragte Grit zweifelnd. »In vier Tagen ist Hochzeit.«

»Nichts leichter als das,« lachte Schlupps. »Hab in Welschland doch anderes leisten müssen. Gebt mir Wagen und Pferd, so fahr’ ich in die Stadt und kaufe alles ein. Wundert Euch nicht, wenn ich erst morgen Abend wiederkomme; denn es wird schwer halten, alles im Städtchen zu finden. Damit Ihr aber sicher seid, daß ich wiederkehre, lasse ich mein Felleisen da. In dem ist mein Fingerhut, und wenn ich den nicht habe, kann ich nichts machen. Hütet Euch jedoch, das Felleisen zu öffnen. Es ist mit einem Zauberspruch geschlossen, und wer es öffnet, wagt sein Leben.« Grit, deren Hoffart immer mehr stieg, gab ihm heimlich ihres Vaters Wagen und Pferd und einen großen Sack Geld; den wollte sie eigentlich dem Hans als Brautgabe mitbringen. »Braucht davon, so viel Ihr für gut findet,« sagte sie. Denn wenn sie auch keinem etwas gönnte, so war ihr für sich selbst nichts zu viel, und sie scheute nicht Geld und Gut, wenn es ihre Schönheit galt. Meinte sie doch, daß ihr kein Mädchen im Dorf gleich käme, und wußte nicht, wie die hakige Nase garstig aus den knochigen Wangen herausstach, und der Hans fürchtete sich so vor dem spitzen Gesicht, daß er seiner Braut noch nie einen Kuß gegeben hatte und stets wehmütig an Eves rundes, frisches Gesicht mit den braunen Augen dachte.

So fuhr Schlupps davon. Hans aber kam auf seines Vaters Weisung, seine Braut zu besuchen und allerlei mit ihr wegen des Hausrats zu besprechen. Der Schultheiß kam selbst auch hinzu, um die künftige Tochter wegen der Hochzeit zu befragen. Er wunderte sich nicht wenig, wie Grit hoffärtig und spitz immer davon sprach, daß es eine Gnade für Hans sei, wenn sie ihn nähme, und daß sie für Höheres geboren wäre. »Na, hoch genug liegt unser Hof ja,« sagte der Schulze scherzhaft, er verstand noch immer nicht, wo sie hinaus wollte. »Laßt die Späße, Schultheiß,« gab sie giftig zurück. »Wenn ich erst Bäuerin auf dem Hof bin, werden wir sehen, wie hoch Ihr seid. Da habt Ihr nichts mehr dort drein zu reden. Am besten wär’s, Ihr gäbet Hans gleich Haus und Hof und zöget aus. Für drei Leute ist der Hof zu eng.« – –

Da sah Hansens Vater, was für eine Böse die neue Schwiegertochter war, schlug die Türe zu und ging heim. »Noch ist nicht aller Tage Abend,« brummte er. Und der Zufall wollte, daß ihm die Ev begegnete, wie sie so bescheiden und sittig durch das Dorf schritt. »Hätte ich der doch den Hans gegönnt,« dachte er, »das wäre eine bessere Hausfrau geworden, als die übermütige, häßliche Bäckerstochter,« und weil er im Grunde nicht geldgierig, nur stolz und rechthaberisch war, tat ihm jetzt die Eve leid. Sie hatte mit so traurigen Augen auf ihn geblickt. –

Schlupps fuhr indeß in die Stadt, kaufte allerlei Stoffe, alles vom Gröbsten und Schlechtesten, ging zu einem Schneidermeister und sprach: »Meister, mach Er mir bis morgen ein Gewand. So und so muß es sein« und beschrieb, wie er es haben wollte. »Das kann nicht sein,« widersprach der Meister, »das wäre eine gar traurige Arbeit, und man würde mich darob mit Schimpf und Schande aus der Zunft jagen. Gebt mir acht Tage Zeit und es soll genäht und gebügelt sein, wie es sich gehört.« »Bis morgen muß ich es haben,« beharrte Schlupps. »Tut Ihr es nicht, tut es ein anderer; auf Geld soll es mir nicht ankommen,« und legte ein Goldstück auf den Tisch. »Näht wie Ihr wollt, und wenn ein Stich auch dem andern zuruft: »halt Bruder, lauf nicht davon,« so soll es nichts ausmachen. Es braucht nicht lange zu halten und wenn die Ärmel nur lose darin hängen und die Nähte bald springen, so ist das Ausziehen um so leichter und man braucht nicht viel Haken aufzumachen.« »Auch gut,« überlegte der Meister von der Nadel. »Gewiß ist das unehrliches, fahrendes Volk; denn ein Bürgerkind zög ein solches Narrengewand nicht an;« rief seine Gesellen herbei und versprach, rechtzeitig fertig zu sein. Konnte sich aber nicht genug wundern, was für schlechte Tuche ihm zu Händen kamen, denn statt Sammet hatte der Schalk grobe Linnen mit roter Farbe anstreichen lassen.

Den Schmuck aber ließ er beim Blechschmied aus Blech und Messing machen und in den Gürtel Glasstücke hineinsetzen. Der Schleier war so groß wie ein Fischernetz, und der Beutel wurde, nachdem alles eingekauft war, nur um ein Weniges erleichtert. »Das Geld hast du dir sauer verdient,« dachte Schlupps und streichelte den Geldsack zärtlich. Wie er am folgenden Abend heimkehrte, stand die Bäckerstochter auf der Landstraße und erwartete ihn. »Steigt auf, schöne Grit,« rief Schlupps. »Laßt Euch erzählen.« – Er berichtete, wie er überall herumgelaufen sei, bis er alle Stoffe gefunden habe, dafür wären sie auch vom besten und feinsten. Jetzt wolle er aber die ganze Nacht fleißig sein; denn bis morgen müsse sie ihr Gewand haben. Den Packen trug er dann eilends auf die Kammer, die ihm die Grit eingeräumt hatte, schloß zu und steckte den Schlüssel ein. Dann ging er fort in das Wirtshaus. Da saßen die Mannsleute des Dorfes, alte und junge, und in ihrer Mitte der Schulze und Hans; denn heute sollte der Bursche noch einmal das Ledigsein feiern, wie es Brauch war am Ort.

»Schulze, warum seid Ihr so ernst?« sagte der Wirt. »Muß ich nicht ärgerlich sein?« war die Antwort. »Ich wollte zur Hochzeit von meinem einzigen Sohne etwas draufgehen lassen und hab darum meinen Knecht in die Stadt geschickt nach einem Faß vom besten Roten, wie es ihn hier herum nirgends gibt. Ein Freund hat ihn mir um vieles Geld besorgt. Jetzt schickte der Knecht mit einem Fuhrmann die Kunde her, das Faß sei noch nicht eingetroffen, und er wisse nicht, ob er zur Hochzeit zurück sein werde. Übermorgen ist die Trauung; morgen kommen schon die Gäste, und ich muß ihnen einen gewöhnlichen Wein vorsetzen, wie ihn jeder Bauer im Keller hat.«

»Verzeiht, Herr,« mischte sich Schlupps ins Gespräch. »Sollte im Dorf kein Wein zu haben sein? Ich bin Küfer und weiß die verborgenen Quellen wohl aufzufinden.«