»Was glauben Sie denn?« fragte sie geradezu. »Ich habe doch immerzu daran gedacht, daß wir uns jetzt aussprechen würden. Ich sah es ja auch Ihnen an, wie Sie darauf warteten.«
Ja, er hätte mit Spannung gewartet, alle die Tage, und er wäre glücklich gewesen, wenn er sie hätte sprechen können. Sie hätte ihn durch ihre Andeutungen neulich in große Unruhe versetzt. Er wüßte nicht, wie es durch ihn zu einem so schweren Mißverständnis hätte kommen können. Der Gedanke peinigte ihn furchtbar und er bäte Fräulein Maggie inständig, ihm alles zu sagen.
Maggie lehnte sich in ihren Stuhl zurück und sah ihn von unten herauf ernst an.
»Herr von Seckersdorf ... Vertrauen gegen Vertrauen. Lieben Sie meine Schwester Gertrud noch?«
Seckersdorf fuhr zusammen. »Fräulein Maggie!«
»Ja,« fuhr sie fort. »Das ist die Generalfrage. Über die müssen wir uns einigen, wenn ich mit Ihnen ehrlich und ohne Rückhalt sprechen soll. Also ja ... oder nein?«
Seckersdorf sah sie mißbilligend, fast hochmütig an. Er war blaß geworden.
»Fräulein Maggie, meine Lebensanschauungen verbieten mir, die Frau eines anderen –«
»Das heißt also: nein!« sagte Maggie kalt. »Gut, sprechen wir nicht weiter über die Angelegenheit. Oder doch ... weil Sie in Unruhe sind, Herr von Seckersdorf. Machen Sie sich keine Vorwürfe deshalb. Mein Schwager hat Gertrud nur brutal behandelt, weil er behauptet, daß sie Ihnen Avancen gemacht hätte.«
»Gott!« Seckersdorf hob den Kopf hoch und sah in wortlosem Ingrimm vor sich hin.