»Na, wenn denn alles so weit in Ordnung wäre,« sagte der Oberförster erleichtert, »könnten wir ja wohl auch zu Tische gehen, nicht wahr?«

Das war ein merkwürdiges Mittagessen.

Man sprach viel, auch über wichtige Dinge, wie die Übersiedlung der Seckersdorfs nach Romitten, die schon beschlossene Sache war. »Auf Maggies Wunsch!« sagte ihr Mann, da sie sich in die sächsischen Verhältnisse nie hätte einleben können. Weil man sie beständig ihre bürgerliche Geburt hätte empfinden lassen, meinte Maggie mit bösem Stirnrunzeln – »die Damen wenigstens.« Man erörterte auch, ob der Oberförster und Fräulein Perl mit hinüberziehen sollten. Seckersdorfs wünschten es, und die beiden Alten sträubten sich nur noch der Form wegen. Und so ging das Gespräch lebhaft und doch ohne eigentliche Wärme weiter.

Während über die Zukunft geredet wurde, lag doch jeder im Bann der Vergangenheit, und über dem Plänemachen maß sich einer am andern.

Schließlich verstummte das Gespräch.

»Und Sie, gnädige Frau?« begann da Seckersdorf stockend, gegen Gertrud gewendet, das erstemal, daß er sie direkt anredete.

»Ach was, – gnädige Frau,« unterbrach ihn der Oberförster ... »wenn ich auch zu alt bin, um mit aller Welt Brüderschaft zu machen, unter euch Jungen ist solche Steifheit doch die reine Unnatur. Ihr könnt euch ruhig 'du' nennen.«

Einen Augenblick schwieg alles. Gertrud und Maggies Augen trafen sich mit ernstem, fragendem Blick, Seckersdorfs Gesicht zeigte einen entschiedenen Protest, nur Kurowski lachte sichtlich amüsiert auf und sagte:

»Papachen, Sie sind unternehmend ... aber ... einverstanden.« Und den Blick voll funkelnden Hohnes hob er sein Glas gegen Seckersdorf.

Über Gertruds schönes, ernstes Gesicht flog ein leises Zittern.