Sie schwieg. Sie zog frierend die Spitzen ihres Pudermantels fester um die Schultern und sah mit ihren großen, traurigen Augen so hilflos um sich, daß Maggies Herz vor Trauer und Empörung schwoll.

»Komm zu Bett,« sagte sie. »Du bist kalt. Ich bleibe bei dir sitzen und nehme deine Hand, mein armes Kind. Weißt du, wie du früher tatst, wenn ich Spukgeschichten gelesen hatte und nicht einschlafen konnte. Komm ... komm.«

Und sie zog die Schwester aus und brachte sie mit mütterlicher Sorgfalt zu Bette.

Gertrud ließ sich alles gefallen und sagte, das täte gut. Wenn sie nur bleiben dürfte! Bei Maggie wäre ihr wohl, da hätte sie keine Angst.

Maggie dehnte den prachtvollen, üppig schlanken Leib. »Es sollte auch mal einer wagen, dir zu nahe zu kommen. Für dich setze ich alles ein, was ich übrig behalte, wenn ich für mich gesorgt habe.«

Gertrud richtete sich auf und sah sie fragend an. »Warum sagst du so was?«

»Weil es wahr ist, Trude. Ich kann nun mal nicht anders. Ich muß immer zuerst an mich denken, und was für mich am bequemsten und besten wäre. Aber dann kommst du, Liebling. Du bist das einzige, was ich ganz liebhabe. Von Kindheit an. Vielleicht, weil du so anders bist. So zerbrechlich und so schön und gut.«

»Ach, Maggie, ich bin nichts, als zuviel auf der Welt,« weinte die junge Frau.

Maggie löschte die Lampe und setzte sich zu ihr.

»Nun wollen wir mal vernünftig reden, Kind!« sagte sie. »Sei still, erzähle mir nur, wie das denn nun so mit einem Male zum Klappen gekommen ist.«