»Papa, du hast ja verheimlicht, daß am Sonntag die Waldlacker Gesellschaft ist,« wandte sich Maggie an den Vater. »Natürlich also, und ich freue mich darauf. Meine Schwester, als Strohwitwe, bleibt wahrscheinlich den ganzen Winter zu Hause, aber ich komme, wo es etwas zum Tanzen gibt.«
»Und immer viel zu viel,« lachte der Oberförster. »Aber wenn Sie sich nun den Schlag einmal genau ansehen wollen, lieber Seckersdorf, dann bitte ... Du kannst hier einen Augenblick ausruhen, Kind. Wir haben ja noch einen weiten Rückweg.«
Maggie setzte sich auf einen Stein, während die Herren zu den Arbeitern gingen.
Das Herz war ihr weit und sie fühlte sich beunruhigt. Also, so was gab es wirklich? Da war ein Mann, schön und jung, vornehm, mit glänzenden Aussichten, und der sah seine Liebste wieder nach acht Jahren fast – und obwohl Gertrud nicht mehr so schön war, einem anderen gehört hatte, Mutter und so ganz anders geworden war, bebte er heute, wenn er ihren Namen nannte. Und sie ... Kurowski war auch ein stattlicher Mann, vielleicht noch interessanter als dieser – aber nein –, dieser Seckersdorf hatte doch in seiner stillen beherrschten Manier etwas ganz außergewöhnlich Anziehendes.
So wanderten ihre unruhigen Gedanken hin und her, und zuweilen, wenn sie seine schlank-kräftige Gestalt in dem knappen Reitanzug zwischen den Bäumen auftauchen sah, überraschte sie sich auf einem kleinen Anflug von Neid.
Warum traf sie nie so einen, der ihr seine schöne männliche Erscheinung, seine vornehme Seele und – nicht zu vergessen – seine Reichtümer bot? Warum trat in ihr Leben kein Mann wie dieser, der so treu blicken, so fest die Hand drücken konnte? Gott, vielleicht war das alles ein bißchen langweilig; vielleicht, wenn man sich überhaupt auf so etwas einließ, hatte Kurowski mit seinem Wechselsystem Recht. Und übrigens, was grübelte sie über das alles? Sie hatte einfach zu tun, was sie sich einmal vorgenommen, und sie war auf gutem Wege. Gertrud konnte sich wirklich freuen.
Dann kamen die Herren. Seckersdorf verabschiedete sich, erinnerte an das Souper in Waldlack, das sie ihm versprochen, drückte ihr bedeutungsvoll die Hand und ritt nach der entgegengesetzten Richtung fort.
»Famos, wie er reitet,« sagte Maggie, ihm nachsehend.
»Überhaupt ein Prachtmensch,« stimmte der Oberförster bei. »Glaubst du, daß er mir das von damals nachträgt? Keine Spur! Und was meinst du, Döchting, die Gertrud ist dem doch nicht mehr gefährlich.« Er blinzelte schlau mit den Augen.
»Das kannst du gar nicht wissen,« erwiderte Maggie ernsthaft.